Er hatte auch wirklich den Baumstamm bis zum Nest sehr bald erklettert, da aber erhob sich der Vogel und flog fort; es blieb also nur das eingesperrte Weibchen mit den Eiern. „Soll ich das Nest erobern?“ fragte lachend der junge Wagehals.

„Greife hinein und sieh nach, ob Eier oder Junge darin sind,“ antwortete Holm. „Ist ersteres der Fall, so gib mir ein Ei herunter.“

Franz begann, auf einem starken Aste stehend, das Gemäuer rings um den Zugang her zu zerbröckeln, aber nicht weiter als notwendig war, um die Hand hindurchzubringen, dann verband er dieselbe mit seinem Taschentuch und griff hinein. „Au!“ schallte es den übrigen entgegen, „Au! — Es sind Eier! — Au, du boshafte Kröte! wahrhaftig — da hast du eins, Karl! — wahrhaftig bis aufs Blut gebissen.“

Er reichte ein Ei dem jungen Naturforscher, der es gegen das scheidende Sonnenlicht hielt und zu seiner Freude noch ganz unbebrütet fand. Es mochte erst gestern oder heute gelegt worden sein. „Kannst du den Vogel ergreifen, Franz?“ fragte er. „Das wäre viel wert!“

„Ich will’s versuchen!“ rief der Knabe, „aber so leicht bekomme ich ihn nicht. Er beißt wie ein Papagei, — Au du! — Au!“

Holm lachte. „Das kommt mir vor wie jenes Rätsel: Es sieht aus wie eine Katze und miaut und schleicht wie eine Katze. Was ist es? — Ein Kater. So ungefähr ergeht es dir im Augenblick mit dem Verwandten der Papageienfamilie. Erkennst du nicht an Kopf und Schnabel die Art?“

Franz streckte den Arm aus und brachte das an beiden Flügeln gefangene Tier zum Vorschein. „Ja,“ seufzte er, „ich erkenne den Schnabel!“

Das klang komisch genug, um selbst ihn trotz seiner blutenden Wunden zum Lachen zu zwingen. Unter allgemeiner Heiterkeit wanderten die Eier in des jüngeren Knaben Strohhut, und dann trat unsere kleine Gesellschaft den Heimweg an. Holm trug an den Flügeln den gefangenen Vogel und machte Franz auf verschiedene Pflanzen aufmerksam, die auch eingesammelt wurden. Plötzlich machte Holm vor einem dichten Gebüsch aus dornigem Gestrüpp Halt und sagte: „Wir haben kein Gummi arabikum zum Kleben, jetzt ist die schönste Gelegenheit da, es zu besorgen.“

„Ich sehe aber keine Apotheke,“ entgegnete Franz.

„Wir beziehen unsern Bedarf direkt, ohne Zwischenhändler. Hier dieses Gesträuch ist der arabische Schotendorn, eine Akazienart, die das Gummi ausschwitzt, wie bei uns die Kirschbäume.“ Franz trat näher und fand an den Zweigen der Sträucher zahlreiche verhärtete Gummitropfen, die der Dornen wegen freilich mühsam zu sammeln waren. Es gelang ihm aber, Vorrat genug zu gewinnen. Mit Beute mancherlei Art erreichten sie das Negerdorf.