Ein Mann kommt und erzählt: „2½ Jahre bin ich krank, und niemand kann mir helfen. Vor zwei Jahren sind mir beide Füße stark geschwollen und wurden bis zu den Knien hinauf ganz blau. In jeden Fuß brachen zwei Löcher, aus denen viel Blut und Eiter lief. Als die Füße etwas besser wurden, schwoll der rechte Arm stark an, wurde ebenfalls ganz blau, und auch in ihn brachen Löcher. Der Arm ist jetzt wieder besser; ich habe aber eine Geschwulst und Schmerzen auf dem Rücken, auf dem obern Kreuz. Manchmal ist mir der Leib stark aufgetrieben, und ich habe darin große Schmerzen. Aber noch viel ärger als die erzählten körperlichen sind meine geistigen Leiden. Ich soll oft schon ganz verwirrt geredet haben. Wenn’s erlaubt wäre, hätte ich schon oft meinem Leben ein Ende gemacht. Man hat oft gesagt, es sei mir angetan. Doch sei ihm, wie ihm wolle, ich kann nicht mehr elender werden.“
Ich verordnete: „Sieden Sie Haberstroh, tauchen in solches Haberstrohwasser einen Getreidesack und schlüpfen hinein wie in ein Beinkleid bis unter die Schultern. So werden Sie eingewickelt in eine Wolldecke, bleiben zwei Stunden darin und gehen dann, so gut Sie können, Ihren Geschäften nach. Den zweiten Tag tauchen Sie ein grobes Hemd ebenfalls in solches heißes Wasser, ziehen es ausgewunden an und lassen sich in eine Wolldecke einwickeln. Am dritten Tag nehmen Sie einen kurzen Wickel, getaucht in warmes Haberstrohwasser, 1½ Stunden lang. So wird 14 Tage fortgemacht.“ Nach 14 Tagen waren alle Geschwülste beseitigt; ein Fuß war geheilt, der andere hatte noch eine kleine Öffnung; der Appetit stellte sich ein, und der Bauer mußte jeden dritten Tag eine von den drei Anwendungen im Wechsel vornehmen. Nach drei Wochen war Körper und Geist in Ordnung.
Bruchleiden.
Ein besonderes hervorragendes und häufiges Leiden unserer Zeit sind die Leibschäden, Brüche der verschiedensten Art. Oft erscheinen sie plötzlich wie die Schwämme im Walde über Nacht, oft künden sie sich am Körper durch besonders schmerzende Stellen an. Alle damit Behafteten zählen unter die Bresthaften, d. h. unter diejenigen, die nicht mehr zu allen Arbeiten fähig sind; denn jeder Bruch schließt stets die Gefahr nicht nur heftiger Leiden, sondern bei Unvorsichtigkeit sogar die des Todes in sich.
Diese Zustände kommen hauptsächlich bei schwächlichen Naturen vor. Deshalb kann das Zeitalter der Verweichlichung viele solche Früchte aufweisen. Ich bin der vollsten und festen Überzeugung: wenn eine vernünftige Abhärtung gepflegt würde von Jugend an, wenn nur reelle, nahrhafte, vernünftige Kost genossen würde und keine verkünstelte, verfeinerte und so vielfach verdorbene, so träten alle diese Übel höchst selten auf und meistens nur in Fällen, in denen gewaltsame Einwirkungen auf den Körper geschehen durch Schlag oder Stoß.
Vor 50 Jahren kannte man wenig „gebrochene Leute“ in einem Dorfe; in einem Städtchen konnte man die Zahl an den Fingern zählen. Heutzutage kommen vielleicht zwanzig Personen zusammen, und 3–4 derselben haben einen Leibschaden. Gewöhnlich suchen die Betroffenen zu allem Unglück hin ihr Übel soviel wie möglich verborgen zu halten. Man hört’s nicht gern, wenn es heißt: Der hat einen Bruch. Bei manchen klingt dieses fast wie eine Ehrenbeleidigung, die ihn rot macht bis über die Ohren. Torheiten! Es unterbleibt so die notwendige Pflege, und das kleinere Übel wird zum größeren. Bruchleiden triffst du nicht bloß bei solchen, die Tag für Tag mit schwerer Arbeit sich abmühen müssen; Bruchleiden genug findest du auch in den besseren und höheren Ständen. Wie leicht und schnell ist’s geschehen! A. bekam seinen Leibschaden auf dem Abort. B. hüpfte über einen kleinen Graben, er war gebrochen. E. litt viel durch übermäßige Gasbildung. Ein Unbedeutendes, eine Kleinigkeit, und das Bauchfell hatte einen Riß. D., ein Priester, predigte soeben begeistert; mit einem Bruch stieg er von der Kanzel.
Mich schmerzt es jedesmal tief (gerade weil großenteils so leicht vorgebeugt werden könnte), wenn ich höre, daß ein sonst gesunder, kräftiger Körper diesen Schaden gelitten, daß wieder ein Mann im schönsten, kräftigsten Alter zu den Invaliden gehöre. Fast muß ich es so heißen; denn eine große Anzahl Bruchleidender muß das Berufsleben vor der Zeit verlassen, oft schon mit 40, mit 50 Jahren, und selten ist solchen eine Woche gegönnt, in welcher die Beschwerden des Bruches nicht den Hauptbalken am täglichen Kreuze ausmachen. Wer es erfahren hat, weiß, daß ich nicht fasele, nicht übertreibe. Man sollte sich wahrlich mehr Mühe geben, nach den Ursachen des gewaltigen Überhandnehmens gerade dieses Übels zu forschen, mit anderen Worten: man sollte der verweichlichten, geschwächten Menschheit aushelfen. Wohin sollen wir denn kommen?
Ich habe schon von einer vernünftigen, gemäßigten Wasserkur gesprochen. Es lohnt sich wahrlich der kleinen Mühe und der geringen damit verbundenen Opfer, wenn durch sie nur diesem einzigen Übel gesteuert wird.