Eine Frau hatte Jahre hindurch Fußleiden. Von Zeit zu Zeit brach einer der Füße auf mit Entleerungen von viel Unrat, und nach mehreren Wochen heilte er wieder zu. Wie jeder gesund werden will, so wollte auch diese Frau für ihren Beruf von diesem Leiden befreit werden und wendete folgendes an: 1) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett aus ganz waschen und gleich wieder ins Bett; 2) in der Woche einmal den spanischen Mantel; 3) die Füße wurden von Morgen bis Mittag oder bis Abend umwunden mit einem Tuch, das in Heublumenwasser getaucht war, aber ziemlich stark ausgewunden, und darüber ein Wollstoff gelegt. Auf die wunde, von Haut entblößte Stelle, die so groß war wie ungefähr drei Finger breit und lang, wurde gesottenes Foenum graecum, auf Flecken aufgestrichen, aufgelegt. Dasselbe zieht das Ungesunde heraus, nimmt die Hitze und den Schmerz und heilt, wenn der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Nach je zwei bis drei Tagen wurden über den kranken Fuß angeschwellte Heublumen, die ziemlich gut ausgetrocknet waren, warm, aber nicht heiß, direkt aufgetragen und umwickelt — zwei Stunden lang. Innerlich: täglich eine Messerspitze voll graues Pulver und täglich eine Tasse Tee, von vier bis fünf grünen Holunderblättern gesotten.
Geburten.
Ein junges Weib hatte drei tote Kinder geboren; sie wurde darob sehr betrübt und ganz entmutigt, zumal der Arzt erklärte, „sie werde nie ein Kind austragen können.“ Ich tröstete sie und machte ihr Hoffnung, falls sie sich bequemen wolle, Wasseranwendungen vorzunehmen; ihre Natur werde so erstarken, gesunden, und wenn dieses eingetreten, habe sie weiter nichts zu fürchten. Der trostlosen Frau klang dieses wie frohe Botschaft.
Mit den leichtesten Abhärtungsübungen wurde begonnen; nach und nach gewöhnte sie sich an stärkere, abhärtende Wasseranwendungen, bis sie zuletzt bei Halb- und Ganzbädern stehen blieb. Innerhalb drei Jahren gebar sie dem erfreuten Vater drei gesunde, kräftige Kinder.
Eine Frau litt an Typhus; sie hatte Kopfschmerzen zur Verzweiflung. Ihre Verwandten brachten sie aus der Stadt aufs Land, damit sie dorten ruhig sterben könne. Die arme Frau sollte zudem Mutter werden. Man fragte mich; ich riet kurze Wickel an, die alsbald angewendet wurden. Das Kopfleiden ließ nach. Um sicher zu gehen, fragten die Angehörigen auch bei dem früher die Kranke behandelnden Arzte an, ob nicht vielleicht ein Wickel gute Dienste leisten würde. Dessen Verdikt lautete, der erste Wickel würde das Kind zu früh zur Welt bringen. Unterdessen waren bei Einlangung der Nachricht fatalerweise schon sechs Wickel genommen. Die Typhuskranke wurde selbst gesund und genas glücklich auch eines gesunden Kindleins.
Gehirnentzündung.
Wo immer eine Entzündung entsteht, dorthin drängt sich auch durch alle Adern das Blut. Es eilt der Wärme zu, und in den von der Entzündung entferntesten Körperteilen nimmt das Blut am meisten ab. Tritt eine Gehirnentzündung ein, so muß zu allererst das Blut in die äußersten Teile geleitet werden, aber auch auf die entzündeten Stellen muß hitzeableitend eingewirkt werden. Die Anwendungen sind folgende: Es sollen die Füße bis an die Knie mit Tüchern, welche in Wasser und Essig getaucht sind, eingewickelt werden. Sind die Füße recht kalt, so ist das Tuch anfangs in heißes Wasser zu tauchen. Sind die Tücher an den Füßen nach ungefähr einer halben bis einer Stunde recht heiß, dann sollen sie in kaltes Wasser getaucht und wieder umgelegt werden. Wie die Füße, so sollen auch die Hände eingewickelt werden, wenigstens bis an die Ellenbogen, und es soll gerade so verfahren werden wie bei den Füßen; dann kann ein Unteraufschläger genommen werden. Nach drei Viertelstunden tauche man das Tuch wieder in kaltes Wasser. Ist die Hitze immer noch stark, kann länger so fortgefahren werden. Um die Hitze recht stark abzuleiten, kann man ein zweifaches grobes Tuch, in Wasser getaucht, auf den Unterleib legen, wodurch das Blut mehr in den Unterleib geleitet wird. Auf den Kopf wende man weiter nichts an, als daß man einen Lappen auf die Stirne bindet und diesen nach je einer halben Stunde in kaltes Wasser frisch eintaucht. Fast noch günstiger wirkt ein Tuch, das um den Hals gewunden wird, oder ein Schal; beides darf jedoch nie länger als drei Viertelstunden an Ort und Stelle bleiben, ohne daß das Eintauchen von neuem besorgt wird. Diese Anwendungen werden, im Wechsel vorgenommen, die Entzündung nicht auf einen hohen Grad kommen lassen, und die ganze Entzündung wird einen ziemlich raschen Verlauf nehmen. Nach innen bleibt immer das Beste frisches Wasser, aber ja nicht viel, höchstens ein bis zwei Löffel voll, lieber öfter. Statt Wasser kann man auch einen Absud von Foenum graecum nehmen.
