Ebenso mußten sie täglich zwei- bis dreimal ihre Arme ganz ins Wasser halten. Diese Anwendungen behagten den jungen Leuten sehr; es kam ihnen Mut und Freude; sie gingen wieder neugestärkt an ihre Studien, konnten ihre Aufgabe gut lösen und freuten sich auf die Herbstferien, um ihren Körper aufs neue abzuhärten und zu kräftigen.

Bemerkt jedoch sei hier, daß beim Gehen auf naßkalter Wiese und beim Stehen im Wasser jedesmal nach Bekleidung der Füße so viel Bewegung gemacht werden muß, daß die Naturwärme bald wieder eintritt; diese wird bei jungen Leuten unschwer durch rasches Gehen bewirkt.

Ein ähnliches Beispiel traf bei einem Alumnus zu, welcher mit folgenden Klagen hieher kam: „Ich habe einen solchen Druck im Kopf, daß ich oft kaum mehr weiß, wo ich weile, und was ich tue; ferner habe ich oft erheblichen Schwindel, bin unfähig zu geistiger Tätigkeit; ich mußte die Anstalt 3 Monate vor Erreichung meines Zieles verlassen.“

Es war warme Augustzeit, und dieser Kandidat brachte während 10 Tagen die meiste Zeit in Gärten und Wäldern zu, barfußgehend vom Morgen früh bis Abend spät. Zudem bekam er täglich 2–4 Obergüsse. Innerhalb 12 Tagen waren seine Krankheitserscheinungen gehoben; er fühlte sich heiter und gekräftigt und brauchte bloß noch zur weiteren Kräftigung seine Herbstferien ebenso durchzumachen.

Nervenzerrüttung.

Ein Herr von Stand hatte durch ungewöhnlich viele Berufspflichten Geist und Körper so zugerichtet, daß nicht zu beurteilen war, ob Geist oder Körper mehr zerrüttet sei.

Man hatte Grund, zu fürchten, die Geisteszerrüttung könnte mit den traurigsten Folgen ein erbarmungswürdiges Ende nehmen. Monate hindurch hatte er weder Schlaf noch Ruhe, die peinlichsten Leiden und Schmerzen am ganzen Körper; alle ärztlichen Mittel waren wirkungslos. Das Wasser sollte hier noch Rettung bringen, und wirklich war der Unglückliche nach dreizehn Wochen in der Lage, in seinem Berufe frisch und gesund wieder aufs neue zu beginnen.

Ein solcher Zustand kann nur durch die einfachsten Anwendungen behandelt werden. Erster Tag: Den oberen Körper vormittags mit Wasser und Essig ganz waschen. Auf diese Waschung folgt ein Knieguß (eine Minute lang). Die zweite Anwendung am Nachmittage wie die erste. Zweiter Tag: Eine Gießung auf den Oberkörper mit einem halben Gießer voll Wasser; gleich darauf auf nassen Steinen Bewegung machen und nebenzu einen Gießer voll Wasser auf die Knie, nachmittags dasselbe. Dritter Tag: Oberguß (1 Gießer voll) und Knieguß, nachmittags: Oberguß (1 Gießer voll), daraufhin ins Wasser stehen (3 Minuten lang). Diese Anwendung war so schmerzlich, daß dem Patienten Tränen in die Augen kamen. So wird ungefähr eine Woche hindurch fortgefahren. Die zweite Woche waren Obergüsse jeden Tag mit verstärktem Knieguß im Wechsel mit Wasserstehen, soweit es die empfindlichen Füße zuließen, verordnet; diese Obergüsse steigerten sich während der Woche von 1–3 Gießer. Auch das ins Wasserstehen wurde verstärkt bis an die Knie, aber immer nur 2, höchstens 3 Minuten. In der dritten Woche wurden Obergüsse mit Knieguß und Wasserstehen weiter gesteigert und jeden zweiten Tag ein Sitzbad genommen, gewöhnlich nachmittags. In der vierten Woche: Oberguß mit Wasserstehen, je vormittags, nachmittags ein Halbbad. In der fünften Woche am Morgen ein Rückenguß mit Wasserstehen oder mit Knieguß, nachmittags Oberguß. So wurde fortgefahren, jeden halben Tag eine Anwendung: a) Oberguß mit Knieguß, b) ein Halbbad, c) Rückenguß bis zur vollständigen Heilung.

Innerlich wurde gegeben: a) weißes Pulver, täglich eine Messerspitze voll, im Wechsel mit b) Wacholderbeeren, täglich 6–8 Beeren, und c) Tee von Wermut und Salbei.

Nervöses Leiden.