Der Bruch ist ja (Ausnahmen abgerechnet; [siehe unten], wo wir von Kindern reden) doch nicht angeboren oder angeschaffen, sondern erst eingetreten in Folge von angeborener oder später eingetretener Schwäche. Gar leicht hätte diese durch Abhärtung, speziell durch Abhärtung mit Wasser, ferngehalten oder beseitigt werden können. Ob die sogenannte „bessere Welt“ endlich klug wird? Ich zweifle daran. Dir aber, braver und wackerer Landmann, wenn du diese Zeilen gläubig liesest, rate ich: Nimm in der Woche ein- oder zweimal ein Halbbad oder ein paar kalte Sitzbäder (jedes Schaff ist gut genug)! Bald wirst du deren kräftige Wirkung erfahren. Zu derlei Bädern brauchst du keine bestimmte Zeit abzuwarten. Jede Stunde ist gut, und alles in allem: Ausziehen, Baden, Wiederanziehen dauert nicht länger als 4, höchstens 6 Minuten. Von der Arbeit weg kannst du das Bad nehmen, und unmittelbar darauf kannst du wieder an deine Arbeit gehen. — Doch ich bin im größten Schweiße! Auch das hindert nicht; bade ruhig, du hast nichts zu fürchten! Über diesen Punkt habe ich mich bei den Halb- und Ganzbädern des nähern ausgesprochen. Jedes Wort bei dieser verantwortungsvollen Sache ist reiflich erwogen, und erst ward lange Jahre versucht und praktiziert (gehandelt), bevor gesprochen und geschrieben wurde. Gehe bis zur Brust ins Wasser und wasche rasch und kräftig den Oberkörper ab; dann kleide dich, ohne abzutrocknen, an und gehe rüstig wieder an deine Arbeit! Nach 3–4 solchen Bädern brauchst du keine Aneiferung und keinen herzhaften Vorsatz mehr; das Bad oder die Waschung wird dir fast Bedürfnis, und du erweisest deinem Körper diesen Liebesdienst mit Freuden. Und das Werk (der Erstarkung, Feiung) wird seinen Meister loben.
Ein Bauer klagte mir einmal über arge Schmerzen etwas oberhalb der Weichen. Der Arzt habe erklärt, es sei ein Leibschaden im Anzuge. Ich riet ihm, fleißig Ober- und Unteraufschläger zu nehmen. Bald ließ der Schmerz nach. Der Bauer enthielt sich kurze Zeit der schwersten Arbeit und blieb von dem angekündigten Übel frei. Diese Warnung hat ihn zur Besinnung gebracht und klug gemacht, er wurde von nun an ein eifriger Wassermann.
Zum Schluß noch die Frage: Können Leibschäden gar nie geheilt werden? Mehrere neue Leibschäden habe ich, selbst bei Erwachsenen, dadurch geheilt, daß die gebrochene Stelle mit Kampferöl kräftig eingerieben und darüber ein Pechpflaster, das Pech auf Wachsleinwand gestrichen, aufgelegt wurde. Fuchsfett sodann ist und galt zu jeder Zeit als eines der allerbesten Mittel zur Heilung eines jungen Bruches. Man reibe alle zwei bis drei Tage die Bruchstelle mit solchem Fett ein und lege stets das Pechpflaster darüber. Auf solche Weise heilte ich einmal einen Bruch, der bereits sieben Wochen alt war.
Bei Kindern kommen Bruchschäden verhältnismäßig häufig vor. Die Ursache ist meistens, daß sie durch die Kost stark aufgetrieben werden, und daß so das Bauchfell an einer Stelle springt. Einem solchen Kinde bereite man täglich ein Haberstrohbad, ebenso täglich einen Ober- und Unteraufschläger, klein natürlich, wie sie für das kleine Geschöpf passen, und so lange, bis die Heilung eingetreten ist. Man reibe nebenbei sachte die leidende Stelle mit Kampferöl oder noch besser mit Fuchsfett. Solche Leibschäden heilen in kurzer Zeit, wenn sie nicht allzu große Ausdehnungen haben, in welchen Fällen kaum an Heilung zu denken ist. Für solche Leidende bleibt kein anderer Ausweg übrig, als daß ihnen ein Bruchband beschafft werde, das sie nach Anweisung des Chirurgen tragen.
Gerade die Mütter sollten alles aufbieten, — auch das nenne ich in diesem Punkte allein die wahre Mutterliebe, — derlei Gebrechen von Anfang an und von Grund aus vorzubeugen. Es hängt viel davon ab, oft das ganze spätere glückliche oder unglückliche Leben ihres Kindes, der Schmerz oder der Trost der Eltern. Wenn Gott mir das Leben gibt, werde ich den Müttern einmal einige Winke und Ratschläge aufschreiben, wie sie ihre Kleinen von Geburt an vernünftig abhärten und pflegen sollen. Sie mögen nicht erschrecken vor dem kalten Wassermann; er hat für die Erziehung und für alle, die dabei beteiligt sind, ein recht warmes Herz. An solche Mütter, die schwache Nerven haben und ihren „Engeln“ vor lauter Einmummung und Einbauschung in Samt und Seide und Wolle nicht einmal die frische Luft gönnen, werde ich mich nicht wenden. Nur solchen gilt’s, denen daran gelegen ist, zur Heranbildung einer wieder lebensfähigen, starken Generation das Ihrige beizutragen. Auch alten Kindern dürfte die Lektüre der betreffenden Ratschläge nicht schaden. Doch wie gesagt, kommt Zeit, kommt Rat. Vielleicht macht der Herr des Lebens mir einen Strich durch die Rechnung. Und dann — ist’s auch so recht und gut, und ich bin damit zufrieden.
Brustfell-Entzündung
siehe unten [Seite 210].
Cholera.
Wie gefürchtet ist die Cholera! Vor einigen Jahren trat sie in mehreren Ländern als schreckliche Heimsuchung auf, und sie überlieferte dem Sensenmann zahllose Opfer. Um gegen Überschwemmungen sicher zu sein, wirft man Dämme auf, man reguliert die Flüsse. Bei einem Waldbrande zieht man Gräben, daß das verheerende Element nicht weiterfresse. Ein solcher Damm und Graben gegen die Cholera, diesen entsetzlichsten Feind des Menschenlebens, ist das Wasser. Es rettet aus der Gefahr und umgibt den oder die, so es richtig anwenden, mit einem Damm oder Graben.
Bei der Cholera herrscht der Grundsatz: Wer bald in Schweiß kommt, der ist gerettet. Wer nicht in starken Schweiß gerät, der ist verloren.