Nach ungefähr einem Jahre meldete sich das fatale Leiden von neuem, diesmal an dem anderen Fuße, und zwar genau wieder an der großen Zehe. Der Arzt durchschnitt die Zehe und wendete scharfe Mittel an, welche die Zehe zuheilten. Während des Heilens spürte der Patient am anderen Fuße einen ähnlichen anhaltenden Schmerz wie früher vor dem Auftreten des ersten Leidens. Die Heilung der Zehe schritt indessen weiter und wurde schließlich als fertig und gelungen erklärt, wenn auch die durchschnittene und geheilte Zehe um die Hälfte dicker und immer etwas gerötet blieb. Der berufseifrige Herr konnte gehen und arbeiten, und was wollte er auch mehr? Als einer, der mit der Wahrheit nicht hinter dem Berge hält, sondern immer gerade herausrückt, wurde ich gemieden und nicht weiter gefragt. Mir war das lieb; denn meine Antwort hätte lauten müssen: Die Krankheit ist teilweise gehoben, aber nicht entfernt. Die Folge wird sein, daß früher oder später der Beinfraß weiterfrißt. Ich hatte mich nicht getäuscht; so kam es. Wie mußte dieser Fuß behandelt werden? Notwendig müssen beide Füße zugleich in Behandlung kommen, so lange, bis kein Fleckchen von besonderer Röte mehr zu sehen und keine Spur von Schmerz mehr zu fühlen ist. Sie sind zu behandeln mit in Haberstrohabsud eingetauchten Fußwickeln, in der Art, daß die Füße täglich einige Male umwickelt werden und die Wickel über die kranken und schmerzhaften Stellen etwas hinausreichen. Die vollständige und wirkliche Heilung wird nicht allzulange währen.

Wie kommt es wohl, daß in unserem Falle gerade in den Füßen der Beinfraß sich festsetzte? Weshalb nicht z. B. in den Händen oder Armen? — Dieser Herr hatte früher eine schwere, langwierige Krankheit durchgemacht, als deren Folge eine große Schwäche, besonders in den Füßen, zurückblieb. Möglich, daß darin kranker, giftiger Stoff liegenblieb. Sicher ist, daß bei dem dermaligen Rekonvaleszenten die Füße wegen ihrer schweren Arbeit (sie allein tragen stets den Körper, und oft was für einen!) sich nie gehörig erholen konnten und so als der schwächere Teil den Angriffen des Giftstoffes leicht erlagen.

Der Herr lebt noch. Er darf recht achthaben, wenn er vom Beinfraß nicht mehr will heimgesucht werden. Bei den geringsten Anzeichen möge er alsbald meinen freundlichen und gutgemeinten Rat befolgen und mit den Umschlägen von Zinnkraut- oder Haberstrohabsud nicht zögern. Sero venientibus ossa! Der Herr ist Lateiner, er lächelt und versteht mich. Wer nicht Latein kennt, soll nicht grübeln und sich kein graues Haar wachsen lassen, wenn ich diesmal gegen meine Gewohnheit die Fremdwörter nicht verdeutsche.

Andere Fälle mit geheiltem Beinfraß übergehe ich, da sie jüngere Personen betreffen, bei denen im Beginn des Leidens die Heilung leicht und schnell zustande kommt.

Bettnässen.

Dieses Übel kommt bei der heranwachsenden Jugend beiderlei Geschlechtes häufig vor. Auch gibt es viele Erwachsene, die bis in die 20er Jahre und noch länger daran leiden. Man findet in Zeitungen allerlei Mittel ausgeschrieben und angepriesen; gewöhnlich ist’s nur Schwindel. Leider, daß diese oft sehr schädlichen Mittel angewendet und solche unglückliche Kinder noch mit Rute und Stock gezüchtigt und verhöhnt werden, was doch gewiß nicht helfen, sondern das Übel nur ärger machen kann. Mir wurde von einer Anstalt erzählt, daß die betreffenden Kinder jedesmal vor dem Schlafengehen bestraft wurden. Die armen Geschöpfe können vor Angst und Furcht nicht sogleich einschlafen, geraten dann um so tiefer in Schlaf, und um so sicherer behauptet das Übel die Herrschaft. Der Grund des Leidens liegt in der Schwäche der Natur; wird diese gekräftigt, so muß jenes in Bälde weichen.

Sechs Kindern von 8 bis 13 Jahren riet ich, sie sollen täglich in einer Badewanne mit so viel Wasser, daß es bis an die Waden reicht, hin und her gehen 3–5 Minuten lang, dann im Zimmer oder im Freien rasche Bewegung machen, damit die Naturwärme schnell wiederkehre. Nach fünf Tagen passierte nur noch zwei Kindern das Unglück; in wenigen weiteren Tagen waren auch diese geheilt.

Eine zweite Anwendung bestand darin, daß sie nach dem Gehen im Wasser auch die Arme zwei Minuten in kaltes Wasser hielten, was sichtlich nicht bloß gegen fraglichen Fehler wirkte, sondern den zuvor krank aussehenden Kindern eine gesunde Gesichtsfarbe verlieh.

Auch bei Erwachsenen kann das angegebene Mittel ausreichen. Nur wenn durch Schwäche auch die Säfte mit dem Blute sehr heruntergekommen sind, empfiehlt es sich, täglich eine Tasse Schafgarbentee zu trinken, die eine Hälfte am Morgen, die andere am Abend.

Bemerkt sei hier, daß das kälteste Wasser am wirksamsten ist. Ich machte bei solchen Kindern den Versuch mit warmen Bädern und erreichte das Gegenteil