Alle die genannten Anwendungen sind so schuldlos, daß sie nie schaden können.

Hat der Kranke (es ist dies eine allgemeine Regel) zur Nachtzeit Ruhe, tritt Schlaf ein, so soll man denselben ja nicht stören. Denn eingetretener Schlaf ist ja ein Beweis, daß die Natur in Ordnung (zur Ruhe) kommt, und seine stärkende Wirkung macht, daß die Anwendungen selbst um so bessere Erfolge erzielen.

Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß, wenn während irgend einer Anwendung, die das Bett vorschreibt, ein Kranker in Schlaf kommt, man denselben nie wecken soll. Hat das Mittel, die Anwendung ihre Wirkung getan, so wacht der Kranke regelmäßig von selber auf.

Ein Vater kommt und erzählt: „Mein Kind, 11 Jahre alt, kann gar nicht mehr schlucken und schon volle drei Tage kaum mehr atmen. Es ist voll Hitze und phantasiert. Wohl habe ich der Schwerleidenden ein nasses Tuch um den Hals gebunden, aber es geht noch nicht besser. Was soll ich tun, damit das Kind mir nicht ersticke?“ Der Jammer des bekümmerten Vaters, noch mehr die mißglückte Anwendung bewog mich, ihn zum Krankenlager zu begleiten. Da lag das Kind, ein Jammerbild, allem Anscheine nach verloren. Denn schon waren Zeichen da, die kaum mehr auf Rettung schließen ließen. Wagen wir es dennoch in Gottes Namen! Jede halbe Stunde wurde während eines Tages Rücken, Brust und Unterleib mit kaltem Wasser gut gewaschen. Da die entsetzliche Fieberhitze nicht weichen wollte, kam auf den Unterleib nichts weiter als ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch. Die Hitze mußte brechen. Am folgenden Tage kommt der Vater wieder und erzählt: „Das Kind ist bereits imstande, etwas zu schlucken, aber zu beiden Seiten des Kopfes schwellen die Backen (Wangen) gegen die Kinnlade zu ziemlich stark an. Das Reden ist kaum verständlich; doch freue ich mich namenlos, daß die Kleine wieder reden kann.“ Der Vater wurde angewiesen, rechts und links am Kopfe die Geschwülste mit Lappen einzubinden, die in Wasser, das mit Essig vermischt war, eingetaucht worden, und diese Umschläge nach jeder halben Stunde zu erneuern. Zudem soll er das Kind in der oben angegebenen Weise so oft an Brust, Rücken und Unterleib waschen, als sich dasselbe heiß und bange fühle. Am dritten Tage befand sich die Kleine außer aller Gefahr. Man setzte die Waschungen noch kurze Zeit fort, so oft die Hitze zu steigen begann.

Gurgelungen mit Tee von Foenum graecum (ein Kaffeelöffel Foenum graecum in einem halben Schoppen Wasser gesotten und der im Bette sitzenden Kleinen öfters löffelweise gereicht) hatten vorzügliche Wirkung. Tee der Malve, der Schafgarbe, des Wollkrautes würden dieselben Dienste erfüllen. Sehr gut ist auch, täglich drei bis vier Kaffeelöffel voll Baumöl (Salatöl) einzunehmen. Dieses nimmt die innerliche Hitze auffallend schnell.

Das Kind wurde gerettet und erfreut sich bis heute der besten Gesundheit.

Emphysem der Lungen.

Es kommt sehr häufig vor, daß Leute, welche noch im schönsten Alter stehen, sehr an Atembeschwerden leiden und nicht selten in die peinlichste Lage und Angst kommen, ersticken zu müssen.

Gewöhnlich sind solche Leute ziemlich korpulent, und die Lebensweise hilft auch noch als Nebenursache dazu, den Zustand ärger zu machen. Hauptgrund des Übels ist gewöhnlich, daß der Organismus an allgemeiner Schwäche leidet, matt und schlaff ist, wenig Blut hat und infolge der Untätigkeit und Schlaffheit die Blutvermehrung nicht so stattfindet, wie sie für den Körper notwendig wäre. Ich möchte solche Leute mit einer Maschine vergleichen, an der Rad zu Rad paßt, die gut in Ordnung, aber zu schwach ist für die Forderungen, die an sie gestellt werden. Ein weiterer Grund sind fast regelmäßig die Gase, welche sich im Unterleibe anhäufen und einen Druck auf die Organe des Oberkörpers üben. Dadurch werden diese mehr angestrengt, als sonst ihre Aufgabe es erheischt. Sie leiden unter diesem Drucke, und es tritt allseitige Beengung ein. Das Übel wird gehoben einmal dadurch, daß die Gase aus dem Körper verbannt werden, und dadurch, daß der ganze Körper abgehärtet und durch Auswahl einer einfachen, guten, nahrhaften Kost gekräftigt wird. Meine mehr als 35jährige Erfahrung belehrte mich, daß gerade bei diesem Leiden die Brightsche Krankheit leicht die Oberhand gewinnt, d. i. daß der ohnehin schon geschwächte Körper durch diese Krankheit vollends aufgelöst, aufgerieben wird.

Ein Herr, ziemlich korpulent, noch nicht 40 Jahre alt, bekommt von Zeit zu Zeit solche Erstickungsanfälle, daß er der Überzeugung lebt — der Arzt bestätigte ihm dieselbe —, er werde, wenn der Anfall noch zweimal wiederkehre, unterliegen. Die Atemnot war so groß, daß der Kranke, resp. sein Nach-Atem-Ringen, im unteren Stockwerke des Hauses gehört wurde. Oft meinte er, wie er sagte, er müsse vor Schmerzen und Todesangst an den Wänden hinauf. Diese Atemnot dauerte bei jedem Anfalle ziemlich lange und erschöpfte den Körper also, daß er sich jedesmal darnach ganz krank fühlte. Hatte er sich in kurzem wieder erholt, so fühlte er sich gesund und frisch. Die Anfälle blieben oft einige Tage aus, um so mehr aber steigerte sich ihre Heftigkeit.