Anwendungen:[28] Täglich dreimal, auch viermal einen Oberguß und täglich zweimal im Wasser gehen bis über die Waden; so vier Tage lang. Nach diesen vier Tagen täglich zwei Obergüsse, einen Rückenguß und ein Halbbad. Zudem täglich noch im Wasser gehen; so fünf Tage lang; dreimal wöchentlich einen Shawl. Nach diesen fünf Tagen täglich ein Halbbad, einen Rückenguß, einen Oberguß und einen Knieguß. Nach kurzer Zeit war die ganze Kur vorbei. Es hat sich bei diesem Herrn eine ganz unglaubliche Masse Schleim abgesondert. Tag für Tag wurde das Aussehen besser, der Atem leichter, die Stimme reiner, die Gemütsstimmung heiterer. Nachteilig war für ihn früher die zu warme Bekleidung und Mangel an Bewegung.

Augen (-Katarrh).

Ein berühmter Militärarzt sagte mir vor zirka 35 Jahren: Der Katarrh ist ein Übel, aus dem sich alle möglichen Krankheiten entwickeln können, wie Schleimfieber, Nervenfieber, Typhus, Ruhr, Abzehrung, Schwindsucht usw. Darum härte man seine Natur gut ab, damit man bei all den unzähligen Anlässen und Gelegenheiten, die ganz dazu angetan sind, einem einen Katarrh anzuhängen, gesichert und gefeit sei. — Hat man einen Katarrh, so soll man nicht eher ruhen, bis er vollständig ausgeheilt ist.

Bedeutet gänzliche Erblindung soviel als Elend, so sind die verschiedenen Augenleiden immer Führer zum Elend. Die Augen gleichen kostbaren Perlen in der Schädelschale. Aber es sind ihrer nur zwei. Ein unersetzlicher Verlust ist’s schon, wenn eines verloren geht. Sei darum wohl auf der Hut und hüte beide gut! Augenleiden kommen häufig schon bei kleinen Kindern vor, die wenige Wochen alt sind, bei Schulkindern noch häufiger. Wir können sagen, in jedem Alter und Geschlecht trifft man Augenleidende genug.

Meistens stammt das Leiden aus dem Körper. Bei gesunden Menschen werden alle überzähligen Flüssigkeiten im Körper durch die Transpiration (Ausdünstung), durch das Atmen und anderes ausgeschieden. Wunderbar ist das Arbeiten dieser wunderbarsten aller Maschinen. Anders kommt es, wenn der Mensch krank wird. Die Flüssigkeiten, welche der schwache Körper nicht mehr ausscheiden kann, sammeln sich an im Leibe, im Kopfe usw. Was im Kopfe sich ansammelt, wählt so gerne den Ausgang durch die Augen. Die austretenden Flüssigkeiten sind scharf und ätzend, das Auge dagegen und alle Teile, die es bilden, überaus zart. Daher erklärt sich das heftige Brennen, welches der Ausgang der Flüssigkeit regelmäßig erzeugt. Das Brennen ist zugleich ein Zeichen, daß das Auge und die Gefäße im Auge von der scharfen Jauche angegriffen werden. Wird ihr Austreten gehindert, so entzünden sich die Augen; sie werden oft blutrot, und das schmerzhafte und geschwächte Auge kann keine Helle, kein Licht mehr ertragen. Heilung ist nur möglich, wenn die Flüssigkeit so schnell als möglich ausgeleitet wird. Das Auge an und für sich und alle seine Teile sind gesund, die Jauche allein und ihre ätzenden Stoffe machen es krank.

Die einen Augenleidenden sehen schon fast nicht mehr oder nur wie durch einen Schleier oder Nebel; andere glauben, es schwirren Mücken und Fliegen vor den Augen; andere sehen Feuerbündel, wieder andere anderes. Alle diese Übel quellen aus derselben Giftquelle, sind Blüten derselben Giftpflanze, rühren von demselben Giftstoffe her. Entferne diesen Giftstoff, stärke das verwundete Auge, und es ist geheilt! Ein Beispiel möge das Gesagte klarmachen.

