Seine Stimme brach, die Hand sank matt herab. Da kniete der alte Geistliche neben dem Sterbenden ins Gras und legte voll Milde seine Rechte auf die schon erkaltende Stirn. „Du hast durch deine mutige That sechs Menschen vom Tode errettet, mein Sohn,“ sagte er herzlich, „du sollst in unserer Erinnerung fortleben als der, welcher sich für uns geopfert, und möge dir der barmherzige Gott ein so gnädiger Richter sein, wie wir alle es für dich erflehen!“
In diesem Augenblick brach golden und glänzend der erste volle Sonnenstrahl aus den Wolken hervor; in unwillkürlicher Ehrfurcht hatten alle die Hüte vom Kopf genommen und umstanden wortlos das Sterbelager des Reisegefährten. Stiller wurde es, immer stiller in der keuchenden Brust, ein friedliches Lächeln umspielte die Lippen, und während der leisen, innigen Trostesworte des christlichen Priesters ging unmerklich die Seele des armen Hottentotten hinüber in das Jenseits, und die Gebete der Geretteten erflehten für ihn vom barmherzigen Vater eine selige Urstätte.
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Holm legte mit leiser Hand den Zipfel der Decke über das erstarrte Antlitz. „Mut!“ sagte er halblaut, obgleich seine eigene Stimme verändert und unsicher klang, „Mut, Freunde. Wir sind von hundert Gefahren umdroht, wir dürfen uns nicht beherrschen lassen, nicht schwach werden. In jedem Augenblick können die Kaffern hier erscheinen.“
Der alte Theologe hob den Kopf. „Aber unmöglich dürfen wir die Leiche hier den wilden Tieren überlassen! Was haben Sie beschlossen, mein junger Freund?“
Holm sah zum Wasser hinüber. „Zwei von uns müssen den Körper tragen, soweit der Grund des Flusses dies zuläßt und ihn dann versenken, wie ich meine. Wir besitzen kein Mittel, die Erde aufzugraben, ebensowenig aber könnten wir die Leiche mit uns nehmen,“ versetzte er.
„Das ist auch unsere Ansicht,“ nickten die Führer.
Man wusch und reinigte also nach Möglichkeit den Körper des toten Hottentotten, hüllte ihn in eine Wolldecke und band an das Ganze mehrere große Steine. Die Führer warfen ihre Leinenkleidung ab und traten in das Wasser, welches schon nach den ersten zehn Schritten zu tief wurde, um darin noch weitergehen zu können. Vorsichtig und langsam ließen sie unter dem stummen Gebet der am Ufer stehenden Weißen den Körper ihres ermordeten Gefährten hinabgleiten auf den Grund.
„Die Erde ist überall des Herrn,“ sagte laut und feierlich der alte Geistliche, „und wo ein guter Mensch begraben liegt, da halten die Engel Wache.“ —
Schweigend und ernst, noch tief erschüttert von den durchlebten Ereignissen, suchten alle ihre Pferde, und fort ging es, auf einem anderen Wege der Kapstadt wieder zu.