Material war genügend vorhanden und somit fehlte es nicht an Arbeit. Bald wurden die Gegenstände präpariert, bald gab es Notizen zu machen und zu schreiben, und die Knaben erlangten schon in kurzer Zeit eine große Geschicklichkeit in der Handhabung der einzelnen Gegenstände. Als aber Holm ihnen sagte, daß noch schwierigere Aufgaben zu bewältigen seien als diese, verloren sie den Mut durchaus nicht, sondern meinten, dann wird uns die Sache erst recht interessant.
Während sie so arbeitend plauderten und über dem oft heiteren Gespräch die Arbeit nicht versäumten, rief Franz plötzlich: „Womit soll ich die Nummern an die Pflanzen kleben? Wir haben das Gummi arabikum vergessen.“
Holm lachte. „Wir werden in die Apotheke schicken!“
Als die Knaben ihn ungläubig ansahen und riefen: „hier in der Wildnis gibt es keine Apotheke,“ sagte er, „auf dem nächsten Ausfluge werden wir schon jemand finden, der uns das Gewünschte gibt.“
Zweites Kapitel.
Nichts vergißt sich schneller als Mühe und Gefahr, nachdem beide glücklich überstanden sind. Kaum waren die mitgebrachten Insekten und Pflanzen in die verschiedenen Sammlungen gehörig eingereiht und Geist und Körper durch etwas Ruhe neu gestärkt, als sich die Knaben auch schon nach weiteren Abenteuern umsahen. Zehn Tage lang mußte das Schiff noch vor dem Hafen von Lagos liegen, um dort seine Ladung Palmöl einzunehmen. Diese ganze kostbare Zeit konnte man unmöglich an Bord verbringen und eben so wenig in der Umgebung von Lagos, die nur aus Busch und Flachland besteht und außer dem Krokodil kein jagdbares Wild mehr aufweist.
„Wir wollen das Schleppnetz auswerfen,“ entschied Holm. „Heute abend nach Eintritt der Dunkelheit sollt ihr ein nie gesehenes Schauspiel erleben, den Fischfang vermittelst einer großen Laterne, die das Meer in einer Tiefe von etwa fünfzehn Metern weit umher erhellt und von allen Seiten die neugierigen Bewohner desselben herbeilockt. Morgen machen wir dann vielleicht bei günstigem Wetter mit dem kleinen Bugsierdampfer „Hansa“, der uns des Sonntags wegen von seinen Eigentümern zur Benutzung überlassen werden kann, eine Fahrt stromauf in das Innere hinein. Ich möchte ein paar Flußpferde schießen oder harpunieren.“
„Wenn wir ein Junges fangen und nach Hamburg bringen könnten!“ rief Franz.
„Das wird uns nicht so leicht gelingen,“ antwortete Holm, „denn die Flußpferde sind äußerst scheu und dabei im gereizten Zustande sehr gefährlich. Außerdem macht der Transport des lebenden Tieres große Schwierigkeiten.“
„Einerlei,“ riefen die Knaben. „Auf dem Dampfer befinden wir uns überdies auch in voller Sicherheit. Ist es gewiß, daß wir ihn benutzen dürfen?“