Der Daumen und die ganze Hand bekam Wickel von Heublumen- und Zinnkrautabsud (beide Kräuter wurden zusammen abgebrüht), im Tage vier- bis fünfmal erneuert. Der kranke Leib erhielt täglich einen kurzen Wickel und wöchentlich dreimal den spanischen Mantel. An den wunden Finger ließ ich jeden Tag recht verdünntes Alaunwasser gießen, welches den Unrat wegwusch. Noch nicht vier Wochen waren vergangen, und alles, Finger und Hand, war wieder gewonnen. Um das in der Tat nicht angefressene Bein bildete sich eine neue Fleischmasse zu einem neuen Daumen, der, den Nagel ausgenommen, wie früher in den gesündesten Tagen aussah. Der Mann konnte als Gärtner seinem Beruf wie zuvor nachkommen. Er lebte nachher noch viele Jahre.

Gesichtsrose.

„Mein Mann bekommt die Gesichtsrose; das ganze Gesicht ist angeschwollen, sieht feuerrot aus; er hat ein heftiges Fieber; es verbreitet sich die Röte über das ganze Gesicht; es zeigen sich an allen Stellen viele kleine Bläschen, und der Jammer ist nicht anzuhören,“ — so klagte mir eine Gattin. „Schleunigst soll ein Schal umgelegt werden, in warmes Wasser getaucht,“ — verordnete ich; „drei Viertelstunden lang soll es dauern; dann soll das Tuch hinweggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder übergelegt werden; so dreimal wiederholt — macht ungefähr drei Stunden aus. Drei bis vier Stunden später soll ein vierfaches Tuch in frisches Wasser getaucht, ordentlich ausgewunden, auf den Unterleib gelegt werden, drei Stunden lang; aber nach jeder Stunde soll das Tuch weggenommen, in frisches Wasser getaucht und wieder aufgelegt werden. Drei Stunden später, nachdem die Wickel entfernt sind, läßt man den Kranken auf ein mehrfach zusammengelegtes Tuch, in kaltes Wasser getaucht, ganz gut ausgewunden, eine Stunde lang liegen. Diese drei Anwendungen können so der Reihe nach vorgenommen werden, bis die ganze Hitze gebrochen und der Krankheitsstoff ausgeleitet ist. Auf der leidenden Stelle im Gesichte wird nichts angewendet als von Zeit zu Zeit, wenn die Spannung der Haut gar zu empfindlich ist, Abwaschungen mit lauwarmem Wasser. Ist der Durst recht groß, so bleibt Wasser oder Zuckerwasser das beste Getränk, aber immer nur in recht kleinen Portionen.“

Gesichtsrose auf eine andere Art zu heilen:

Dem Kranken soll täglich zweimal ein Schal umgelegt werden, drei Stunden lang jedesmal, nach jeder Stunde wieder frisch eintauchen; in der übrigen Tageszeit, nach je drei Viertelstunden, Rücken, Brust und Unterleib, am besten den ganzen Körper mit Wasser und etwas Essig daran waschen; darf aber nicht länger als eine Minute lang dauern. Wenn das Fieber bedeutend abnimmt, so reicht es aus, nach zwei bis drei Stunden zu waschen, später nur mehr alle Tage; soll anfangs das Wasser, mit Essig vermischt, warm genommen werden, so gebraucht man später frisches Wasser. Den Schaden im Gesicht darf man immer nur mit lauwarmem Wasser von Zeit zu Zeit waschen. Auf diese zwei Arten sind schon mehrere geheilt worden, ohne daß irgend ein Nachteil zurückblieb.

Josepha, 22 Jahre alt, gesund und kräftig, bekommt nach schnell eingetretener Müdigkeit ein heftiges Fieber. Nach außen ist sie voll Hitze, im Innern voll Frost und Kälte; sie leidet großen Durst und ist ganz ohne Appetit. So oft die Hitze groß war, wurde sie anfangs mit warmem, dann mit kaltem Wasser am ganzen Körper gewaschen, und zwar drei Tage hindurch. Dann ließ der Frost nach, der ganze Kopf war angeschwollen, und die Gesichtsrose trat ungewöhnlich stark hervor; im Gesichte zeigten sich große Blasen, und der Mund besonders war stark geschwollen. Vier Tage hindurch, an jedem Tage sechs- bis zehnmal, wurden die Waschungen vorgenommen; auch legte man noch zweimal im Tage den Schal um, zweimal warm, dann kalt. Nach drei Tagen stellte sich großer Schweiß ein, der zwei Tage dauerte, und dann war Josepha geheilt; zweimal wurde im Tage während der Schwitzzeit die Waschung vorgenommen. Der Schweiß kam von selbst, und das Abwaschen beförderte denselben um vieles. Die ganze Kurzeit dauerte acht Tage; eingenommen hat sie gar nichts. Am Kopfe wurde nichts angewendet; nur an den letzten drei Tagen wurde das Gesicht täglich zweimal mit lauem Wasser gewaschen.

Gicht.

Wer zur Herbstzeit ins Allgäu kommt, sieht da und dort die Leute ihren Dünger ausbreiten. In neuerer und neuester Zeit haben sie auch eine neue Methode angenommen, die jedem wahren Landwirt die Galle kitzelt, das Blut aufrührt und in Wallung bringt. Sie verteilen dem hungrigen Boden die Nahrung nicht mehr gleichmäßig wie früher, sondern mit einem nie gesehenen Schlendrian werfen sie aufs Geratewohl der einen Scholle zwei bis drei Portionen hin, die andere lassen sie für ein neues, ganzes Jahr fasten. Die ganze Arbeit gleicht dem leidigen Spiele von Maulwürfen. Das muß ja im Frühjahr faule Moräste abgeben, auf denen die Wucherstellen die übelangebrachte Verschwendung zeigen, daneben armselige und verkümmerte Habenichtse, die infolge der stiefmütterlichen und ungerechten Behandlung auch nichts in die Scheunen tragen.

Dieses Bild paßt mir vortrefflich für die Gichtkrankheit.