»Arthur!« Es hilft nichts mehr, daß der verlegene Diener dem Kinde nacheilt, der gelenkige Bursche trabt ganz unbekümmert um die Rufe seiner Schwester durch den Thorweg auf die Straße, und diese eilt, von einem Angstgefühl erfüllt, durchs Haus, um durch den kürzern Weg dem Brüderchen den weiten um die Straße abzuschneiden. Der Gartenzaun ist offen. Gretchen ist angelangt, nicht einen Augenblick zu früh. Von einem Stein, aus eines Nachbarkindes Hand geworfen, wild zur Flucht getrieben, kommt Arthurs Tierchen auf sie zugesaust. Der kleine Reiter hängt bleich, voll Todesangst die Mähne seines Tieres fest umklammert, zitternd da. Von allen Seiten stürzen sich die Menschen vor und suchen ihn durch Rufen anzuhalten.

»Wenn es ihn abwirft, ist das Kind verloren! Der arme kleine Bursche!«

»Ach Gott! Ach Gott!«

Gretchen hört die Worte, die Jammerrufe. Ihre Augen sind weit aufgerissen, die Hände fest ineinander geschlungen. Ein entschlossenes blasses Gesichtchen hebt sie zu dem Bruder.

»Halte fest, Arthur, halte fest!«

»Um Gotteswillen, was macht das Mädchen?« Die Menge schreit auf, und um sie her erschallen Warnungsrufe. Zu spät!

Mit ihrem kleinen Körper hat sich das Mädchen dem Tier in den Weg geworfen. Die Arme hoch empor haltend fällt sie dem schäumenden, erregten Tier in die Zügel – – ein Sturz, ein Schrei – das arme, arme Kind!

Die Pferdehufe hatten sie getreten, nachdem der zarte Kinderleib schon eine Strecke weit geschleift und arg mißhandelt worden war.

So lag sie denn bewußtlos auf dem weichen Bettchen, und fremde Menschen standen um sie her und weinten laut.

Die schnell herbeigerufenen Ärzte schütteln stumm die Köpfe.