Ein Augenblick der Spannung! In des gefragten Kindes Hirn entsteht ein wüster Kampf. Sagt er »nein«, so fällt die letzte Chance, die ersehnte Prämie zu erhalten – fällt jede Aussicht, einmal von des gestrengen Vaters Mund gelobt zu werden! – sagt er ein »ja«, so spricht sich's morgen in der Stadt herum, daß er – nicht Max –
»Hast du den Ball richtig gefangen, Kurt?« Wie eigen warm des Lehrers Stimme klingt! Wie voll Vertrauen das graue Augenpaar ihn ansieht! Des Kindes Herz versteht den Blick; des Kindes Herz erwidert darauf. Den Kopf zurückgeworfen, daß die Lockenfülle weithin in den Nacken fliegt – die Augen groß und voll zum Lehrer aufgeschlagen, spricht Kurt ein deutliches ernsthaftes »Nein, Herr Karler!«
Die Stille, die dem Worte folgt, wird durch den Lehrer unterbrochen.
»Du bist ein braver Kerl, Kurt Henning!«
Die Dämmerung ist da. Müde und bestaubt marschiert die kleine Schar zur Stadt zurück. Die Frühstücksbüchsen hängen ihnen leer zur Seite.
Kurt Henning hat den Blick mit ernstem Ausdruck auf das kleine Haus gerichtet, das am Thore liegt und das er mit dem Vater bewohnt.
»Worüber sinnst du, Kind?« fragt ihn Herr Karler, dem etwas in dem Angesicht des Knaben zu denken gibt, und Kurt erwidert leise – sehnsuchtsvolle Augen zu dem Lehrer hebend:
»Ich hätte doch so gerne eine Prämie heimgebracht; mein Vater hätte sich gefreut!«
Herr Karler legt die Hand liebkosend auf des Knaben Haupt und gibt ein Zeichen, daß die andern stehen.
»Sag' deinem Vater, daß du ihm die Achtung deines Lehrers mitbringst, Kurt, das wiegt wohl eine Prämie auf! Gut' Nacht, mein Sohn!«