Ein Kandidat im Alter von 34 Jahren berichtet: „Vor 11 Jahren fing durch übertriebene Beschaulichkeit, körperliche Strenge und jahrelange furchtbare Skrupeln der Kopf an, an Kongestionen, heftigem Schmerz und Schwerfälligkeit zu leiden. Da ich fortfuhr, für einen, ja oft für zwei Gesunde geistig und körperlich zu arbeiten, wurden die Nerven total irritiert und schließlich der Kopf vor zwei Jahren ganz unfähig zu geistiger Anstrengung, selbst nur einen Rosenkranz z. B. auf einen Zug zu beten. In Wörishofen blieb es acht Tage beim alten trotz Schenkel-, Ober- und Rückenguß und Barfußlaufen; dann bekam ich Malefiz-Öl und mußte dabei die Wasseranwendungen noch 3 Tage fortmachen, aber das Übel wurde nur schlimmer; dann durfte ich für 3–4 Tage keine Wasseranwendungen vornehmen; das Malefiz-Öl wirkte; der Kopf wurde plötzlich frei, klar und stark, und dabei blieb es bis heute.“

Diesem Berichte muß ich hinzufügen, daß der betreffende Herr schon geraume Zeit, ehe er zu mir kam, nach meinem Buche selbst sich zu helfen gesucht hatte und durch eine glückliche oder vielmehr vernünftige Auswahl des für ihn Passenden sowie auch durch sehr pünktliche und genaue Befolgung des Vorgeschriebenen der bei mir gemachten Kur schon bedeutend vorgearbeitet hatte. Als er ankam, war er in einem noch elenden und trostlosen Zustande und um so beklagenswerter, als wegen seines äußern, scheinbar guten Aussehens nur ein gründlicher Kenner von seinem Leiden wissen konnte. Gott sei es gedankt, daß er jetzt wieder mit freudigem Mute seinen höheren Studien obliegen kann.

Nierenleiden.

Ein Bauer erzählt: „So stark und korpulent ich aussehe, geradeso elend bin ich. Ich kann nicht mehr arbeiten, bin beständig aufgedunsen; die Atemnot wird oft so groß, daß ich glaube, ich müsse ersticken. Ich wälze mich in der Nacht im Bett umher, ohne schlafen zu können. Mein Urin ist meistens recht dick und mit Blut vermischt. Ich habe oft ein sehr heftiges Brennen in der Blase; Ärzte habe ich mehrere gehabt. Einer sagte, ich sei leberleidend und habe Gallensteine. Ein anderer hat behauptet, es fehle mir in den Nieren, und es werde Nierenvereiterung eintreten. Ein dritter glaubte, mein Magen verdaue nicht, und deshalb sei ich immer verschleimt, weil im Munde immer sehr viel zäher Schleim vorhanden ist.“ Dem fast Trostlosen wurden Anwendungen geraten: 1) In der Woche zwei warme Bäder von gesottenem Haberstroh mit dreimaligem Wechsel, 30–32 Grad. (10 Minuten im warmen, 1 Minute im kalten Wasser.) 2) In der Woche zwei kurze Wickel, ebenfalls von Haberstrohwasser, eineinhalb Stunden lang. 3) Täglich 2 Tassen Tee von Zinnkraut und Wacholderbeeren trinken, 10 Minuten lang gesotten. In 6 Wochen war der Mann vollständig gesund. Sein Körper ist normal, der große Bauch ist verschwunden, das braungelbe Aussehen ist entfernt, und wie die Farbe frisch und gesund ist, so ist auch seine Kraft wiedergekehrt.

Ein armer Arbeiter schreibt: „Ich erkrankte an einem Nierenleiden ungefähr im November 1887, arbeitete aber dabei bis Mitte Januar 1888. Meine Kraft war indessen so herabgesunken, daß ich nunmehr 11 Wochen das Bett hüten mußte. Der Arzt, welcher mich behandelte, erklärte mir, das Leiden komme nur von Erkältungen und zurückgeschlagenem Schweiße her und sei eine langwierige Sache. Im Urin war stets ein großer, rötlich-brauner Satz. Man ließ nun den Urin in der Apotheke chemisch untersuchen, und es stellte sich heraus, daß dieser Satz in Blut bestehe. Durch diesen immerwährenden Blutverlust kam ich so herunter, daß der Arzt eine Wassersucht befürchtete. Er untersuchte deshalb Tag für Tag die Füße und das Herz; es zeigte sich aber nirgends etwas von Wassersucht. Als ich mich nach einiger Zeit besser fühlte, ging ich wieder an die Arbeit, mußte aber, als das Leiden nach 20 Wochen wieder eintrat, die Arbeit abermals einstellen. Da ich nun schon so viel mediziniert und allerlei eingenommen hatte ohne anhaltenden Erfolg, so entschloß ich mich auf Anraten einiger Bekannten, nach Wörishofen zu gehen. Ich wandte nun die Kaltwasserkur an, die mir vortrefflich behagte.“

Durch folgende Anwendungen wurde dem Manne geholfen:

1. den einen Tag Oberguß und Knieguß vormittags, Halbbad eine halbe Minute lang nachmittags;

2. den andern Tag des nachts Ganzwaschung vom Bett aus in der Frühe, dann Wassergehen, nachmittags Oberguß und Knieguß;

3. Oberguß, später Schenkelguß vormittags, Rückenguß und Wassertreten nachmittags; so abwechselnd drei Wochen lang; ferner

4. täglich eine Tasse Tee von 10 zerstoßenen Wacholderbeeren und etwas Zinnkraut, morgens und abends in je zwei Portionen trinken.