Wilde Bienenschwärme bevölkerten die Luft; ein mattes, rosiges Glühen der untergehenden Sonne lag auf dem Gras und vergoldete die Zweige hundertjähriger Bäume; einige kleinere Singvögel zwitscherten im Laube ihr Abendlied; große Spinnen, Riesen ihrer Art, webten jene Netze, in denen sich sogar die geflügelten Sänger auf Augenblicke zu verstricken im stande sind; Ameisen zogen in langen Reihen, mit Beute beladen nach Hause; kurz, alle Zeichen deuteten auf das Hereinbrechen der Nacht, und eben daher beeilten sich unsere Freunde so sehr als möglich, die Küste zu erreichen. Der Trepangfang durfte ihnen nicht entgehen.
Da plötzlich raschelte es im Laube, eine Nuß flog herab, dem Doktor gerade an den Kopf, und als sich der alte Herr äußerst erstaunt nach dem unvermuteten Angreifer umsah, blickte zähnefletschend ein großer, schwarzer Affe vom Baum; kaum aber hatte diesen der Alfure bemerkt, als er mit einem Satz zurücksprang und sich auf beide Kniee warf. Seine Lippen murmelten abgebrochene Laute, seine Bewegungen deuteten auf lebhafte Furcht.
Der Doktor stand still und sah ihn an. „Herr des Himmels, betet der zu dem Affen?“ sagte er ganz aus aller Fassung.
Holm verbot den Matrosen das laute Gelächter und fragte dann den zitternden Eingebornen nach dem Grunde seines sonderbaren Benehmens. Der Alfure blinzelte verstohlen zu dem lauernden Vierhänder hinüber. „Der schwarze Verräter ist der Spion und Diener der Empongs,“ antwortete er, „von ihm erfahren sie, was die Menschen thun und treiben, er hält das Gute und das Böse in seiner Hand. Dem Schwarzen darf kein Leides geschehen, oder es entsteht ein Unglück.“
Holm schüttelte den Kopf. „Aber der Affe ist doch ein Tier wie jedes andere,“ bemerkte er.
Der Alfure fuhr immer fort zu beten. „Die Empongs haben ihm Menschengestalt und Menschenlist verliehen,“ sagte er, „dafür verrät er ihnen die Geheimnisse des Stammes, bei dessen Hütten er lebt. Thut ihm nichts zuleide, Herr, sonst schicken die Empongs einen Sturm, der in dieser Nacht alle Boote zerstört und die Trepangfischer ertrinken läßt.“
Holm wandte sich zu den jungen Leuten. „Laßt den Affen in Ruhe,“ sagte er auf deutsch. „Was nützt es uns, diese armen Wilden in ihrem Aberglauben zu stören; wir selbst würden den Schaden davon haben. Kommt nur und thut, als wüßtet ihr nichts.“
Das Jagdvergnügen mußte also diesmal geopfert werden, und während der Doktor sich alle mögliche Mühe gab, im schlechtesten Englisch den Alfuren vom ganzen Unwert seiner Anschauungen zu überzeugen, wanderte die kleine Schar dem Stranddorfe zu. Auf dem Wege dahin begegneten ihnen große, graue, langbeinige Kasuare, die ihre umfangreichen, grünfleckigen Eier in den Sand legen, sie lose bedecken und dann der Sonne zum Ausbrüten überlassen; häßliche Tiere mit bräunlich-schmutzfarbenem Gefieder und wie bei dem Truthahn vom Hals herabhängenden feuerroten und himmelblauen Hautlappen, große, behende Schnellläufer, mit denen es ein Windhund an Eile und Ausdauer nicht aufnehmen kann. Es war unmöglich einen von ihnen zu schießen.
Auch den Hirscheber in seinem Versteck fanden die Reisenden nicht mehr vor und schlossen daraus mit Recht, daß die Alfuren hinter den nächsten Bäumen gelauert und das Wild, sobald sie sich unbeobachtet sahen, schleunigst wieder an sich genommen hatten. Dieser Verlust war zu verschmerzen, aber er zeigte doch aufs neue, daß Treue und Glauben den Gelben ganz fremde Eigenschaften seien und die höchste Vorsicht ihnen gegenüber geboten schien. Als das Dorf im tiefen Thal am Strande auftauchte, wurde der junge Alfure entlassen und in geschlossenen Gliedern der Platz zwischen den drei oder vier langgestreckten Häusern besucht, um dann unter einem überhängenden Felsen das Nachtquartier aufzuschlagen.
Die Frauen und Kinder der Alfuren hielten sich in scheuer Entfernung, nur selten kam irgend ein altes, hinkendes oder blindes Weib, geführt von nackten Kindern, und streckte bettelnd die Hand aus; auch Greise näherten sich, um ein buntes Tuch oder ein Messer zu erhaschen; im ganzen aber waren die Leute zurückhaltend und bescheiden.