Die schwarzrote Schar mit Federschopf und Schild brach aus dem Walde hervor. Gellendes Kriegsgeschrei übertönte die Worte des Hottentotten, Ausrufe furchtbarster Wut und des Hasses erfüllten die Luft. Jetzt erst erkannten die Amakossa den ihnen gespielten Betrug, rasend vor Zorn wollten sie Rache nehmen an dem, der sie so erfolgreich zu überlisten verstanden. „Verfluchter Quaqua!“ hörte sie der Führer schreien, „der Hundesohn, der falsche Schakal!“
Seine gelben Züge wurden fahl. Er peitschte rechts und links die Tiere, daß sie zusammenschreckend in die Ebene hinausflogen, unaufhaltsam in sausendem Galopp.
Noch eine Minute, eine einzige, und die Amakossa hätten das Nachsehen gehabt. —
Ihre Wurfspieße zischten durch die Luft, ein Wutgeheul schallte den Fliehenden nach. — Keiner als nur Franz hörte den leisen Schmerzenslaut von den Lippen des Hottentotten. „Sind Sie getroffen?“ fragte er heftig erschrocken.
Die sieben Pferde sausten über die Ebene dahin wie ebenso viele jagende Schatten, lautlos mit den umwickelten Füßen, dicht gedrängt in rasender Eile, als wüßten sie, daß Leben und Tod an ihrer Schnelligkeit hing, daß alles, alles verloren sei, wenn sie jetzt strauchelten oder zögerten. —
Franz sah wie der Führer im Sattel schwankte, er umfaßte ihn mit kräftigem Arm und hörte voll Erschrecken das leise: „Lassen Sie mich liegen und fliehen Sie, — mit mir ist es aus.“
„Gewiß nicht!“ rief der warmherzige Knabe, „gewiß nicht! Karl, hilf mir, unser Retter ist verwundet. Ach, könnten wir doch anhalten!“
„Um Gottes willen nicht,“ drang es kaum verständlich über die Lippen des Hottentotten. „Mich rettet nichts mehr, — lassen Sie mich fallen.“
Aber Holm und Franz hielten dicht gedrängt von beiden Seiten den unglücklichen Mann, dessen Blut auf dem Gras die Spur bezeichnete. Heller und heller graute der Morgen, welcher diese entsetzliche Nacht vertrieb, in weiter Ferne verlor sich das Schreien der Amakossa. Immer noch flogen die Pferde dahin, bis endlich ein Dickicht von Dubabelbäumen auftauchte und Wasser und grünes hohes Gras den Blick erfrischte. Hans sah zurück. „Es ist kein Wilder mehr erkennbar, Karl,“ sagte er, „soweit das Auge trägt scheint alles leer, — laß uns anhalten.“
Der Gelbe konnte schon nicht mehr sprechen; er winkte nur, daß die übrigen fortreiten möchten; diesem Verlangen wurde aber natürlich keine Folge gegeben, vielmehr die Pferde angehalten und der Verwundete sanft auf eine schnell ausgebreitete Decke gelegt. Das Gesicht zeigte bereits jene unheimliche Veränderung, welche dem Tode voranzugehen pflegt, die breite Brustwunde entsandte rote Ströme, und das Auge war halb geschlossen. „Gottlob!“ flüsterte er, „ich habe doch — sechs Menschen —“