Ein Taglöhner hatte sich ein schweres Gichtleiden zugezogen. Er ging wöchentlich dreimal in den Sack, den man in heißen Haberstrohabsud eingetaucht hatte; dann wurden ihm in der Woche zwei Fichtenreis-Bäder bereitet von 33 bis 35° R. mit dreimaligem Wechsel. Jede zweite Nacht wusch er sich vom Bett aus kalt. Nach drei Wochen war er ziemlich geheilt, benützte jedoch noch für einige Zeit in der einen Woche zweimal den Sack, in der anderen das beschriebene warme Bad. Bald trat er neugekräftigt seinen Dienst an, den er bis heute gut versieht.

Ein Brunnenmacher zeigte mir die Gichtknoten an seinen Fingern und an seinen Zehen, die ihn bisweilen, wie er sagte, unausstehlich brannten, — Gicht durch Vernässung.

Jeden zweiten Tag ein eben beschriebenes warmes Bad, jeden dritten oder vierten Tag die Anwendung mit dem Sack haben den Mann in kurzer Zeit gänzlich von seinem Übel befreit. Die Hände hat er sich über die Nacht in angeschwellte Heublumen eingebunden.

Ein armer Hausvater bekam heftiges Gliederreißen. Ob es von der Gicht oder von einem anderen Übel herrührte, wußte er nicht; er fühlte nur entsetzliche Schmerzen, die ihn berufsunfähig machten.

Es war gerade die Heuernte. Ich riet ihm, er solle auf seinen Heustock gehen, der eben in Gärung sei, dort eine Art Grube in das heiße Heu machen und sich in das heiße Heugrab legen, mit heißem Heu auch sich zudecken, so daß nur mehr der Kopf herausschaue. Er tat’s und schwitzte in einer Viertelstunde schon dergestalt, daß der ganze Körper wie im Wasser schwamm. Sechsmal innerhalb zehn Tagen stieg der Bauer in so ein Heubad, und es hat ihn gründlich kuriert.

Nicht einem jeden würde ich solches raten. Aber nur derjenige, der es selbst probiert, kennt die große und auflösende Kraft solchen Heudampfes. Recht alte, tief eingewurzelte Übel können oft durch solchen unschädlichen Dampf ausgeleitet werden. Nach meiner Praxis würde derjenige diesen Heudampf am wirksamsten brauchen, der unmittelbar vom Dampfbade weg ganz rasch ein kaltes Halbbad nähme mit Waschung des Oberkörpers. Letzteres kräftigt zugleich ungemein.

Das ist nicht so dumm und überspannt, wie manchem dünken möchte. Das bewiesen neben vielen anderen einmal besonders zwei hohe Praktikanten. Zwei Herren aus hohem Stande haben sich durch ungefähr fünfzehn solcher Heudampfbäder dermaßen erholt, daß es ihnen unbegreiflich vorkam, wie durch so einfache Mittel, in so einfacher Weise eine Um-, gleichsam Neuschaffung im Organismus zustande gebracht werden könne.

Ich stehe nicht an, zu behaupten, daß schwächere Rheumatismen, Krämpfe, gewöhnlich Überreste und Überbleibsel nach schweren Krankheiten, leicht durch zwei bis vier solche Heudampfbäder vollständig zu entfernen wären.

Du siehst, mein lieber Landmann, was für Schätze du im Hause hast! Probier’s einmal! Im Sommer, im Heuet, wenn du recht müde bist, wirf ein paar Handvoll Heu oder Heublumen in heißes Wasser und laß es lau werden! So ein Fußbad von fünfzehn Minuten wird dir die Müdigkeit aus allen Gliedern ziehen.