„Sie haben wahrhaftig Glück, meine Herren!“ sagte der jugendliche Dolmetscher. „Es wird sich Ihnen eine äußerst interessante, sehr seltene Jagd zeigen.“

Die beiden Knaben griffen wie elektrisiert zu ihren Gewehren. „Ein Haifisch?“ rief der eine, „Ein Krokodil?“ der andere.

„Keines von beiden, auch darf niemand an dem Fang des Tieres teilnehmen. Thun Sie das nicht, meine Herren, es könnte uns alle in Gefahr bringen. Jetzt aber sehen Sie selbst!“

Ganz in der Nähe erschien jetzt ein Boot, in welchem drei Männer Platz genommen hatten, zwei gewöhnliche Neger und ein dritter von eben so komischem als abscheulichem Aussehen. Die nackten Glieder waren wie das Gesicht mit feuerroter, dick aufgepinselter Farbe so bemalt, daß Flammen und Zacken, Tierköpfe und geringelte Schlangen überall die schwarze Haut zu bedecken schienen; das Haar hatte dieser Mann durch hineingeflochtene Massen von Pflanzenfasern zu einem nach allen Seiten weit abstehenden, den Kopf ellenbreit umgebenden Wulst gestaltet und die Zähne spitz gefeilt. Um Hals und Handgelenke, aus dem Haar, an den Füßen und vom Gürtel starrten die Posen des Stachelschweines, Federn von allen Farben flatterten im Winde und ganze Gehänge von Muscheln klapperten und rasselten bei jeder Bewegung. In der Hand trug der Neger eine Büchse aus Bambus. Seine beiden Begleiter hatten außer den Rudern noch starke eiserne Harpunen.

„Das ist der Zauberer des Stammes,“ erläuterte der Dolmetscher. „Er spielt den Oberpriester im Schlangentempel, den Arzt und nicht selten auch den unmittelbaren Botschafter der Götter, letzteres besonders, wenn auf Befehl derselben dieser oder jener Neger gemaßregelt werden soll. Mit einem Wort, er ist der König des Königs.“

„Aber wo bleibt das Wild?“ rief Franz. „Ich sehe nur Wasser und Menschen.“

„Gleich, gleich,“ beruhigte lächelnd der junge Kaufmann. „Wenn ich es Ihnen erzähle, so ist ja der Spaß verdorben.“

Die Negerboote hatten jetzt einen Kreis gebildet, und in der Mitte befand sich das Fahrzeug des Zauberers. Unsere Freunde sahen aus nächster Nähe, was vorging. Der rotbemalte Neger nahm vom Boden des Kahnes eine große Muschel und begann nach der ohrenzerreißenden, von ihm selbst vollführten Musik dieses wunderlichen Instrumentes einen Tanz, wobei er sich wie rasend auf einem Beine drehte. Die Zieraten rasselten, die Federn flogen und die Spitzen der Posen glänzten im Sonnenlicht wie feurige Reifen, die von allen Seiten den Körper umgaben. Unter den Negern herrschte lautlose Stille.

„Es muß doch ein Krokodil sein,“ raunte Franz, den die Ungeduld fast verzehrte.

„Das hier ist ja alles süßes Wasser, also — —“