Sobald ein Kind oder ein Erwachsener über Kopfweh, Beengung, schweren Atem, Husten klagt und sagt, daß aller Mut gebrochen, alle Kraft gelähmt sei, so sind dieses ebenso viele Fingerzeige, daß die Zeit der Anwendung gekommen. Selbst in Fällen, in denen man sich täuschte, können letztere (die Anwendungen) nie Schaden bringen.
Im allgemeinen wiederhole ich an dieser Stelle folgende Regeln:
Die Waschungen seien so kurz als möglich und erstrecken sich auf den ganzen Körper des Patienten.
Das Zudecken (Abschließen der äußeren Luft) nach der Anwendung geschehe sorgsam, nicht zu übermäßig. Man sorge für stete Erneuerung der frischen Luft (gute Lüftung) und verhüte nur, daß der Luftstrom dem Kranken direkt in das Gesicht wehe.
Die Wiederholung des Waschens bei jedesmaligem Steigen der Hitze und der Bangigkeit werde genau eingehalten.
Niemals dränge man einen Kranken, insbesondere einen Schwerkranken zum Essen. Der Magen kündigt durch Hunger an, wann er zur Arbeit wieder aufgelegt ist. Aufgedrungene Speisen läßt er unverändert liegen. Sie belästigen und sind zuweilen ein Haupthindernis der Genesung, zuweilen die einzige Ursache eines Rückfalles.
Welche Torheiten werden in dieser Beziehung oft, sehr oft aus Unwissenheit, besonders auf dem Lande, begangen! Alles kommt zum Krankenbett und nötigt in übelverstandenem Eifer und in schlimm wirkender Wohlmeinung das Essen, das Trinken auf. Man bringt dem Kranken Süßigkeiten u. a., was in solchem Zustande die Wirkung des Giftes tut. Man begeht, wie gesagt, unglaubliche Torheiten und sündigt unwissend schwer gegen die Gesundheit.
Meldet sich der Appetit, bittet der Kranke um Festes, um Flüssiges, so gebe man ja recht wenige, einfache (nicht viel gesalzene, nicht gewürzte), milde, leicht verdauliche Speisen, niemals bis zur vollen Sättigung. Ich empfehle als Beigabe namentlich gut eingekochte Früchte. Wasser mit etwas Wein, Wasser mit Milch und später Milch allein sind das beste Labsal. Man hüte sich, den Konditor, den Zuckerbäcker zum Krankenfütterer zu machen.
Man hat bereits mancherorts begonnen, bei Blattern-Epidemien das Wasser als Heilmittel anzuwenden, in vielen Fällen leider viel zu schroff und abschreckend. Es wäre nur zu wünschen, daß die Anwendung noch viel allgemeiner und in der Praxis viel gelinder, leichter[29] würde; zahlreiche Menschenleben könnten so gerettet werden. Nach meinen bisherigen Erfahrungen wage ich die Behauptung: kein an Blattern Erkrankter, der nicht außer den Blattern ein anderes schweres Leiden hat, würde (wenige Fälle ausgenommen) dieser Krankheit unterliegen. So oft ich lese, wie in einem Jahre Hunderte und Tausende von dieser Seuche, vielmehr der ihr vorangehenden und sie begleitenden Fieberhitze hinweggerafft werden, wandelt mich große Schwermut an. Das Löschmittel steht parat, aber oftmals wird kein Tropfen zur Kühlung, zum Auslöschen der Hitze verwendet. Wer versteht solches? Daß doch die Wirkung und Heilkraft des Wassers endlich zur vollen Geltung käme!