„Ach! — der echte Quaqua wäscht also seinen Körper niemals?“

„Nicht mit Wasser, Herr, er reibt ihn mit Fett.“

„Was diese Nachbarschaft für die Nasen der Kulturvölker äußerst unangenehm macht,“ sagte trocken der Gelehrte. „Aha, da zeigt sich Jung-Hottentottentum in schönster Naturwahrheit.“

Ein halbes Dutzend spielender, durchaus unbekleideter Kinder lief beim Erblicken der Fremden laut schreiend zum Eingang des Kraales zurück; bald darauf zeigten sich gelbe Gesichter, mehrere Frauen kamen herbei, und selbst Männer erschienen mit ausgestreckten Händen, um von den Weißen etwas Tabak zu erbetteln. Nirgends gewahrte man indessen jenes Erstaunen, das verwunderte Aufhorchen, welches die Neger ergriffen hatte, wohin die Reisenden bis jetzt kamen; es trat vielmehr deutlich zu Tage, daß diese Leute den Besuch weißer Fremdlinge schon oft empfangen, ja daß manche unter ihnen selbst in der Kapstadt gewesen sein mochten und das Leben außerhalb ihres Kraales sehr wohl kannten.

„Dort liegt Mazembas Hütte,“ berichtete der Führer. „Gehen Sie ohne Besorgnis durch die Dorfstraße, meine Herren, die Quaquas sind keine Verräter, es wird ihnen nichts Böses geschehen.“

Doktor Bolten klopfte ihm auf die Schulter. „Hübsch von dir, daß du dein Volk verteidigst, mein Sohn,“ sagte er. „Geh also und melde uns dem Fürsten.“

Die beiden anderen Führer blieben bei den Weißen, und so setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Es schien doch einigermaßen gewagt, so in den Engpaß hineinzugehen und sich der Großmut der Wilden preiszugeben; aber auch die zwei letzten Führer hielten das Unternehmen für gefahrlos; sie hatten schon früher Reisende hierher begleitet und wußten, daß die Hottentotten an keinen Überfall dachten. — Eine Doppelreihe erbärmlichster Lehmhütten zeigte sich den Blicken der vorauseilenden Knaben; keine einzige davon war höher als bis zu etwa drei Metern, sämtliche Thüren gestatteten den Eingang nur mittels des Kriechens auf allen vieren, und die Dächer liefen trichterförmig in eine Spitze aus. Während die Wohnungen der Neger ohne Ausnahme Pfahlbauten waren, hatten sich die Hottentotten halb in den Boden hineingewühlt, lebten ohne einen einzigen Lichtstrahl in engumschlossenen Räumen und konnten auch nicht den kleinsten Versuch zu Anpflanzungen aufweisen. Alles lag vergraben unter Schmutz, die Dorfstraße war eine Art von Pfütze, die gelben, überaus häßlichen Gesichter zeigten gänzliche Unbekanntschaft mit dem Wasser, und die Felle, in welche beide Geschlechter gehüllt waren, hingen zerfetzt und besudelt von den durchweg kleinen Gestalten herab, die Männer von den Schultern bis zu den Knieen bedeckend, während sie bei den Frauen den Oberkörper frei ließen. Unzählige Troddeln aus kleinen, schwarz und weißen Thonperlen fielen über die Brust herab, und an Armen und Beinen waren die Sehnen oder Därme geschlachteter Tiere als Verzierungen angebracht; alles durchaus schmutzig, mit Fett beschmiert und vielfach zerrissen.

Trotz dieses elenden Zustandes schienen die Quaquas ein sehr lebensfrohes Völkchen, das sogar seine Gäste mit Musik bewillkommnete. Aus mehr als einer Thür kroch eine olivengelbe Gestalt, die in den Händen einen ausgehöhlten halben Kürbis trug und nun auf drei darüber hingespannten Saiten ein nervenerschütterndes Katzenkonzert verübte. Jeder spielte für sich, und jeder tanzte einen tollen Wirbelreigen für sich, so daß es bei dem Anblick dieser halbnackten, komischen Gestalten für die Weißen unmöglich war, den zu einer Vorstellung bei Hof so äußerst notwendigen Ernst zu bewahren. Sie lachten noch alle, als der vorausgeschickte Führer zurückkam und verkündete, daß König Mazemba sogleich vor der Thür seiner Wohnung erscheinen und die Gäste empfangen werde. Auch hier in unmittelbarer Nähe des fürstlichen, mit mehreren bunten Lappen und einem greulichen Götzenbilde verzierten Palastes hörten die Künstler nicht auf, ihre Instrumente zu bearbeiten, nur tanzten sie nicht mehr, sondern hatten sich rechts und links vom Eingang postiert, wo sie immer noch mit lebhaftem Wiegen oder Schaukeln den musikalischen Vortrag begleiteten. Ein ganzer Haufe von Frauen und Kindern war den Weißen gefolgt, und jetzt nahte auch schon Seine Majestät selbst; auf Händen und Füßen kriechend, unter schmerzlichem Ächzen kam Mazemba ans Tageslicht. Was er sagte, das ging einstweilen unseren Freunden verloren; als ihm aber der lebhafte Franz unter die Arme griff und solchergestalt half, sich auf einen vor der Höhle befindlichen Erdhaufen niederzulassen, da zeigte ein verblüffter Ausdruck des gelben, verschrumpften Gesichtes, wie sehr sich der Alte wunderte, daß es jemand gewagt habe, seine geheiligte Person zu berühren. Er sah blinzelnd von einem zum anderen und ergriff dann einen im Wege liegenden Stein, den er ohne weiteres nach den Musikanten schleuderte, worauf sofort diesem nicht mißzudeutenden Befehl des Stillschweigens Folge gegeben wurde. Alles verstummte, die Weißen zogen ihre mitgebrachten Geschenke hervor, und der Führer begann sein Amt als Dolmetscher.

Ein schnalzender Laut drang über die Lippen des alten Königs und wurde dann in das Wort „Tabak“ übersetzt, worauf sogleich mehrere Pakete in die begierig ausgestreckten Hände fielen. Seine Majestät schoben eiligst, ohne zu zaudern oder zu danken, das begehrte Labsal in den Mund, dann wurde noch ein Wort gehört — Branntwein! — und als ein Achselzucken darauf antwortete, hielt der Alte jede weitere Bemühung für überflüssig. Mochte der bunte Putz, den vielleicht die Reisenden außerdem noch mitgebracht hatten, seinen Weibern zu teil werden, er selbst kümmerte sich darum nicht. Mit Mühe zum Eingang der Höhle zurückkriechend nahm er französischen Abschied, ohne die Reisenden eines weiteren Blickes zu würdigen; im nächsten Moment aber tönte die verdrießliche Stimme aus dem Thürloch wieder heraus, diesmal in längerer Rede. „Wenn die weißen Männer unter sich einen Zauberer haben, der im stande ist, meine Schmerzen zu bannen, so will ich ihnen den fettesten Stier schenken. O! o! Wie das reißt und bohrt!“

Natürlich war auch dieser Wunsch unerfüllbar, und so bewegten sich die Reisenden weiter ins Dorf hinein, nicht ohne von der Stimme des geplagten alten Königs noch eine Strecke begleitet zu werden.