Ohrenkrankheit.
Wer möchte die vielen Ursachen aufzählen, durch die ein Körper krank werden kann, und wie Krankheiten auf einzelne Organe so einwirken können, daß sie krank bleiben, wenn auch die ursprüngliche Krankheit entfernt ist? Und je edler ein Organ ist, um so nachteiliger wirkt auch eine Krankheit, und um so härter ist sie zu heilen. Einer der edelsten Teile am menschlichen Körper ist das Ohr, und sehr häufig kann das Gehör verloren gehen durch eine Krankheit oder auch durch eine unglückliche Lebensweise.
So kommt eine Mutter und erzählt: „Meine Tochter hat das Scharlachfieber gehabt, von dem sie wohl ganz geheilt wurde. Seit dieser Zeit ist sie nie mehr ganz wohl. Bald klagt sie über dieses, bald über ein anderes Leiden; aber das härteste ist, daß sie das Gehör fast ganz verloren hat. Alles, was angewendet worden ist, hat nichts geholfen.“
Dieses Mädchen ist mithin nicht ausgeheilt, und müßte es an anderen Teilen hören, so würde man auch dort noch Reste der Krankheit bemerken. Wird das Mädchen von allen nachteiligen Folgen des Scharlachfiebers geheilt, dann wird auch das Gehör wieder eintreten. Es muß somit, wie aufs Gehör, so auch auf den ganzen Körper eingewirkt werden.
Folgende Anwendungen werden die beste Wirkung hervorbringen: 1) Ein nasses Hemd anziehen, eineinhalb Stunden lang. 2) Einen Schal umlegen, eineinhalb Stunden lang, und denselben nach drei Viertelstunden nochmal frisch eintauchen. Während dieser eineinhalb Stunden um jeden Fuß vom Knöchel an bis über die Waden ein Handtuch umwinden, in warmes Wasser getaucht, also Fußwickel, eineinhalb Stunden lang. 3) Vom Bett aus ganz waschen und, ohne abzutrocknen, gleich wieder ins Bett, besonders den Hinterkopf und die Ohren gut waschen. 4) Über die Ohren und deren Umgebung einen Lappen binden, in warmes Wasser getaucht, zwei Stunden lang; nach jeder halben Stunde wieder frisch eintauchen. 5) Einen Kopfwickel nehmen (siehe [Wickel]).
Diese fünf Anwendungen sollen durch längere Zeit vorgenommen werden, jeden Tag wenigstens eine Anwendung. Recht gut wird noch wirken in der Woche ein warmes Haberstrohbad, 25 Minuten lang, 28–30° R., gleich darauf mit kaltem Wasser schnell abwaschen, daß die Natur durchs warme Wasser nicht zu empfindlich wird. Diese Anwendungen werden die Natur in den besten Zustand bringen; dann kann noch länger fortgefahren werden mit warmen Umschlägen über die Ohren.
Ohrensausen.
Eine Person hat sehr oft heftiges Ohrensausen, schwache Nerven, oft Zittern an den Händen und Füßen, blasse Gesichtsfarbe, eingefallene Augen. Diese Person hat mehrere Ärzte gehabt. Der eine sagte, das Ohrensausen rühre von den Nerven her, der andere, es komme von einem zurückgegangenen Schnupfen her, ein dritter, das Trommelfell sei etwas eingegangen usw.
Anwendungen: 1) Täglich im Wasser gehen, 2–4 Minuten, darauf Bewegung im warmen Zimmer oder, wenn nicht zu kalt, im Freien. 2) Jede zweite Nacht vom Bett aus ganz waschen mit Wasser und Essig. 3) Zweimal in der Woche einen Schal umlegen, eine Stunde lang. So 14 Tage bis 3 Wochen fortmachen. Wenn noch weiter etwas notwendig ist, jeden zweiten Tag im Wasser gehen und in der Woche einmal waschen.
Rheumatische Zustände.