Fischfang mit Schleppnetz und Licht.
„Rundlich und platt, größer und kleiner, bald zierlich schlank, bald von außerordentlicher Häßlichkeit, so scharte sich’s um den kleinen hellbeleuchteten Glaspalast da unten in der Tiefe.“
Von zwei Seiten näherten sich die ungeschlachten Tiere mit scheibenförmigem Körper und kaum erkennbarem Kopfe, an dem sich Mund und Kiemenspalten unten, und Augen und Spritzlöcher oben befinden. Die stachlichten Schwänze peitschten das Wasser, die Augen funkelten raublustig; so viel Beute auf einen Schlag, das mochten sie nie erlebt haben.
„Der kleine mit dem kreisrunden Körper ist ein Zitterroche!“ rief Holm. „Nun gebt acht, was folgen wird!“
Wirklich schossen auch die beiden großen Fische auf einander zu und begannen sogleich einen erbitterten Kampf. Sich von der Seite her begegnend, versetzten sie einer dem andern die kräftigsten Schwanzschläge, bis endlich der Zitterroche Gelegenheit fand, seinem Gegner einen elektrischen Schlag beizubringen und dadurch den Streit zu entscheiden. Völlig betäubt fiel der Hairoche auf den Grund des Netzes zurück. Die kleineren Fische hatten unterdessen versucht, nach allen Richtungen zu entfliehen; einigen gelang dies auch, die meisten wurden freilich durch das zur rechten Zeit emporgehobene Netz erfolgreich am Entweichen verhindert, und als endlich mit Hilfe mehrerer Matrosen das ganze schwere Netz an Bord geholt war, da zappelte in den Maschen desselben noch eine hübsche Anzahl von Flossenträgern; der kecke Kofferfisch, der arme Geselle, sogar im Maule des Zitterrochens, halbzerquetscht und ängstlich schwanzschlagend wie sein Besieger selbst.
„Das war ein reicher Fang!“ rief Holm. „Besonders die Rochen sind ihres Fleisches wegen viel wert, ebenso die meisten kleineren Fische um ihrer Seltenheit willen. Wenn wir sie aus der Nähe besehen haben, mögen sie weiterschwimmen.“
Und so geschah es. Verschiedene gewöhnliche Arten wanderten in die Schiffsküche, während man jene ungenießbaren Fremdlinge der Tiefe barmherzig verschonte und nur einige besonders wertvolle Exemplare zum Ausstopfen vorbereitete.
Der Zitterrochen wurde geschlachtet, um morgen den Mittagstisch in der Kajütte auszustatten. Den gänzlich betäubten Hairochen legte man in die große Deckwaschbalje, um zu beobachten, wann das Leben zurückkehren werde, und nachdem nun in dieser Weise der Fang besorgt war, sprach Holm noch über das Fischgeschlecht im allgemeinen einige belehrende Worte, daß es nämlich nicht weniger als achttausend lebende Arten gibt, daß die meisten davon eßbar sind, und daß nur wenige giftige Gattungen bekannt sind. „Wir werden Schleppnetz und Lampe im großen Ozean erst eigentlich zur Verwendung bringen,“ schloß er, „und dort jene interessanten Geschöpfe kennen lernen, die zwischen dem Pflanzen- und Tierreich gleichsam einen Übergang bilden, die Quallen in unzähligen Formen, die Korallen und Schwämme, — das alles hat da seine wahre Heimat. Ebenso habe ich für seichte und vor den Haien geschützte Buchten auch einen Taucherapparat mitgenommen. Gewiß sind mehrere unter Ihnen, die sich auf die Anwendung desselben verstehen?“ fragte er die Matrosen.
Ein mehrstimmiges „Ich, Herr!“ beantwortete diesen Satz, und der alte Steuermann fügte sogar bei, daß auf den Inseln des Stillen Ozeans jeder Mann ein geborner Taucher sei. „Ich habe oft gesehen, wie sie sich dem auf dem Grunde der Bucht behaglich liegenden Hai im Fluge nähern und ihn mit einem Stock oder wohl gar mit der ausgestreckten Hand zum Zorn reizen, damit er an die Oberfläche kommen und sich harpunieren lassen möge,“ sagte er.