Unsere Freunde verhielten sich lautlos, denn bei der geringsten Bewegung tauchten die Krabben in ihre Löcher hinein und verschwanden auf diese Weise buchstäblich bis in den Erdboden, — da bewegten sich unvermutet die niederen Gebüsche zur Seite des Strandes, und ein schwarzer Rüssel streckte sich vor. Kleine, verschmitzte Augen übersahen die freie Fläche, ein leichtes Grunzen wurde hörbar und eine Familie von Warzenschweinen, Papa und Mama mit acht Sprößlingen, erschien in Geschwindigkeit auf der Szene. Das Krabbenkonzert verstummte wie durch Zauberei, die kleinen Soldatenkrabben waren im Handumdrehen verschwunden, und die Schweine schienen um ihre gehoffte Beute betrogen zu sein. Dem war aber nicht so! Die Schlauheit des kleinen Gegners vollkommen würdigend, begannen die Räuber mit ihren plumpen Rüsseln den Sand aufzuwühlen und unbarmherzig die kleinen wehrlosen Geschöpfe zu verschlingen. Ihre häßlichen Köpfe hatten große, hängende, mit Warzen bedeckte Hautlappen, die erwachsenen Tiere, waren in der Größe etwa unserm Wildschweine gleich, von wildem Aussehen, mit einem gefahrdrohenden Gebiß, so daß es nicht geraten gewesen wäre, sich ihnen ohne Waffen zu nähern, namentlich da mehr und immer mehr Familien aus dem Walde hervorkamen, um hier ihre Abendmahlzeit zu halten. Einige Arten gruben auch Wurzeln aus der Erde oder fraßen Kräuter, die meisten aber durchwühlten den Sand nach Krabben.

„So lebt überall auf Erden immer eine Art von dem Untergang der anderen,“ sagte Holm, „die Natur aber sorgt für das trotzdem bestehende Gleichgewicht durch den Umstand, daß sich die Raubtiere in ihrer Anzahl zu den geraubten oder Pflanzenfressern wie eins zu sechs verhalten, und daß niedere Geschöpfe, z. B. Insekten, Kerbtiere, Muscheln und kleinere Fische in jedem Jahre nach Millionen neu entstehen, um einigen wenigen Verfolgern zur Nahrung zu dienen. Je wertloser das Einzelwesen, in desto größerer Menge ist es vertreten.“

„Wollen wir nicht jetzt, da doch leider keine Jagd mehr möglich ist, noch ein paar Vogelnester suchen?“ fragte Franz. „Eine Eiersammlung möchte ich gar zu gern von dieser Reise mit nach Hause bringen.“

„Auch Nester habe ich entdeckt!“ antwortete Holm. „Es wohnen hier herum ganze Scharen von Nashornvögeln, in jedem hohlen Baum wenigstens ein Pärchen.“

Man wanderte wieder bis unter die uralten Stämme zurück, und bald sah auch schon aus einem ganz kleinen, kaum handgroßen Loche der schöne, stolze Kopf eines Pfefferfressers hervor, während ein anderes großes und schöngezeichnetes Exemplar derselben Art dicht daneben saß, gleichsam Wache haltend und die Ankömmlinge mit seitwärts geneigtem Kopfe musternd, offenbar das Männchen der gefiederten Hausfrau, welche treulich im Nest ihre Eier behütete.

„Aber,“ rief Hans, „wie ist nur der stattliche Vogel dort hineingekommen? Jetzt kann ja kaum mehr der Kopf hindurch!“

„Das möchte ich auch wissen, mein Herr Naturforscher!“ fügte Doktor Bolten hinzu.

„So will ich das Rätsel einfach genug erklären!“ lächelte Holm, indes Franz bereits den Baumstamm zu erklettern begann. „Wenn das Nest im Innern der geschützten Höhlung erbaut ist, und alles für den Empfang der Jungen vorbereitet, dann vermauert der Herr Papa höchsteigenschnäbelig und sonder Rücksicht den Zugang, so daß Mama nicht mehr heraus kann, sondern wohl oder übel brüten muß, bis die Jungen im Nest zirpen. Freilich soll er bei dieser Gelegenheit auch beweisen, daß ein guter Hausvater es versteht, die Seinen zu ernähren, und ist daher von früh bis spät thätig, um Pfefferkörner aufzusuchen, so daß verschiedene Naturforscher behaupten, er werde unter dieser doppelten Anstrengung mager wie ein Skelett und sitze zuweilen vor Mattigkeit schwankend auf den Zweigen. Erst wenn das Brütegeschäft vollendet ist, wird die Gefangene wieder in Freiheit gesetzt.“

„Ein schöner, stolzer Vogel!“ meinte der Doktor. „Schade, daß wir ihn nicht schießen können. Dieser scheint noch keineswegs ermattet.“

„Ich will ihn fangen,“ erklärte Franz. „Auf ein paar Schnabelhiebe kommt mir’s weiter nicht an.“