Berta geht in die Schule, sieht aber recht leidend aus, hat fast jede Woche oder doch recht oft „böse Augen“, so daß sie nicht lesen kann. Die Augen sind ganz rot und brennen heftig. Die Mutter soll dem Kinde innerhalb zehn Tagen sechsmal ein nasses Hemd anziehen, und reicht dieses Mittel nicht aus, so soll sie dem Kinde noch Bäder bereiten mit ungefähr 24° und zugegossenem Absud von Fichtenreisern, stets abschließend mit raschem kaltem Abguß. Nebenher kann als Augenwasser dienen das Aloë-Wasser (eine Messerspitze Aloë wird in ein Medizinglas gebracht und mit heißem Wasser aufgegossen), womit täglich dreimal die Augen ausgewaschen werden. Letzteres heilt das entzündete Auge und stärkt es.
Wilhelm, eine Knabe von neun Jahren, hatte Augenleiden. Er konnte nicht mehr lesen, kaum mehr ordentlich die Menschen unterscheiden; der Kleine war mehr als halb blind. Gegen 400 Mark hatten die Eltern schon für diese Augen verwendet. Nichts wollte helfen, nicht Doktor, nicht Apotheker. So verkümmert die Augen waren, so verkümmert war auch das ganze Kind: die Hände und Füße stets kalt, der Magen ohne Appetit, der Körper abgemagert, die ganze Gestalt traurig und gedrückt. Im Elende steckten nicht nur die Augen, im Elende steckte das ganze Menschlein. Blaue Brille und Führer bestätigten dieses auch nach außen hin.
In vier Monaten war Wilhelm völlig gesund am Körper sowohl wie an und in den Augen. Der Kleine mußte in der Woche zwei warme Bäder nehmen. Viermal wöchentlich ließ ich ihn ein Hemd anziehen, das in kaltes, mit etwas Salz gemischtes Wasser getaucht war. In der Umhüllung blieb er 1–1½ Stunden lang. Dazu hieß ich den Kleinen recht fleißig im nassen Grase oder bei Regen barfuß gehen. Nach Verlauf der ersten vier Wochen nahm Wilhelm in jeder weiteren Woche drei bis vier Bäder, nur mit 15 Grad und nie länger als eine Minute mit stets folgender Bewegung. Auch dieses währte einige Wochen. Dazu wusch der Knabe täglich zweimal seine Augen mit Alaunwasser (eine Messerspitze Alaun zu einem halben Schoppen Wasser). Gleichen Schritt mit dem gesundwerdenden, neu auflebenden Körper hielten die wieder erwachenden Augen. Sie öffneten sich endlich ganz und leuchteten und strahlten zuletzt im gesunden und frischen Gesichte des Knaben, als wenn ihnen nie auch nur das geringste gefehlt hätte.
Christine, 24 Jahre alt, sieht aus wie die Blüte des Lebens, hat aber immer mit Augenleiden zu tun. Sie hat zu viel Blut im Kopfe, zu wenig Blut in den Füßen, deshalb auch stets kalte Füße.
Patientin nimmt jeden zweiten Tag ein lauwarmes Fußbad mit Asche und Salz untermischt. Dieses zieht ihr das Blut vom Kopfe nach unten. Dreimal in der Woche geht sie bis unter die Arme ins kalte Wasser (Halbbad), eine halbe Minute lang. Bei der Arbeit ist sie viel barfuß. Der Blutandrang zum Kopfe nimmt ab, hört allmählich ganz auf, und das Augenleiden verschwindet.
Augenleiden.
Agatha kommt und klagt: „Drei Jahre lang war ich von heftigen Kopfschmerzen geplagt, so daß ich oft ganze Nächte hindurch nicht schlafen konnte. Meine Füße sind beständig kalt; läßt der Kopfschmerz etwas nach, dann habe ich solche Schmerzen auf dem Rücken, daß ich oft ganz steif bin. Auf viele Stunden weit habe ich alle Ärzte aufgesucht; helfen konnte keiner. Seit einem halben Jahre wird mein Augenlicht so schwach, daß ich kaum mehr die Häuser sehe, und wenn’s noch einige Zeit so fortgeht, werde ich stockblind.“
Agatha mußte
1. in jeder Woche zweimal ein Hemd anziehen, in Salzwasser getaucht, und in eine Decke eingewickelt 1½ Stunden lang bleiben;
2. in der Woche zweimal einen kurzen Wickel, in Wasser getaucht, worin Heublumen gesotten worden, warm 1½ Stunden lang nehmen;