Gar oft kommt es vor, daß Grieß und Stein sich bilden in der Blase und in den Nieren. Wer je einen solchen Leidenden gesehen oder solche Leiden selbst erduldet hat, kennt diese fürchterlichen Schmerzen. Die Heilung mit Wasser ist sicher und schmerzlos, somit die leichteste und beste.

Obenan stehen hier die Haberstrohbäder. Es wird Haberstroh (wer dieses nicht zur Hand hat, nehme Zinnkraut oder saures Pferdeheu) gesotten, gegen eine halbe Stunde lang, und der Absud zu einem warmen Bad bereitet mit ungefähr 30° R. In dem Bade bleibt der Kranke eine Stunde und wäscht sich, damit das warme Bad ihn nicht zu welk mache, unmittelbar nach dem Aussteigen aus der Wanne mit frischem Wasser kräftig ab. Solche Bäder können in der Woche drei genommen werden. Nebenbei dienen vortrefflich in der Woche zwei bis drei kurze Wickel oder statt derselben nasse Auflagen über die schmerzlichen Teile (ein Linnentuch vier- bis sechsfach zusammengelegt, darüber die gewöhnliche, luftabschließende Umhüllung). Beide Anwendungen sind selbstverständlich stets nur im Bette vorzunehmen. Sie lösen die Grießsteine in Blase und Nieren auf und leiten dieselben aus. Doch soll gerade bei diesen Leiden der Tee nicht vergessen werden. Obenan steht der Hafertee.[39] Hafer wird eine halbe Stunde lang gesotten, und von dem Absud werden täglich zwei Tassen getrunken. Stärker noch als Hafertee wirkt Tee von Haberstroh, der auf dieselbe Weise bereitet wird. Zinnkrauttee ist kaum von einem anderen übertroffen. Noch nenne ich die Hagebutten, die gesotten gleichfalls einen recht heilsam wirkenden Tee abgeben; nur muß er längere Zeit hindurch genommen werden. Die Erfahrung lehrte mich, daß er besonders vor weiterer Ausbildung solcher Steine schütze. Die oben genannten Anwendungen sollen zwei bis drei Wochen zur Hälfte vorgenommen werden. Das Leiden wird sich unter dem Segen des Arztes aller Ärzte sicher verlieren.

Ein Herr, der nach meiner Weisung verfuhr, erzählte mir, es seien bei ihm innerhalb einiger Wochen viele hundert Steinchen abgetrieben worden.

Ein anderer Herr litt dermaßen an Grieß und Steinen, daß die Salzschärfe von innen selbst in die Füße drang, an denen sich eine Unzahl kleiner Geschwüre bildete. Mitunter quälte den ganzen Körper ein höchst unangenehmes Kitzeln und Beißen und Brennen. Dreißig Bäder innerhalb eines Jahres, der spanische Mantel, wöchentlich ein paarmal angezogen, Tee von obigen Sorten entfernten das Leiden und seine peinlichen Folgen vollständig.

Zum Schlusse noch ein Wort an die jüngere Generation, die so gerne das Alte verwirft, weil es eben alt ist und auf Vorurteilen oder Ungewißheit oder Bigotterie beruht, wie sie meint, und die stets und mit Hast nach Neuem strebt und greift.

Für alle Leiden, die zahlreicher und schmerzhafter auftreten, — und dazu gehört das eben besprochene; denn die Zahl der Leidenden ist Legion, und die Schmerzen sind oft zum Rasendwerden, — hat der Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt. Auf der ganze Erde läßt er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen lindern, das Übel bessern und heilen. Die Menschen zwar haben — und das hat der Fortschritt gebracht (ob das Fortschritt ist?!) — diese Heilpflanzen vielfach, ja meistens aus den sogenannten Pharmakopöen, d. i. den Büchern, welche sämtliche Heilmittel enthalten, als „unwissenschaftlich“ und als „veraltet“ ausgestrichen; der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche der Natur wieder auf. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt. Wer hat recht? Merkwürdig! Jedes Tier, besonders jedes wilde Tier, entspricht, wenn auch naturnotwendig, den weisen Absichten seines Herrn und Schöpfers. Vom Instinkt, vom inneren Naturdrang getrieben weiß es bei jedem Schmerz, bei jeder Wunde das heilende Kraut aufzufinden. Unsere Altvordern und mancher, der bald in die Grube steigt, dessen Ansichten mit ihm selbst längst aus der Mode gekommen, taten ebenso.

Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich desselben. Aber nicht alles ist auch in Wahrheit Fortschritt, was diese modern klingende Aufschrift trägt.

Mein Büchlein ist in erster Linie für Arme und für Kranke auf dem Lande geschrieben, und ihnen sage ich: „Danket eurem Schöpfer auch für diese guten, ja oft besten Gaben und beneidet die anderen, die Reichen, nicht!“

„Bleibt ruhig bei euren unschuldigen Pflanzenmitteln! Ob dieselben innerlich oder äußerlich angewendet werden, ihr habt (selbst wenn sie in einem Falle nicht richtig gewählt werden) die Versicherung, daß sie euch nichts schaden können. Lasset den Reichen ihre Mineral- und Giftstoffe, mögen sie was immer für Namen führen und in der weiten Welt wo immer zu finden sein!“

Das würde mich schmerzen, wenn auch ihr Gottes Gabe, die Heilpflänzchen, die der Herr vor eurem Hause, auf dem Acker, auf der Wiese wachsen läßt, mit Füßen treten würdet. Da könnte und möchte auch ich, der ich es sonst so gut mit euch meine, euch nicht mehr helfen!“