3. täglich eine Minute lang Wasser auf die Knie gießen und darauf Bewegung machen; so zwei Wochen lang.
In der dritten Woche mußte sie täglich einen Oberguß und Knieguß des Morgens nehmen und nachmittags ein Halbbad, außerdem täglich drei Minuten im Wasser gehen; so auch in der vierten Woche. Nach vier Wochen war der heftige Blutandrang zum Kopf verschwunden; das Augenlicht war wieder hergestellt, weil die Ursache (der Blutandrang) gehoben war; die Füße waren warm, und die Kranke war geheilt.
Als weitere Anwendung mußte Agatha in der Woche drei Halbbäder nehmen zur Kräftigung des Körpers.
Augen-Star.
Ein Beamter brachte einen Knaben von neun Jahren, der augenleidend war. Beide Augensterne gaben so spärliches Licht, daß der arme Kleine nur mit Mühe allein gehen konnte. „Wie kommen Sie zu mir?“ „Ja, mein Kind“, sagte der Vater, „war längere Zeit in einer Augenheilanstalt; es wurde aber entlassen mit der Erklärung, das Leiden sei der unheilbare graue Star. Das ist schrecklich: Neun Jahre alt und blind!“ Das eine Auge erschien schon derart getrübt, daß man den Stern nur mit recht gutem Auge noch teilweise unterscheiden konnte; eine totale Finsternis war es für den Kleinen. Auf dem anderen Auge lag eine Wolke, und wie der äußere Sonnenrand, ehe der Ball hinter den Wolkenbergen verschwindet, nochmals aufleuchtet, so glänzte noch ein letztes Streifchen des ehedem lichtvollen Auges vor seinem gänzlichen, elendiglichen Untergange.
Der bedauernswerte Knabe litt nicht allein an den Augen, das sagte mir sein erster Anblick. Der ganze kleine Organismus war aufs tiefste heruntergekommen, elendiglich zugerichtet, so verkümmert, daß jedermann der Gedanke kommen mußte, dieses Kind ist durch und durch krank, fast, so scheint es wenigstens, abzehrend; kein Appetit, kein Leben, abgemagert, die Haut ganz trocken; rasch gestrichen stäubt diese förmlich. Also nicht die Augen allein, der ganze Körper ist krank, recht krank. Suchen wir zuerst diesen zu heilen, vielleicht öffnen sich dann auch die Augen wieder.
Wir begannen, nachdem wir zuerst die bislang getragene Brille entfernt. Der Knabe mußte täglich soviel wie möglich im nassen Grase oder auf nassen Steinen barfuß gehen, und täglich wurden im Anfang Rücken, Brust und Unterleib ein- bis zweimal kräftig gewaschen. Nach einiger Zeit traten an Stelle der Waschungen Halbbäder, endlich Ganzbäder, nie länger als eine Minute. Dazwischen hinein fiel abwechslungsweise der Wickel oder das nasse Hemd, in Salzwasser getaucht, auf 1½ Stunden. Alle diese Anwendungen bezweckten, neue Tätigkeit, neues Leben in den Körper zu bringen, mit anderen Worten, den Körper zu heilen und zu kräftigen.
Speziell für die Augen, d. i. zu deren Reinigung und Stärkung, verwendete ich mehrere Augenwasser: zuerst das Aloëwasser (man nimmt eine Messerspitze Aloëpulver und kocht dasselbe ein paar Minuten in einem Schoppen = ¼ Liter Wasser). Drei- bis fünfmal täglich wurden damit die Augen gut ausgewaschen, besonders im Innern. Aloë löst auf, reinigt und heilt. Später folgte diesem Alaunwasser (zwei Messerspitzen Alaun werden in einem Schoppen Wasser gemischt), zu täglich drei- bis viermaligem kräftigem Auswaschen. Alaun ätzt und reinigt. Noch später nahm ich Honig-Augenwasser (ein halber Löffel Honig wird in einem Schoppen Wasser fünf Minuten lang gesotten) zu täglich drei- bis fünfmaliger Waschung namentlich des inneren Auges. Der Knabe gedieh körperlich so kräftig, daß von Woche zu Woche seine Kräfte zunahmen, sein Aussehen frischer, gesünder, blühender wurde und Geist und Körper allmählich in die richtige Verfassung zurückkehrten. In dem blühenden Kopfe erblühen auch wieder die so lange geschlossenen Augen; sie leuchten zur Freude der Eltern hell und klar. Der Knabe sieht so gut wie seine Schulkameraden. Niemand würde glauben, daß das Kind je so armselig gewesen.
Ich bin der festen Überzeugung: die arg verkümmerten Augen waren nur ein Bild, eine Folge des noch ärger verkümmerten Körpers. Und wie vom welk werdenden Stamme die Blätter und der Blütenschmuck abfallen, so müssen im siechen Körper auch krank angelegte Augen vorkommen. Treibt der Stamm von neuem, dann treiben und grünen und blühen auch frisch und neu Blätter und Blüten.