„Zwei Kühe zu dem Stier, wenn ihr helfen könnt! — Drei Kühe!“
„Sagte ich es dir nicht?“ lächelte Holm. „Branntwein, Feuchtigkeit der Wohnung und steter Müßiggang — im Alter die Wassersucht und das Zipperlein.“
„Merkwürdig wenig Zeremoniell war an dieser Hofhaltung vorhanden!“ rief der Knabe. „O lieber Himmel, da fängt die Musik wieder an.“
Der Zug nach Mazembas Kraal.
Olivengelbe Gestalten schwangen sich rechts und links dem Zuge voran, die büschelweise gewachsenen struppigen Haare flogen im Winde, die zerrissenen Kuhfelle klappten auf und nieder, und ein wilder Reigen fand an den überhängenden Felswänden der einen Straßenseite sein Echo. Wohin die Gäste sich wandten, da folgte ihnen diese unerwünschte, jedenfalls aber als Ehrenbezeugung aufgefaßte Begleitung, selbst als an der Quelle Halt gemacht wurde, um zu rasten, tönte noch immer die sonderbare Musik fort, bis denn endlich eine Verteilung von Geschenken stattfand, und nun die Spielleute ihren Anteil forderten. Die Kürbis-Violinen flogen ins Gras; neugierig, mit langen Hälsen warteten alle der Dinge, die da kommen würden. Und dann brach der Jubel los. Spiegel, um die eigene, bodenlose Häßlichkeit, die zuweilen ein Dritteil des ganzen Gesichtes ausmachenden Lippen und die plattgedrückte Nase zu beschauen, feuerrote Kattuntücher und Glasperlen für die Frauen, Tabak und Messer für die Männer, Spielzeug für die Kinder, alles wurde verteilt, aber auch in dieser Beziehung wieder beobachtet, daß die Hottentotten solche Dinge bereits kannten, obgleich sie zu arm waren, um auf den Besitz Anspruch zu machen. Die Umgebung der Quelle sah aus wie ein Marktplatz; rings im Kreise saßen schnatternde jubelnde Frauen, und bewegten sich in Gruppen die Männer, bei denen es dieses oder jenes Stückes wegen nicht selten bis zu Thätlichkeiten kam; ein alter Hottentotte, der große Herden besaß, feilschte mit den anderen um ihre Messer und bot Kälber und Kühe für ein besonders gewünschtes Stück; ein jugendlicher Stutzer hatte sich mit nicht weniger als fünf roten Tüchern an allen möglichen und unmöglichen Stellen seines auswendigen Menschen umwickelt und stolzierte jetzt wie ein Pfau zwischen den übrigen umher, ja endlich gerieten zwei junge Damen einer Perlenschnur wegen dermaßen in Harnisch, daß sie sich eine förmliche Schlacht lieferten. Beiß- und Kratzwunden, Büschel ausgeraufter Haare, Fetzen von der Fellbekleidung und endlich das jähe Zerreißen des Perlenbandes, alles das drängte sich zusammen in wenige Augenblicke; nachdem aber die begehrten Glaskugeln auf den Boden gerollt waren, entstand plötzlicher Friede. Beide Kämpferinnen lagen auf ihren Knieen, um möglichst viele der bunten Flüchtlinge zu erhaschen; eine suchte noch emsiger als die andere, und sobald eine Perle gefunden war, flog sie in den Mund der glücklichen Besitzerin, woselbst ihr ein sicheres Versteck hinter dem respektablen Gebiß bereitet wurde. Es fehlte aber auch neben diesen kleinen, ergötzlichen Auftritten nicht an den Zeichen wahrer Gastfreundschaft und Dankbarkeit; die armen Frauen boten den Gästen ein Nachtlager in ihren Hütten und eine Mahlzeit von den wenigen Vorräten, welche sie selbst in einer Art Grube oder rohangelegtem Keller unter der Wohnung verwahrten; sie küßten die Kleider der Fremden, und einige brachten sogar zum Entsetzen derselben eine Art von Zither zum Vorschein, auf der sie spielten.
Das Essen wurde dankend abgelehnt. Worin es eigentlich bestand, ließ sich nur schwer sagen, denn alle möglichen Gerüche stiegen aus dem verbogenen, rostigen Eisengefäß empor, und Spuren früherer Mahlzeiten hafteten reichlich an den Wänden. „Ich halte es für Mehlbrei!“ erklärte Franz.
„Hm, wenigstens waren erst ganz kürzlich noch Zwiebeln in diesem Topfe.“
„Etwas gleicht der Duft demjenigen einer verbrannten Milchspeise.“