»Wenn nur dem Kleinen nichts geschieht!« rief sie vom Wagenschlag besorgt zurück; »wenn ich nur wüßte, daß man auf ihn achten wollte!« – Der Mutter Blick lag auf dem Antlitz Gretchens, die, an der Thüre stehend, ihr unverwandt ins Antlitz sah. Es war ein eigenes Etwas in den Augen beider, da sie sich zum erstenmal seit lange in einander senkten. Zum erstenmale empfanden vielleicht zu gleicher Zeit die Mutter und das Kind, daß in der Seele beider – von dem andern unverstanden – etwas lag, was ungeklärt zu schlummern schien.

Was war's, das plötzlich die Mutter bestimmte, aus dem Wagenfenster zu schauen und dem stillen bleichen Kinde einen liebevollen Gruß zuzunicken? Was gab's dem Mädchen ein, die kleine Hand fast unwillkürlich auszustrecken – an den Mund zu führen – nochmals auszustrecken?

Der Wagen fuhr davon, und langsam fielen ungesehen zwei schwere Thränen, die eine in den Schoß der Mutter, die andere auf die Hand des Kindes, das regungslos an der Thür stand und dem Gefährt mit großen Augen lange nachsah.

»Gretchen! Gretchen!« Der Kopf des Kindes fuhr aus seinen Träumen auf. Das war Arthurs Stimme. Sie klang so hell, so jubelnd. Woher kam sie nur?

Aus dem Stall vielleicht!

»Ist Arthur dort?« Sie ruft es in den Stall hinein, und ehe der Diener Antwort giebt, sieht sie durch die weit offene Stallthür den kleinen Burschen allein auf dem noch ungezähmten Füllen sitzen, das der Vater neuerdings dem Kleinen zum Geschenk gemacht. Gretchen schreit ängstlich auf.

»Wie können Sie nur?« ruft sie dem Diener zu; doch dieser zieht verlegen beide Schultern hoch.

»Er schrie und strampelte so sehr, was sollt' ich machen?«

»So geh'n Sie nach und halten ihn! Arthur!«

Der Ruf entfährt erschreckt den blassen Lippen Gretchens, da sie gewahrt, wie Arthur unerschrocken seine Zügel hält und dem erregten Tier zuschnalzt.