Die Natur, die in ihrer Selbstvernichtung begriffen war, mußte gestärkt und dem selbstmörderischen Treiben gesteuert werden. Täglich zwei- bis dreimal ging der Kranke barfuß im nassen Gras oder auf nassen Steinen. Jeden weitern Tag nahm er einen Ober- und Unteraufschläger, in der Woche einmal den spanischen Mantel. Diesen Anwendungen folgten wöchentlich zwei Halbbäder, ein kurzer Wickel und ein Ober- und Unteraufschläger. Die Halbbäder lösten sodann Ganzbäder ab, und zwar kalte von je einer Minute Dauer und warme mit zweimaligem Wechsel, von beiden Arten je eines in der Woche; ebenfalls wöchentlich eine Ganzwaschung. Zur Ausheilung und zur Bewahrung vor einem Rückfall verordnete ich wöchentlich ein kaltes Ganzbad, einen Oberguß mit Knieguß und hin und wieder den spanischen Mantel. Das Bier wurde von vier bis fünf Glas auf zwei reduziert; die Kost mußte einfach und nahrhaft sein.

Schon nach Schluß der ersten acht Tage war Besserung eingetreten: Stillstand der Kräfte-Abnahme und Erstarkung. Nach acht Wochen konnte der Genesene wieder seinen Berufspflichten vorstehen. Er nahm zu wie an Kraft, so auch wieder an Korpulenz und ist heute noch ein gesunder, stattlicher und kräftiger Mann.

2. Eine Mutter, blühend wie das Leben, verlor in wenigen Wochen die Frische des Aussehens und alle Kraft. Allgemein war über sie schon das Todesurteil gefällt worden, zumal die ärztlichen Mittel ohne Wirkung blieben. In ihrer Not flüchtete sie zum Wasser.

Zweimal in der Woche zog sie ein nasses Hemd an und wickelte sich in die trockene Wollumhüllung, in der sie je eine Stunde blieb. Dann nahm sie ebenfalls wöchentlich zwei Halbbäder und setzte beide Übungen 14 Tage lang fort. Der Zustand besserte sich. An Stelle der früheren Anwendungen traten jetzt wöchentlich ein kurzer Wickel und einmalige kalte Ganzwaschung vom Bette aus. Die vollständige Gesundheit ward der Mutter, die gesunde Mutter den erfreuten Kindern wieder geschenkt.

Bei derartig Leidenden kann man (wie oben bei den Krankheits-Erscheinungen schon gesagt wurde) die Bemerkung machen, daß sie bald zu viel Nahrung einnehmen, so daß die geschwächte Natur dieselbe nicht in der rechten Ordnung zu Säften, Blut, Knochen, Fleisch usf. verarbeiten kann. Es müssen schlimme Folgen eintreten, wie anormale Fettbildung, Anstauungen von Blut, von Säften usw. Die gut verteilten Wasseranwendungen lösen auf, leiten Unbrauchbares ab, regeln und ordnen den Blutumlauf, kräftigen und stärken den Organismus.

Noch ein Fall ist möglich. Die Nahrung wurde eingenommen, geht aber ohne die gehörige Ausnützung wieder ab. Die Organe sind schwach und matt, untätig und arbeitsunfähig; sie sind in ihren Funktionen ganz geschwächt. Auch da müssen große Störungen im Körper entstehen, die Gesundheit muß untergraben werden. Schneide, welcher Pflanze du willst, die Saugwurzeln ab, sie muß zugrunde gehen. Den Saugwurzeln gleichen die Organe. Das Wasser kräftigt, erfrischt sie. Du kennst das oberschlächtige Wasserrad. Es kommt der Sturzbach, die ganze Maschine gerät in Bewegung und Tätigkeit, alle Schaufeln drehen sich. So rüttelt das Wasser, das in geordneter Weise den untätigen Körper trifft, alle Organe aus ihrer Schläfrigkeit und Schlaffheit. Sie arbeiten wieder, und neues Leben pulsiert im neu auflebenden Körper.

Wie viele junge Leute tragen heutzutage derlei sieche Leiber, wahrhaft schon halbe Leichname, mit sich herum! Ich wünsche allen von Herzen, daß sie zur rechten Stunde noch die rechte Hilfs- und Heilquelle auffinden mögen!

Beinfraß.

Ein Herr von Stand bekam eine kranke Zehe; er glaubte, der Nagel sei etwas beschädigt worden, und hielt die Sache keiner weiteren Beachtung wert. Die Zehe indessen entzündete sich und machte es notwendig, den Arzt herbeizuziehen. Dieser verordnete während mehrerer Wochen verschiedene Mittel. Die Zehe sei gut, meinte er, obschon die Entzündung an Ausdehnung gewonnen hatte und der ganze Fuß mächtig angeschwollen und zum Gehen und Stehen durchaus unbrauchbar war. Der Kranke ahnte nicht, was eingetreten war, bis sich eines Tages zwei kleine Beinchen aus- und ablösten. Daraufhin bekam er Mißtrauen zu seinem Fuße und zu all denen, die denselben bislang für ganz ausgezeichnet gehalten und erklärt hatten. Der Herr kannte mich und bat mich, nachzusehen. Es war Beinfraß eingetreten. Alsbald ließ ich Zinnkraut in Wasser sieden und den kranken Fuß, soweit die Geschwulst reichte, mit in den Absud getauchten Tüchern überschlagen. Innerhalb ganz kurzer Zeit war die Geschwulst und der noch junge Beinfraß gehoben; der Fuß heilte wieder zu, und sein Herr gebrauchte ihn wie früher.