Lauten die Antworten auf sämtliche Fragen günstig, was in der Regel bei jungen Leuten im Alter von 8–20 Jahren bei mir zutraf, so betrachte ich das sogenannte hinfällige oder fallende Weh als krampfhafte Zustände, anschließend an den Veitstanz, und als heilbar. Recht vielen konnte ich Hilfe bringen, selbst solchen, welche das Übel von ihren Eltern geerbt hatten.
Wurde insbesondere die Frage nach dem Wahrnehmen der Vorzeichen verneint (Zeichen der geschwundenen Geisteskräfte), war das Übel alt und mehr oder weniger schon Blödsinn eingetreten, so hatten die bemitleidenswerten Kranken, die zum Glück ihr Unglück nie tief fühlen, von mir nie etwas zu erwarten.
Nach diesen Grundsätzen richtete ich jederzeit die Behandlungsweise ein, die stets auf Verbesserung des Blutes und Regelung des Blutumlaufes abzielte. Ich suchte die Kranken vor allem zur Abhärtung anzuleiten, besonders zu recht fleißigem Barfußgehen. Zur Sommerszeit ließ ich dieselben zuweilen ein kaltes Bad nehmen, nie länger als eine Minute; zur Winterszeit wurde dieses Bad (ein bis zwei Minuten dauernd) etwas erwärmt. Dazu kam in der Woche zweimal ein nasses Hemd, in Salzwasser getaucht.
Die durch letztere Anwendung oft zutage geförderten Ausschläge werden behandelt nach den an eigener Stelle (siehe [Ausschläge]) angegebenen Regeln. Junge Leute ermahne ich jedesmal, sich doch an einfache, vernünftige, nicht verweichlichende Kleidung zu gewöhnen, die Mädchen insbesondere, das verwerfliche, unnatürliche, krankhafte und krankmachende Einschnüren aufzugeben. Das tägliche Brot, das Essen sei einfach. Alle geistigen Getränke, wie Wein, Bier, Kaffee usw. müssen sorgfältigst gemieden werden. Die Arbeiten seien nie Kunststücke oder Kraftleistungen, sondern stets so, daß sie dem Vermögen und der Kraft angepaßt sind.
Fieber.
Anton kommt ins Zimmer und erzählt: „Ich bin nur mit Mühe noch über diese Stiege heraufgekommen. Meine Kraft ist ganz gebrochen; ich bin schon zweimal umgefallen. Auch habe ich schreckliches Kopfweh und bin bald wie eiskalt, dann folgt eine arge Hitze. Bisweilen fühlte ich ein Stechen, das wie der Blitz im Körper herumfährt. Ich merkte es schon einige Zeit; aber seit fünf bis sechs Tagen steigert es sich so, daß ich nichts mehr tun kann.“
Anwendung: Gehen Sie, Anton, nach Hause; legen Sie sich sogleich ins Bett, und wenn Sie ganz warm sind, waschen Sie sich mit kaltem Wasser den ganzen Körper, und ohne abzutrocknen legen Sie sich wieder ins Bett! So waschen Sie sich alle zwei Stunden, und wenn Sie stark in Schweiß kommen und der Schweiß eine halbe Stunde gedauert hat, waschen Sie sich wieder!
Anton kommt am dritten Tage und berichtet: „Mir ist’s schon ziemlich leicht; ich habe einigemal recht stark geschwitzt. Kälte und Hitze sind geschwunden; das Kopfweh hat aufgehört. Der Appetit will sich wieder einstellen. Ich fühle mich wohl, aber müde.“ Anton hat fernerhin ungefähr zehnmal innerhalb vierzehn Tagen sich gewaschen und erfreute sich dann voller Gesundheit. Er ist zirka 40 Jahre alt.
Flechten.
Viele Tausende von Menschen werden von Flechten gequält, ob sie es eingestehen oder nicht. Diese überaus lästigen Schmarotzer und Vampire verkriechen sich sehr gerne unter die Haare, auf den Rücken, die Brust usw. Sie scheuen aber auch das Tageslicht nicht und hängen sich wie Blutegel an die Arme, die Füße, und besonders gern zwischen die Finger fest. Diese Ausschläge können ein Erbteil sein, aber auch die Folgen schlechter Kost und schlechter Getränke, welche die Säfte ruinieren, nicht weniger die Folgen ungeordneter Lebensweise.