„Wozu dient der Kampfer?“ fragte Franz.
„Um den Motten und anderen Insekten die Lust zu nehmen, unsre mühevoll präparierten Schmetterlinge zu zerstören. Ohne diese Vorsichtsmaßregeln würden wir nur Staub und Moder nach Hamburg mitbringen.“
„Das wäre ein übler Lohn für unsere Arbeit und ein Resultat unserer Expedition, auf das wir nicht stolz sein dürften,“ entgegnete Franz.
„Das Einsammeln der Naturalien ist nicht minder schwer als das Schützen derselben vor Zerstörung,“ erwiderte Holm. „Es ist daher dem Forscher mitunter unmöglich, seine kostbare Beute in die Heimat zu transportieren, weil es ihm in der Wildnis an den Mitteln zur Erhaltung derselben gebricht. Nun wollen wir noch jede Nadel mit einem Stückchen Papier versehen, auf das wir eine Nummer schreiben. Diese Nummer wird in einem kleinen Büchlein ebenfalls notiert und dahinter schreibst du den Fundort des Tieres und sonstige Bemerkungen, Datum des Fanges und Beobachtungen, die wir an dem lebenden Tiere machten.“
Franz versprach die gewissenhafte Ausführung des Auftrages und sagte: „Man soll nicht von uns behaupten, daß wir des Vergnügens wegen reisten, sondern daß wir der Wissenschaft zu nützen suchten, so viel in unseren Kräften stand.“
„Bravo!“ sagte Doktor Bolten, „diesen Ausspruch will ich mir für unser Tagebuch merken.“
Holm zeigte nun Hans, wie er mit den Pflanzen verfahren müsse, um dieselben in ihrer Form möglichst gut zu erhalten. Zu diesem Zwecke wurden die Pflanzen auf einen Bogen weichen Löschpapieres sorgfältig ausgebreitet, die Blumenblätter so gelegt, daß die Form der Blüte nicht verzerrt, sondern, so weit dies möglich, in ihrer natürlichen Gestalt erschien. Sobald ein Blatt, eine Blüte, oder sonst ein Teil der Pflanze in die geeignete Lage gebracht worden war, setzte Holm einen ziemlich schweren Kieselstein auf denselben, damit er in seiner ihm einmal gegebenen Stellung verharrte.
Als dies geschehen, wurde ein zweiter Bogen Löschpapier auf den ersten gelegt, unter gleichzeitiger gewandter Entfernung der Kieselsteine, worauf die derart eingelegte Pflanze unter eine Presse kam, die ganz einfach aus einem Kistendeckel bestand, den einige Steine nicht allzusehr beschwerten, um die zarten Teile, wie Stengel, Fruchtboden u. s. w. nicht zu zerquetschen.
„Werden die Insekten auch die Pflanzen angreifen?“ fragte Franz.
„Ihnen ist einerlei, was ihnen vor die Freßwerkzeuge kommt,“ antwortete Holm. „Die tropischen Insekten, namentlich die Ameisen, schonen nichts, was ihnen nur irgendwie schmackhaft vorkommt.“