Achilles und seine Genossen bauten mit flinken Händen das Zelt, reinigten den Boden von Moos und Insekten und zündeten bei einbrechender Dunkelheit ein riesiges Feuer an, welches die Raubtiere verscheuchen sollte. Zwei Neger verschwanden ganz in der Stille, die anderen trugen Wasser herbei, kochten Kaffee und rösteten Mais zwischen rohen Feldsteinen, dann aber mußten auf ihren Rat die Gewehre, auch die der fortgeschlichenen Krumänner, vor dem Zelt zusammengestellt werden. Nachdem das geschehen, begaben sich scheinbar alle zur Ruhe, die Weißen im Zelt, die Neger davor. — Stunde nach Stunde verrann; von fern brüllten mit ihren greulichen Stimmen die wilden Tiere; im Gebüsch raschelte und krachte es wie von glatten Schlangenleibern, vom Fuß schleichender Raubkatzen; das Feuer hüllte alles in seine purpurnen Gluten; nagende, quälende Unruhe hielt die drei leise flüsternden Deutschen wach. So ganz allein am Rande der Zivilisation, nahe jener Gegend, die noch kein weißer Mann betreten, den Schwarzen und den reißenden Tieren wehrlos preisgegeben, — das konnte mit Recht eine böse Lage genannt werden.
Und Doktor Bolten flüsterte kaum hörbar: „Vater, wenn es möglich ist, so laß diesen Kelch vorübergehen.“
„Amen!“ schluchzte Hans, der wohl fühlte, daß dies Gebet seinem verschwundenen Bruder galt.
Achilles, der vor dem Eingang des Zeltes saß, hob in diesem Augenblick die Hand.
Vom Schein des Feuers hell bestrahlt, warf die schwarze Hand einen Riesenschatten, — unwillkürlich erstickte ihr Erscheinen jeden Laut.
Der Neger streckte sich, als schlafe er; tiefe Totenstille beherrschte die Umgebung, dann hoben von hinten mehrere Hände den Zeltvorhang auf. Gallinas in starker Anzahl hielten das Lager umzingelt, hatten die Gewehre ergriffen und die Messer der drei Deutschen an sich gerissen, ehe viel Zeit verging; jetzt untersuchten sie sogar die Taschen und bemächtigten sich der Uhren, — nur die Bambusbüchse des Zauberers wurde verächtlich bei Seite geworfen.
So schnell wie sie gekommen, verschwanden die unheimlichen Gäste.
„Und nun?“ fragte Bolten. „Sie haben den Jungen doch sicher ermordet.“
Achilles schüttelte lachend den Kopf. „Wozu?“ sagte er. „Bald genug hier sein, — sehr bald.“
Und wirklich war kaum eine Viertelstunde vergangen, als aus dem nächsten Gebüsch die beiden Kruneger hervortraten, in ihrer Mitte den Knaben, grinsend von einem Ohr zum andern, äußerst vergnügt, daß sie List mit List vergolten hatten. Franz war unversehrt, er flog den anderen entgegen und warf sich stürmisch in ihre Arme. Minuten verflossen, bis einer der Männer sprechen konnte. „Kinder,“ stammelte endlich Doktor Bolten, „Kinder, laßt mich unserm Gott danken und diesen beiden braven schwarzen Menschenbrüdern hier —“