Da winkte ihm der Koch, eben jener gemütliche Sohn Hammonias, der auf Ceylon den Singhalesinnen Pfannkuchen buk. „Komm mal heran, Gelber! Sieh, mein Sohn, hier ist Butter, die ich eben geschmolzen habe. Sie fließt wie Wasser, nicht wahr? Das that die Hitze, weißt du; wenn ich sie aber wieder kalt stelle, läuft sie zusammen und wird ein Klumpen. Das macht das Wasser ebenso, und dieser Klumpen heißt Eis, — wenn’s sehr kalt ist nämlich. Und kalt sein, mein Junge, das heißt, wenn man eine bläuliche Nasenspitze hat und Kribbeln in den Fingern.“

Und jetzt hatte Rua-Roa begriffen! Also eine Temperatur, die das Wasser erstarren ließ! — Er wandte sich kopfschüttelnd zu seinen Erziehern. „Wenn es nur keine Fabel ist von diesem Lande,“ sagte er bedenklich. „Ich kann schwören, daß auf Madagaskar nie Eis getroffen wurde.“

Ein helles Gelächter klang über das Schiff dahin, und eine Extrastunde Geographie war die Folge. Jetzt wurde übrigens der junge Hova in den verschiedenen Lehrfächern schon so fest, daß er hübsch lesen und erträglich schreiben konnte; nur wenn so ganz Unerwartetes ihn aus der Bahn warf, griff seine Phantasie unwillkürlich zurück zu den Verhältnissen und Anschauungen der Heimat, als dem einzig Sicheren, was er besaß. Holm errettete ihn aus der verlegenen Situation, indem er die anderen darauf hinwies, wie schwer es sei, sich von etwas Ungesehenem einen Begriff zu machen; dann brachte er das Gespräch auf die Nightinsel, der nun das Schiff entgegensteuerte. „Kapitän, waren Sie früher schon einmal dort?“

Der Gefragte nickte. „Das ist die Kannibalengegend,“ antwortete er, „freilich nicht die Nightinsel selbst, aber doch die Gruppe, zu der sie gehört. Ich habe einmal hier Schiffbruch gelitten und mit dreißig Mann gegen über hundert Wilde gefochten, bis ein Schiff vorbeikam und durch seine Kanonen die Neger in die Flucht schlug. Zwei von uns, die unglücklicherweise vom Hauptquartier abgeschnitten worden waren, ließen ihr Leben am Bratspieß der Wilden, — wir fanden später die abgenagten, verkohlten Überreste.“

„Sollte uns denn dergleichen auf der Nightinsel nicht geschehen können?“ fragte schaudernd der alte Theologe.

„Unter keiner Bedingung. Da leben die Makadamas, eine Horde gutmütiger Geschöpfe, die sich durch nichts von harmlosen Tierarten unterscheiden, die keine Kleider oder Gesetze, kein Oberhaupt, keine Wohnung oder Ehe, ja nicht einmal eine Arbeit kennen; sie laufen nackt umher, stellen sich beim Regen unter einen Baum, schlafen ein, wo sie müde werden, und essen, was sie finden; Feuer dagegen unterhalten sie der Kälte wegen immer und sind auch sehr geschickt in allem, was das Leben auf dem Wasser betrifft.“

„Bewohnt denn dies Naturvölkchen die Insel ganz allein?“

Der Kapitän schüttelte den Kopf. „Das treffen Sie nirgends,“ antwortete er. „Ist eine Insel überhaupt groß genug, um Menschen zu ernähren, so hausen auch auf ihr zwei Stämme, die einander hassen und bekämpfen. Auf Nighteiland leben außer den Makadamas noch die Echaus, weshalb Kriege, bei denen man sich gegenseitig mit langen Spießen zu durchbohren sucht, hier gar nichts Seltenes sind. Auch die Frauen kämpfen, diese aber bedienen sich schwerer Holzblöcke, welche eine der anderen auf den Kopf schlägt.“

„Sehr einladend!“ lachte Holm. „Wir werden also Gelegenheit finden, ganz neue Menschen und Verhältnisse kennen zu lernen.“

„Wollen wir vorher nach Timor anlaufen?“ fragte Franz.