In einem mir vorliegenden Briefe steht wörtlich: „Mein Fußleiden ist wieder im Beginne. Das rheumatische Kopf- und Zahnleiden, an welchem ich vor vierzehn Tagen zum Rasendwerden litt, hat mich, seitdem ich am Fuße leide, gänzlich verlassen. Der eine oder andere Teil an meinem Körper ist immer leidend. Es herrscht bei mir ein doppeltes Leiden; entweder habe ich heftige Schmerzen im Körper, besonders in den Zähnen, oder wenn mich diese verlassen, arge Fußschmerzen, so daß ich nicht sagen kann, welches Übel ärger ist. Und ist eines von diesen zwei Leiden nicht in besonderer Stärke und Größe da, so bin ich am ganzen Leibe nicht gesund.“ Soweit der Bericht.
Wie das Quecksilber im Barometer steigt und fällt, so gibt es Leiden, die von einer Stelle im Körper zur andern eilen. Die Gicht, der wandelnde Rotlauf sind solche fahrende Schüler. Als Dritter im Bunde gesellt sich ihnen unser Übel bei mit dem Unterschiede, daß es nicht wie Gicht und Rotlauf sich äußerlich verrät, sondern seine Kreuz- und Querzüge stets auf verborgenen Wegen, im Innern, antritt.
Dreigeteilt muß stets der Angreifer gegen diese Wandergesellen vorrücken.
In unserem Falle greift der kurze Wickel die Plänkler an, d. h. er räumt mit all den Stoffen auf, die noch auf der Wanderung vom Kopf zu den Füßen oder von den Füßen zum Kopf begriffen sind. Öfter angewandt verleidet er ihnen durch Ausleitung alle Wanderlust. Sekundär wirkt er schon auf die leidende Stelle ein, indem Stoffe, die von ihr Reißaus genommen, unterwegs aufgefangen und so an der Rückkehr verhindert werden. Der Fußdampf mit dem abschließenden Unterguß richtet sich gegen den einen Flügel, die leidende Fußstelle. Er löst die kranken Stoffe auf und leitet sie aus.
Die kalten Waschungen, statt deren auch der spanische Mantel, rücken gegen das Zentrum, gegen den ganzen Körper vor, freilich zu freundschaftlichen Diensten. Sie kräftigen und stärken den Körper, daß er zu schneller Ausheilung mithelfe.
Sämtliche Angriffe wären somit der Reihe nach zu machen: der kurze Wickel, zwei Ganzwaschungen in einer Nacht, nochmals der kurze Wickel, der Fußdampf und zuletzt der spanische Mantel.
Als Hilfstruppen von innen könnte entgegenkommen Tee von Tausendguldenkraut, Salbei und Minze. Die ersten zwei wirken reinigend, die Minze mit ihrem Bitterstoff unterstützt die Magensäfte.
Noch zwei Arten von Heilung offener Füße will ich hier angeben; die erste kann manchem Bauern und einfachem Manne vielleicht Dienste leisten, der die Vorrichtung zum Baden nicht so leicht hat; die andere dürfte selbst Herrenleuten nicht übel anstehen.
Ein ziemlich wohlgenährtes Bäuerlein blinzelte, ob ernst, ob spöttelnd, ich weiß es nicht, gar klug mit seinen Augen und sagte: „Hochwürden, ich hab’ so einen offenen Fuß. Haben Sie nicht auch ein Wässerlein für mich?“ „O ja, guter Freund!“ sagte ich. „Jetzt machen Sie ’s so, Bauer: Sie gehen heim und breiten auf Ihrer Liegerstatt, auf dem Bett, einen wollenen Teppich oder ein recht grobes Tuch aus! Dann suchen Sie sich unter ihren Säcken einen recht alten, abgenutzten und deshalb nicht steifen aus! Den tauchen Sie herzhaft in kaltes Wasser, winden ihn etwas aus und schlüpfen dann in Adams Kostüm hinein! Oder wenn Ihnen das besser gefällt, können Sie den Sack wie elegante Hosen anziehen; darauf schnell einen Satz ins Bett und ein warmes Zudecken mit der Woll- oder rauhen Decke und dem gansfedrigen Oberbett.“ Die früher blinzelnden Augen wurden wie Pflugrädchen so groß und vor Wasserangst jetzt schon naß; dem Bauer kam’s schaurig vor. „Und dieses,“ so lautete der gestrenge Spruch weiter, „zum ersten Versuch täglich einmal, eine Woche lang; jeder Sackschlupf soll dauern zwei Stunden lang.“ Der Bauer schwitzte bereits beim Weggehen; dennoch tat er, wie ihm geheißen. Innerhalb fünfzig Tagen hat er fünfundzwanzigmal dies eigentümliche Sackschlupfen und Sackjucken probiert, und der Fuß war geheilt. Vor Freude hüpfte er auf, mehr noch als über den Fuß darüber, daß er in dem Sacke auch einen so trefflichen Humor bekommen. Ich riet ihm, die Übung noch zuweilen einmal vorzunehmen. Ich brauchte dieses nicht zweimal zu sagen. „Zum Dank und aus Freude,“ rief er mir zu, „will ich die Sackgeschichte ein ganzes Jahr lang treiben.“ Und er hat Wort gehalten.
So schauerlich diese Kur in manchem Ohre geklungen haben mag (in der Tat ist sie es nicht), so kurz und vornehm lautet die andere: