Es galt nun vor der Hand die Schmetterlinge zu präparieren, damit dieselben schön ausgebreitet die Pracht ihrer Flügel, die bunte Zeichnung derselben und ihre ganze Form auf das deutlichste erkennen lassen konnten. Zu diesem Zwecke waren einige 30 Zentimeter lange und 5 Zentimeter breite glatte Bretter mitgenommen worden, die der Länge nach eine 2 Zentimeter breite Furche enthielten, deren Tiefe fast ebenso viel betrug. Aus einer der Schachteln wurde der eingesperrte Schmetterling nun vorsichtig herausgenommen und zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand festgehalten.

„Ehe wir das Tier spießen,“ sagte Holm, „wollen wir es vergiften, damit es keine zu großen Qualen leide. Wir könnten hierzu von dem Chloroform aus der Reiseapotheke nehmen. Allein, wer weiß, ob wir dasselbe nicht noch zu anderen, wichtigeren Zwecken gebrauchen werden.“

„Haben wir denn noch ein anderes Gift, das uns dieselben Dienste leistet?“ fragte Franz.

„Ich bin soeben im Begriff einiges zu bereiten,“ antwortete Holm mit scheinbar wichtiger Miene.

„Wo denn,“ fragte Franz verwundert, „ich sehe keine Retorte noch sonst einen chemischen Apparat.“

„Hier, dies ist mein großes Laboratorium,“ erwiderte Holm lächelnd, indem er auf die kleine Tabakspfeife deutete, die er vor kurzem in Brand gesetzt hatte. „In dem unteren Behälter,“ fuhr er fort, „sammelt sich der Tabakssaft an, der beim langsamen Verbrennen des Tabaks entsteht und jenen Giftstoff enthält, den die Chemiker Nikotin nennen. Dieses Nikotin ist ein Gift für alle Insekten, die deshalb den Tabaksrauch auch ängstlich meiden.“

Holm goß den Tabakssaft in eine kleine Muschelschale, tauchte eine Nadel in denselben und feuchtete den Rüssel des Schmetterlings, den er vorsichtig aber doch sicher in der angegebenen Weise festhielt. Nachdem der Schmetterling einige kleine Tropfen des ihm tödlichen Giftes gekostet hatte, war er vollkommen leblos geworden.

Nun wurde ihm eine lange Insektennadel durch das Rückenschild gestoßen und dieselbe in der Furche eines der vorhin erwähnten Bretter derart festgesteckt, daß der Rumpf des Schmetterlings sich in der Furche befand. Leicht war es nun möglich, die Flügel auf der glatten Fläche des Brettes schön und eben auszubreiten, Streifen von starkem Papier wurden über die Flügel gelegt und an ihren äußeren Enden mit kleinen Nadeln ebenfalls befestigt, so daß die Flügel in der ihnen einmal gegebenen Lage verharren mußten. Ein Schmetterling nach dem andern wurde in gleicher Weise behandelt, bis kein Platz auf dem Brette mehr vorhanden war und die noch leeren an die Reihe kamen.

„Was machen wir mit den übrigen Schmetterlingen?“ fragte Franz, als auch diese besetzt waren.

„Wir lassen sie bis morgen leben,“ antwortete Holm, „denn dann sind in dieser tropischen Hitze die jetzt ausgebreiteten soweit trocken, daß wir sie abnehmen und in eine Schachtel bringen können, deren Wände aus Kork bestehen, in welchen wir die Nadeln mit leichter Mühe spießen. Ist die Schachtel voll, so befestigen wir ein Stück Kampfer in derselben, setzen den Deckel auf und kleben die Fugen gut zu.“