„Gute Nacht, Hartmann,“ sagte er etwas kurz. „Ich möchte schlafen.“
Dabei drehte er dem jungen Menschen den Rücken und bekümmerte sich nicht weiter um ihn. Daß der Bursche in ihm den Teilnehmer einer Unklugheit vermutet, beleidigte seinen Stolz. Aber wahrhaftig, in Zukunft sollte das anders werden.
Erst sehr spät schlief er ein; die wachthabenden Matrosen saßen rauchend und leise plaudernd in halbliegender, bequemer Stellung im Gras, die laue stille Luft wirkte fast betäubend, ringsumher störte kein Laut die Ruhe. Auch jenes Flüstern der Blaujacken drehte sich um die Vorsicht, welche der Steuermann und Holm den Leuten so dringend empfohlen hatten. „Narretei,“ sagte der eine, „es ist lächerlich, hier zu sitzen und zu wachen. Die Kerle denken an keine Feindseligkeiten, sie waren ja ganz höflich, brachten uns sogar die vertrakten Würmer zum Essen! Aber weil vor einem halben Jahrhundert einmal ein Mord passiert ist, muß man am Lande über Stock und Stein klettern und darf nachher nicht einmal schlafen.“
Ein herzhaftes Gähnen schloß den Satz, der andere legte sich etwas bequemer, übersah die ganze Reihe der Schlummernden, brummte Unverständliches aber offenbar wenig Schmeichelhaftes in den Bart, und dann schwieg auch diese Unterhaltung.
Es war alles still wie in einer Welt ohne lebende, atmende Wesen.
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Am andern Morgen erwachte Holm, nachdem die Sonne schon hoch am Himmel stand. Sein erster Blick suchte die Wachen, — sie lagen lang ausgestreckt im Gras und schnarchten vernehmlich. Holm lächelte; die Leute mußten schon geschlafen haben, ehe sie ihre Kameraden wecken und von diesen abgelöst werden sollten, wenigstens bemerkte er kein Zeichen, das die Nähe eines wachenden Menschen verkündet hätte. Alles schlief den festen Schlaf der Jugend und Ermüdung.
Aber mochten sie doch! Es war nichts passiert, die Gefahr glücklich vorübergegangen, der ganze Tag bis zum Abend, wo in der Einfahrt die Boote ihre Passagiere erwarteten, konnte noch zum Ausflug in die Umgebung auf der anderen Seite verwendet werden.
Holm richtete sich höher auf. Wieder wie am gestrigen Abend zählte er, heimlich besorgt, immer im Bann von Papa Witts schauerlichem Erlebnis, halb ohne Absicht; aber er zählte maschinenmäßig — — eins, zwei, drei, — nun, wo steckte denn der sechzehnte?
Er überzeugte sich, daß der Doktor und die Knaben unversehrt an seiner Seite lagen, und etwas ruhiger geworden zählte er nochmals. Der sechzehnte fehlte.