Aber nichts dergleichen zeigte sich. Bis nach Palma hin erglänzte die baumlose sandige Küste in unangenehm blendendem Weiß, nur verkrüppeltes Buschwerk reckte seine niederen Äste, und ohne Weg oder Steg erhob sich steil abfallend das wüste Gestade.
Doktor Bolten sah durch die Brille. „Wahrhaftig,“ sagte er, „auf den ersten Anblick hin erscheint Afrika äußerst häßlich.“
„Das ist die Küste beinahe überall,“ antwortete der junge Kaufmann. „Erst etwa eine halbe Stunde von der See entfernt beginnt die eigentliche tropische Vegetation. Hier herum lebt auch außer den Strandvögeln kein Tier.“
Auf eine Jagdbeute vom Boot aus war also nicht zu hoffen, und erst als das kleine Palma erreicht wurde, sahen unsere Freunde in ziemlicher Entfernung bewaldete Höhenzüge. Hier standen zwei oder drei steinerne wie Speicher erscheinende Gebäude, zwischen denen sich Negerhütten vereinzelt erhoben und wo auch mehrere schwarze Gesichter den Reisenden begegneten, obwohl doch kein eigentliches Dorf vorhanden war. Das Negerreich L’epée lag hinter einem breiten, mit geringem Pflanzenwuchs bestandenen Landstrich, dahin ging es in Begleitung von mehreren als Gepäckträger gemieteten Krunegern ohne Aufenthalt vorwärts.
Mit jeder Viertelstunde wurde die Gegend hübscher und die Vegetation üppiger. Hier flog ein bunter, farbenprangender Schmetterling, dort blühten nie gesehene Blumen oder reiften Früchte an saftigen Stielen, so daß die Knaben voll Entzücken bald hierhin, bald dorthin sprangen.
„Langsam! langsam!“ ermahnte Doktor Bolten, „jede Anstrengung kann für den Weißen in diesem Klima tödlich werden. Der Weg ist ohnehin beschwerlich genug!“
Und das war er wirklich. Die Luftwurzeln der Bäume erstreckten sich in mächtigem Umfang Hunderte von Schritten weit in die Umgebung hinaus, Rankengewächse flochten grüne, hängende Mauern, und Sumpfstellen nötigten oft zu weiten, zeitraubenden Bogen.
Man wollte eine breite Lagune erreichen, sich dort übersetzen lassen und dann jenseits des Wassers das Negerdorf besuchen. Als nach vieler Mühe der Rand des Gewässers sichtbar wurde, fand sich auf den Fluten desselben ein äußerst reges Treiben. Einige zwanzig bis dreißig Rindenkähne mit Balancierstangen, aber ohne Mast oder Segel, voll von schwarzen Gestalten, strebten sämtlich dem Mittelpunkt der Lagune zu, und vom anderen Ufer her kamen immer noch mehr nach. Kaum gelang es dem Dolmetscher, durch wiederholte Zurufe endlich einen der Schiffer zur Umkehr zu bewegen und ihn an das Land zu locken. Erst nachdem der Schwarze Geld gesehen, ruderte er schnellstens herbei, trieb aber mit rückwärts gewandten Blick fortwährend zur Eile und ermahnte seine Genossen, durch verdoppelte Arbeit die verlorene Zeit wieder einzuholen.
Die vier Kruneger warfen das Gepäck ins Boot, nahmen ohne weiteres ihr einziges Kleidungsstück, einen Streifen Baumwollenzeug, von den Hüften, banden ihn um die Köpfe und schwammen wie Fische dem leichten Fahrzeug voran. Es war, als sei die ganze Bevölkerung plötzlich toll geworden.
Nur ein einziges Wort rief jeder dem anderen zu: „Manati!“ —