Sehr bedenklich und gefährlich ist’s, diesen unsauberen Gast mit scharfen Mitteln, seien dieselben zum Waschen oder Einreiben (grüne Seife usw.) oder zum Einnehmen (Quecksilber, Arsenik u. a.), anzugreifen. Gar leicht können die Flechten verdrängt werden; aber bei zurückgedrängten Flechten sind die letzten Dinge viel ärger als die ersten, ganz abgesehen von Zerstörungen, welche scharfe, ätzende Mittel an und in der Haut anrichten.
Als Regeln für die Heilung stelle ich folgende auf:
Äußerlich darf gar nichts angewendet werden als lauwarmes Wasser, um den Schmutz wegzuwaschen. Alles übrige ist vom und zum Übel.
Speise und Trank für solche Kranke seien leicht verdaulich, einfach, nicht wählerisch, aber so, daß sie gute Säfte abgeben und die vorhandenen verbessern. Alles Saure, scharf Gesalzene und Gewürzte, alle geistigen Getränke werden soviel wie möglich vermieden. Es sind wahrlich der Schärfen genug im Blute. Die eigentliche Wasserbehandlung sei folgende: Man lasse den Kranken am ersten Tage einen Kopfdampf nehmen und den spanischen Mantel anziehen, am zweiten Tage den Fußdampf und einen Unterwickel, am dritten Tage früh neuerdings den spanischen Mantel, nachmittags den kurzen Wickel. Am vierten Tag sei Ruhetag! Den fünften Tag hüte er das Bett und wasche nach je zwei Stunden den ganzen Körper schnell kalt ab! Im Verhinderungsfalle soll er außer Bett die Waschung morgens, mittags und abends vornehmen und sich darauf Bewegung machen oder an eine Handarbeit schreiten. Die Anwendungen lassen in dem Grade und in der Zahl nach, als die Flechtenbildung d. i. das Ausschwitzen und Ausströmen der unreinen Säfte von innen nach außen aufhört und die Neubildung der Haut fortschreitet.
Noch eine Bemerkung finde hier ihre Stelle:
Die Unterscheidung der Flechten in nasse und trockene hat auf deren Behandlung, beziehungsweise auf das Heilverfahren keinen Einfluß. Ich denke mir: beide Bezeichnungen werden ein und dasselbe Ding ausdrücken. Die trockenen Flechten sind jene, die weniger stark fließen, so daß die Flüssigkeit auf der Oberfläche der Haut sofort als Kruste vertrocknet. Die nassen Flechten sind die stark fließenden; deshalb lästiger, gefährlicher und schwerer zu heilen.
Die Folgen von zurückgedrängten Flechten (überhaupt kranker, giftiger Säfte) sind unberechenbar. Schwere Krankheiten, die nächsten Folgen, bereiten ein langsames Siechtum vor, das den Tod bringt oder, was noch schlimmer ist, sehr oft, wie die Erfahrung zeigt, zum Wahnsinn führt.
Ein Theologe hatte eine wie mit dem Zirkel gezogene runde Platte an der linken Wange. Die Platte bestand aus einer Kruste, welche gleich dem Deckel das rohe Fleisch zudeckte und sich öfters in einer Stunde öffnete, nur um zwei bis drei Tropfen Eiter ausfließen zu lassen. Das Gesicht des Herrn war voll; am Kopfe konnte man mehrere kleine Pusteln wahrnehmen. Der Patient hatte mehrere Ärzte befragt und verschiedenes angewendet, aber ohne Erfolg.
Meine Frage, ob er sich vielleicht verwundet habe, verneinte er; die Sache sei von selbst gekommen. Jetzt schien alles klar zu sein. Die blasse, kranke Gesichtsfarbe, noch mehr der Massenausfluß von Unrat benahmen den letzten Zweifel. Der Giftstoff kam aus dem Körper.
Noch vor 20–25 Jahren machten sich viele Menschen künstlich sogenannte Fontanellen, d. h. sie gruben sich an einem Arme oder an einem Fuße eine Quelle, richtiger Kloake (einen wunden Fleck, den sie nie zuheilen ließen), in welchen der Körper allen Abschaum, alle schlechten Säfte abführte, weshalb die Stelle auch immer eiterte. In unserem Falle hat die kräftige Natur sich selbst eine solche Öffnung gebohrt und mit dem passenden Deckel versehen.