Die Ruhr ist eine Schwester der Cholera. Beide sehen einander überaus ähnlich. Diese Krankheit beginnt in der Regel mit gräßlichen Krämpfen im Unterleib und mit starkem Abweichen. Neben anderem geht viel Blut ab.

Am schnellsten heilt man die Ruhr, indem man ein doppelt gefaltetes Tuch in recht warmes Wasser mit Essig eintaucht und auf den Unterleib bindet. Ganz auffallend wirkt nach innen ein Gläschen Heidelbeergeist, den man sich selbst leicht machen kann, und der in keiner noch so kleinen Hausapotheke fehlen sollte. Zweimal im Tage kann man zwei Eßlöffel dieses Geistes in heißes Wasser gießen; der Labetrunk wird vortrefflich munden. Sollte der Zustand am zweiten Tage nicht wesentlich besser sein, so erneuert man die Auflage auf den Unterleib und nimmt nochmals eine Portion Heidelbeergeist.

Joseph krümmte sich im Bett wie ein Wurm. Manchmal drehten ihn die Krämpfe herum wie eine Kugel. Er schrie vor Schmerz. Im Stuhl war mehr als ein halbes Liter Blut. Zwei Löffel des oben erwähnten Heidelbeergeistes, am Morgen und am Nachmittag genommen, haben in kurzem alles wieder gut gemacht.

Anna, eine Frau von über 50 Jahren, jammerte in entsetzlichen Krämpfen. Abweichen mit viel Blut ließ sie befürchten, es sei die ausgebildete Cholera. Das Essigtuch am Leibe, der Heidelbeergeist nach innen haben die Kranke in einem Tage wieder hergestellt. Sollten keine Heidelbeeren zu finden sein, so tut Milch, mit Fenchel abgekocht, gleichfalls recht gute Dienste.

Säuferwahnsinn.

Ein Mann, 36 Jahre alt, hatte viel Bier getrunken, wenig gegessen und sich so ziemlich vom Bier genährt. Hatte er Bier im Leib, so fühlte er sich kräftig; war aber der Bierdampf verraucht, so jammerte er über Entkräftung.

Bei dem armen Manne war bereits der Säuferwahnsinn so stark entwickelt, daß selbst junge Leute merkten, er sei nicht mehr recht. Dabei klagte er besonders viel über rheumatische Schmerzen, Krämpfe und zeitweilige Kopfschmerzen. Ist die Trunksucht auch äußerst schwer heilbar, so hatte dieser Patient doch guten Willen und wollte auch mit allen Opfern von seinem Elende frei werden.

Innerhalb drei Wochen haben nachfolgende Anwendungen den Mann vollständig hergestellt. Jeden Tag bekam er zwei bis drei Anwendungen, und zwar der Reihe nach, wie sie hier folgen: 1. Tag: a) Oberguß und Knieguß, b) Wasserstehen, Wassergehen und die Arme ins Wasser, c) Rückenguß. 2. Tag, a) Halbbad, b) Oberguß mit Knieguß. 3. Tag: a) Sitzbad, b) Oberguß. 4. Tag: a) Halbbad, b) Vollbad. So wurde fortgefahren bis zur Heilung; alle krankhaften Zustände hörten auf, das Aussehen hat sich vollständig gebessert, guter Appetit sich eingestellt, und die Lust zum leidenschaftlichen Trinken hatte ganz nachgelassen. Besonders muß betont werden, daß während der Kur an den verschiedensten Stellen des Körpers Ausschläge mit Ausscheidung der giftigen Stoffe auftraten.

Scharlachfieber.

Der Scharlach tritt meistens ein- oder auch zweimal im Jahre auf und verlangt nicht selten zahlreiche Opfer. Gewöhnlich trifft er die Kinder, verschont aber auch die Erwachsenen nicht. Die Zeichen vor dem Eintreten sind Kopfweh, Drücken auf Magen und Brust, Müdigkeit, Wechsel von Hitze und Frost. So viele Kinder diese Krankheit wegrafft, so leicht ist mit Wasser zu helfen. Kinder sind meist schon in zwei Tagen vor Gefahr gesichert; bei Erwachsenen geht es etwas langsamer. Scharlach kann auf zweierlei Weise recht leicht geheilt werden. Sind bei einem Kinde, gleichviel ob es noch auf den Armen getragen wird oder schon in die Schule geht, alle Zeichen dieser Krankheit vorhanden, so tauche man ein Hemd in heißes Wasser, in das man etwas Salz geworfen, winde es aus, so daß es nicht mehr träufelt, und ziehe es dem Kinde, das im Bette liegt, an. Dann wickle man es gut in eine Decke ein, so daß jeder Luftzutritt verhindert ist, und lasse es so eingehüllt eine Stunde liegen. Dann ziehe man das Hemd aus, und der ganze Körper des Kindes wird übersät sein mit dem Scharlachausschlage. Sollte die Hitze übergroß werden, so wasche man das Kind ganz, aber schnell ab und lege es wieder ins Bett. In schwierigen Fällen, in denen die Hitze sich steigert und es dem Kranken bange wird, kann in einem Tage das Hemd zwei- bis dreimal, seltener auch viermal angelegt werden müssen. Es kommt lediglich auf die Hitze und Stärke des Fiebers an. Nimmt die Hitze und das Fieber ab, so kann der Zwischenraum zwischen den Neueintauchungen des Hemdes verlängert werden. Man merke sich nur, daß bei diesen späteren Anwendungen stets kaltes Wasser (mit Essig) gebraucht wird. Zudem sei man recht sorgsam bei der Umhüllung und dem Zudecken, — gut, aber nie übermäßig. Nach Entfernung des nassen Hemdes bekleide man das kranke Kind mit einem sauberen Hemdchen. Bei solcher Behandlung wird in vier, höchstens in sechs Tagen der Scharlach völlig geheilt sein.