„So laßt uns ausharren, Kinder, laßt uns ausharren,“ ermahnte der alte Theologe. „Noch ein paar kurze Stunden und es ist Tag, die Sonne bringt neues Leben, neuen Mut. Wer wollte denn gleich dem ersten Anlauf erliegen?“
Während er aber die Worte sprach, fühlte der alte Herr doch selbst, wie schmerzlich ihm die Augen brannten und wie die Stimme den Dienst versagte. Er streckte sich in den Sand und behauptete mit dem Aufgebot seiner letzten Kräfte, daß es ein recht bequemes, weiches Bette sei.
Die übrigen waren eben im Begriff, ihm zu folgen, als von fern her ein schwacher Schall ihre Ohren traf, nur die Ahnung eines Schalles vielleicht, aber doch stark genug, um gleich einem elektrischen Schlage die mutlosen, verzweifelten Männer zu berühren. Es waren Glockenklänge, die da der Wind herübertrug, — Glockenklänge, sie hatten es alle gehört, aber kein einziger unter ihnen wagte, dem Zeugnis seiner Sinne zu vertrauen.
Und doch, — es tönte ja fort, es war keine Täuschung möglich, es wurde stärker und stärker, — das war das Feuersignal, wie es deutsche Kirchenglocken in der Nacht den schlafenden Bewohnern des Ortes mitteilen.
Bum! — Bum! — Bum! — die bekannten Einzelschläge von tiefem Baß! Wie sie fern im Städtchen die Herzen erbeben lassen mochten, wie sie hier draußen gleich Engelsstimmen erklangen, — die deutschen Glocken!
Noch sprach keiner der Verirrten. Fürchteten sie, den Traum, den wunderbaren, erlösenden, zu scheuchen durch das laute Wort?
Holm streckte die Hand aus. Was er halb unbewußt flüsterte, das kannten sie alle, das kennt jedes Menschenherz, so weit die deutsche Zunge klingt — —
„Soll eine Stimme sein von oben,
Wie der Gestirne helle Schar“ — —
— Ja, eine Stimme von oben! — Glockenklang in nächster Nähe, eine Niederlassung hinter dem Meeresarm, — was gab es da noch zu fürchten, zu klagen?