Das kleine Mädchen Antonia, 5 Jahre alt, sieht recht blaß aus. Das Gesicht ist aufgedunsen, das ganze Aussehen krankhaft. Das Kind hat entzündete Augen und kann die Helle nicht mehr ertragen. Auch der Appetit ist nicht gut; in der Nacht schläft es nicht, es weint nur viel. Was tun? Das Kind soll täglich in ein Handtuch eingewickelt werden von unter den Armen an. Das Tuch werde zuvor in lauwarmes Wasser eingetaucht, in dem Haberstroh gesotten wurde. Das nasse wird mit einem trockenen gut umwunden. Wenn das Einwickeln zu einer Zeit geschieht, in der das Kind sonst zu schlafen pflegt, wird es bald einschlafen. Schläft es, so lasse man es ruhig bis zum Selbstaufwachen in der Umhüllung ruhen. Schläft es nicht ein, oder wacht es bald wieder auf, so soll es eine Stunde lang die Einfetschung tragen. Dieses Verfahren dauert eine Woche lang. In der zweiten Woche bereite man dem Kinde ein warmes Bad mit Absud von Haberstroh (zirka 24–26°), in dem es 15–20 Minuten bleibt. In der letzten Minute werde es mittels einer kleinen Gießkanne mit gewöhnlichem, nicht zu kaltem Wasser schnell übergossen und sofort angezogen. Auch bei Kindern ist diese erfrischende Übergießung nach einem warmen Bade höchst wichtig. Die kranken Stoffe werden durch das warme Bad aufgelöst und ausgeleitet; durch den kalten Guß tritt Stärkung und Schließung der Poren ein. Das Kind wird das erstemal jammern und weinen, wie Kinder tun; hat es aber die Sache einige Male durchgemacht, so wird ihm unter Ermutigungen der Mutter das Besteigen der Wanne später ein leichtes sein. Jeden zweiten oder dritten Tag werde das Bad wiederholt. Das Kind wird sich bald frischer, kräftiger, gesunder fühlen; auch das Auge wird reiner werden. Wünscht die sorgende Mutter noch ein Mittel direkt für das Auge, so nehme sie ein Stückchen Alaun, so groß wie vier Gerstenkörner, löse ihn in einem halben Schoppen Wasser auf und wasche täglich drei- bis viermal die Augen der Kleinen. Alles wird recht werden. Auch nach Entfernung des Übels versäume die Mutter es nicht, in der einen Woche das genesene Kind wenigstens einmal nach obiger Art zu waschen, in der anderen demselben so ein Bad zu richten.

Ist der kleine Patient nicht fünf Jahre, sondern erst fünf Wochen alt, so darf die besorgte Mutter nicht erschrecken, wenn ich denselben Wickel und dasselbe Bad auch diesem Kleinsten anempfehle.

Der kleine Anton mit vier Jahren ist skrophulös, hat Ausschlag am Kopfe, in den Haaren; auch um den Mund herum ist es nicht rein, die Augen sind entzündet. Die Mutter hat immer gemeint, das Kind sterbe; indessen es leidet, stirbt aber nicht. Die Mutter soll dem Kinde täglich vor dem Schlafengehen ein Hemdchen anziehen, das in Wasser, mit etwas Salz gemischt, eingetaucht wurde. Hernach soll sie das Kind schlafen legen und mit einer Decke gut umhüllen. Tut die Mutter dieses in der ersten Woche alle Tage, in der zweiten Woche jeden zweiten, in der dritten jeden dritten, in der vierten jeden vierten Tag, und gibt sie dem kleinen Anton noch täglich an die Kost oder in das Getränk eine kleine Messerspitze Kreidemehl, so wird der Bube gesund werden, und die Mutter wird sich ihres gesunden Kleinen freuen.