Jetzt stand er auf, sein lauter Zuruf weckte die übrigen, er wollte eben fragen, welcher von den Leuten vermißt werde, als sein Blick im Hintergrunde des Lagers die Stelle streifte, wo alles Gepäck aufgehäuft worden war. Dort unter dem Felsen hatte es gelegen, die Waffen, die Vorräte; aber jetzt befand sich auf dem ganzen Gebiet des Nachtquartiers davon auch kein einziges Stück mehr. Was nicht die Reisenden an ihrem Körper getragen hatten, das war fort.

„Herr des Himmels, — unsere Gewehre!“

Holm fühlte, wie es ihm kalt über den Rücken herablief. „Still!“ rief er mit lauter Stimme. „Still! Wer ist der Mann, welcher in unserer Zahl fehlt?“

Sekunden genügten, um festzustellen, daß es Hartmann sei, den die kleine Expedition vermißte. Franz erzählte erbleichend, was er mit ihm während der Nacht gesprochen.

Eine unbeschreibliche Aufregung und Erbitterung hatte sich aller Gemüter bemächtigt. Nach rechts und links schallte der Name des Verschwundenen durch die stille Morgenluft, die Matrosen verwünschten den Schlaf, der sie überfallen, Holm war stumm vor Schmerz und Zorn, der Doktor trieb wiederholt zum Aufbruch und Franz und sein Bruder verlangten energisch jetzt am hellen Tage die Durchsuchung der Alfurenhäuser.

Rua-Roa nahm die Spur des verlorenen Leichtmatrosen da auf, wo er während der Nacht gelegen, und verfolgte sie über Gras und Blumen hinweg mit dem Instinkt des Wilden bis hinab zum Dorfe, wo vor der Thür des einen Pfahlbaues jedes kleinste Merkmal endete. Es erschien unzweifelhaft, daß der junge Mensch hier seinen Tod gefunden.

„Vielleicht halten sie ihn nur gefangen, um ein Lösegeld zu erpressen,“ meinte einer der Männer. „Wir sollten doch nachsehen!“

„Damit sie uns mit unseren eigenen Gewehren erschießen? — Ohne Waffen können wir gar nichts ausrichten.“

„Ich möchte mich selbst ohrfeigen,“ rief der Matrose. „Wären mir nicht die Augen zugefallen, so hätten wenigstens die Kugelbüchsen nicht gestohlen werden können.“

Holm suchte ihn zu trösten. „Darüber beruhigen Sie sich, Schwarz,“ sagte er. „An eine Gefangenschaft des armen, jungen Menschen, an Wiederfinden und Lösegeld ist nicht zu denken. Hätten wir alle Waffen der Welt, so könnten uns dieselben das geraubte Leben nicht zurückgeben. Nur finden und ehrlich begraben möchte ich den Ermordeten.“