„Dann müssen wir auch hier Kampfer anwenden,“ meinte Franz.

„In diesem Falle nutzt uns derselbe nichts,“ entgegnete Holm, „denn es wird uns schwer werden, ein großes Paket gesammelter und zwischen Papier liegender Pflanzen luftdicht einzuschließen, denn in nicht luftdichten Kasten verdunstet der Kampfer. Wir haben jedoch ein anderes Mittel, das freilich sehr giftig ist, mit dem wir die trockenen Pflanzen einpinseln. Es ist dies in Weingeist aufgelöster Sublimat, eine Verbindung von Chlor und Quecksilber, die fast alles Lebende tötet.“ Sobald die Pflanzen getrocknet wären, wollte Holm das Einpinseln derselben mit dem Gifte selbst vornehmen.

Hans meinte, daß das Einlegen der Pflanzen viel einfacher sei, als das Präparieren der Schmetterlinge, und daß gar keine Schreibereien damit verknüpft seien.

„Da irrst du dich gewaltig,“ rief Holm lachend. „Nein, es wird ebenso wie bei den Tieren der Fundort angemerkt, ferner die Beschaffenheit des Bodens, ob derselbe sandig, felsig, trocken oder sumpfig. Dann, ob die Pflanze im Schatten wächst, oder in der Sonne, ob sie an anderen Gewächsen emporrankt oder gar auf ihnen schmarotzt, wie viele der prachtvollen Orchideen, zu denen auch die Vanille gehört.“

„Ich wollte, ich hätte einen Becher Vanille-Eis,“ sagte Franz, „der sollte mir in der Hitze hier schmecken!“

„Und was für Gesichter die Eingebornen wohl machen würden, die nie in ihrem Leben Eis gesehen, noch viel weniger solches gegessen haben,“ fiel Hans ein.

„Sie würden glauben, sich den Mund verbrannt zu haben,“ erklärte Holm, „denn diese Empfindung würde sich ihnen zunächst aufdrängen. Auch erzeugt sehr große Kälte ebensowohl Brandblasen auf der menschlichen Haut, wie eine hohe Temperatur.“ — Dann wandte er sich wieder zu Hans und fuhr fort: „Ferner müssen die Früchte und Samen von den Pflanzen gesammelt und in Papier aufbewahrt und genau bezeichnet werden, teils für den Forscher und teils für den Gärtner, der dann versucht, sie im Gewächshause zum Keimen zu bringen.“

„Ich verstehe schon,“ fiel Hans ein. „Wenn der Gärtner nicht erfährt, wo und wie die Pflanze wächst, dann säet er am Ende den Samen einer Sumpfpflanze in trocknen Sand, als stammte er von einem Steppengewächs und steckt den Samen einer Kletterpflanze ins Wasser. Ich will alles genau notieren.“

„Wo aber bleiben der Heerwurm und die anderen Käfer, die noch im Spiritus sitzen?“ fragte Franz.

„Die nehmen wir aus ihrem nassen Grabe und spießen sie ebenso auf wie die Schmetterlinge. Die größeren derselben wickeln wir in Papier und bezeichnen sie mit Nummern. Nur die Mücken, die Fliegen, die bienenartigen, die Stechfliegen und Schlupfwespen lassen wir im Spiritus, in welchem sie sich am besten halten.“