Die mitgenommenen Führer drängten unsere Freunde bis unter die schützenden Bäume des Waldrandes, von wo es leichter wurde, den nachsetzenden Tieren zu entgehen. Trotzdem aber hätte bei der unübersehbaren Anzahl der Gegner die Sache immerhin noch eine schlimme Wendung nehmen können, wenn nicht in diesem drohenden Augenblick ein Ton, langgezogen und gewaltig wie ferner Donner, unverhofft als Ablenkungsmittel erklungen wäre. Die Affen mochten bei dem furchtbaren Gebrüll alles übrige vergessen und nur an ihre eigene Sicherheit denken, sie ließen plötzlich von der Verfolgung der Feinde ab, kehrten um und suchten mit eiligen Schritten, einander überstürzend, die geschützten Felshöhlen zu erreichen. Bis auf zwei getötete, die im Wege liegen blieben, waren in wenigen Augenblicken alle verschwunden.

„Ein Löwe!“ ging es von Mund zu Mund. Er schien nahe.

Alle Gewehre wurden geladen, die Reisegesellschaft bildete einen festgeschlossenen Trupp, und lautlos drang man vorwärts in das dichte Unterholz hinein. Noch eine Viertelstunde verfloß, aber nichts zeigte sich.

„Schade!“ rief Franz, „eine Löwenhaut hätten wir erobern müssen.“

„Hier sind die Spuren,“ bemerkte einer der Führer. „Das Tier ist vor uns diesen Weg gegangen, — jedenfalls hat es in der Nähe seine Lagerstatt.“

„Blut!“ rief plötzlich Holm, „Blut auf dem Gras und an den Baumstämmen. Der Löwe hat ein Tier getötet, das er nun mit aller Muße verspeist.“

Wirklich führten rote Perlen auf dem grünen Boden wie ein schlangenartig gewundenes Band der nahen Lichtung zu. Am Ufer des Stromes bildeten Dubabelbäume mit ihren fünfzig und noch mehr aus einer Wurzel aufschießenden Stämmen eine Art von undurchdringlicher Laube, in deren Innerem es fast dunkel erschien. Dahin führten die Blutspuren.

Eine Kette von Schützen umgab das Dickicht; es war unmöglich, daß irgend ein Tier herausschlüpfen konnte, ohne gesehen zu werden. Der aufregende, spannende Augenblick, in dem sich die Entscheidung vollziehen mußte, ließ aller Herzen höher schlagen. Wo auch der Löwe erscheinen würde, da begrüßten ihn zehn Büchsenkugeln zugleich, während niemand nahe genug stand, um von ihm im Sprunge erreicht werden zu können. Alles blieb vollkommen still.

„Wir müssen ihn herausjagen!“ rieten die Führer. „Schade, daß uns ein paar tüchtige Hunde fehlen.“

Ein Steinwurf in das Gebüsch hinein begleitete den Satz, — der Löwe gab kein Zeichen seiner Anwesenheit.