»Das Ihr Vogel?« fragte er plötzlich zutraulicher – den Bauer unausgesetzt ansehend. Ich nickte.

»Gekauft?« Die drollige Frage gefiel mir.

»Er gehörte meinem Kinde,« berichtete ich.

Charleys Augen hoben sich fragend.

»Haben Sie ein Kind?«

»Jetzt nicht mehr,« sagte ich leise, »es ist gestorben!«

»So?« Charleys Ausruf war ein Mittelding zwischen Neugierde und Mitgefühl, und seine Blicke begannen über den Hausdächern ziellos umherzuirren und sanken endlich mit salbungsvollem Ausdruck auf seine dickbesohlten Stiefeln herab.

»Viele Leute sterben,« begann er endlich, mit der Miene eines bejahrten Tröster, dem nach langem Suchen das richtige Wort eingefallen ist, »kenne 'ne Menge Leute, die gestorben sind. Viele sterben an Masern. Böse Krankheit – Masern!«

Ich antwortete nichts. Meine Gedanken waren weit zurückgeschweift. Sie hingen an dem Bilde eines kleinen dunkellockigen Knaben, dessen hellklingende Stimme mir durch kurze Jahre das Dasein gelichtet hatte, um dann zu verstummen – auf immer – und mich einsam zurückzulassen. – –

Wie lange ich in stillem Sinnen verblieb, weiß ich nicht. Als ich aufsah, war ich allein. Charley Gregor war geräuschlos verschwunden. Ich dachte eine Weile über sein plötzliches Verschwinden nach, und empfand ein unbehagliches Gefühl von Reue darüber, die rauhen Trostesworte, die, wie ungeschickt sie auch schienen, doch von gutem Willen sprachen, so unerwidert gelassen und – so folgerte ich – das Kind dadurch gekränkt und verscheucht zu haben.