Gehirnleiden, schweres.
Ein ungefähr 33 Jahre alter Bräumeister ist seit elf Jahren schwer leidend. Im Mai 1877 stürzte er eines Morgens nach dem Aufstehen vom Bett plötzlich halb bewußtlos hin und blieb zwei Stunden in diesem Zustande liegen. Dies war die Einleitung zu einem schweren, sechs Monate dauernden Typhus. Schon damals stellte sich täglich starker Schwindel mit Erbrechen und Ohnmacht ein. Der Schwindel begann mit Klopfen im Gehirn; dann warf es den Mann zu Boden, oft auf Zimmerlänge hin. Dieser Zustand währte meist fünf bis zehn Minuten und wiederholte sich täglich fünf- bis acht- bis zehnmal. Nach diesen sechs Monaten wurde er wieder arbeitsfähig, aber nur auf zwei Monate. Darnach traten die Anfälle so häufig und stark auf, daß er weitere acht Monate das Bett hüten mußte. Im Verlaufe dieser elf Jahre war er alle Jahre sechs bis sieben, sogar acht Monate bettlägerig. Das Leiden steigerte sich so, daß die Anfälle von Schwindel und Hinfallen auch in der Zwischenzeit alle zwei bis drei Tage wiederkehrten, besonders auch nach geistigen Anstrengungen, nach raschen Bewegungen, bei jeder Drehung des Kopfes. Die Anfälle kündigten sich stets durch Klopfen im Kopfe an, und wenn er sich nun rasch genug anzuklammern vermochte an einen Tisch oder im Freien an einen Baum, so schüttelte und warf es ihn hin und her, bis er zu Boden kam. Das Bewußtsein verging ihm dabei nicht, wohl aber das Sehen. Neun Jahre lang war der Anfall stets von Erbrechen begleitet, welches seit dem letzten Jahre aufhörte. Die ganze Zeit über, seit 10½ Jahren empfand der Unglückliche einen fortwährenden Druck auf der Scheitelhöhe, wie wenn ein Zentnerstein droben liege. Seit fünf Jahren besteht fast anhaltend Ohrensausen und Schwerhörigkeit auf dem rechten Ohr. Der Schlaf stellte sich neun Jahre lang fast nie vor ein bis zwei Uhr nachts ein wegen Gefühl von Schwere und Vollsein im Kopfe. Von Mai 1886 bis Oktober 1887 war der Mann mit ganz geringer Unterbrechung bettlägerig. Von vierzehn Ärzten, die ihn im Laufe dieser langen Krankheit behandelten, und von denen ihn verschiedene für unheilbar erklärten, nahm er eine Masse Medikamente ein. Die meisten sprachen die Ansicht aus, es sei durch eine frühere Kopfverletzung — es war dem Bräumeister früher ein Faß auf den Kopf gefallen — die Hirnschale gesprungen, und seitdem drücke ein Knochensplitter auf das Gehirn, und hiedurch sei das Leiden verursacht. Einige Ärzte hielten es für chronische Hirnhautverdickung.
Nach meiner Meinung bestanden außerordentlich starke Kongestionen zum Kopfe und waren folgende Anwendungen angezeigt: Oberguß, Wassergehen, Rückenguß, Schenkel- und Knieguß, Fußdampf, sowie der spanische Mantel. Der Erfolg innerhalb der fünfwöchentlichen Kur vom 28. Juli bis 2. September war ein ganz vorzüglicher. Schon am fünften Tage erklärte sich der Patient frei vom Gehirndruck. Am zweiten Tage erfolgte noch ein Anfall nach einer längeren, geistigen Anstrengung (Briefschreiben), — es war der letzte. Von Tag zu Tag schritt die Besserung zu seiner größten Freude voran; die nächsten vier Wochen fühlte er sich „wie neu geboren, so frei und so leicht im Kopf“, und auch im Sehvermögen erleichtert. Schlafen konnte er seit diesen fünf Wochen anhaltend die ganze Nacht. Der Mann ist überglücklich und lebt nun neu auf. Zu Hause hat er täglich bloß noch eine der obigen Anwendungen fortzusetzen.