Wer Rotlauf am Fuße hat, soll am besten einen kurzen Wickel nehmen. Dieser schneidet der Rotlaufstelle die Zufuhr ab. Nach dem kurzen Wickel kann er den Fuß oberhalb der Rotlaufstelle gegen den Körper zu umwinden (Fußwickel). Man kann aber auch den Rotlauf direkt angreifen. Dieses geschieht, indem man ein recht weiches, ausgenütztes linnenes Tuch in warmes Wasser taucht, damit die brandige Stelle überlegt und mit einem trockenen Tuche oder mit Wolle jenes nasse einhüllt. Dieses verteilt und leitet aus.
Bekommt jemand den Rotlauf am Arm, so kann er wieder zuerst durch einen kurzen Wickel die Strömung des Blutes von oben her ableiten. Dann soll er einen Schal umlegen und diesen öfters erneuern je nach der Stärke der Hitze. Auch gegen das direkte Einwirken auf die kranke Stelle läßt sich (wie oben beim Fußrotlauf) nichts einwenden.
Sollte der Rotlauf am Kopfe entstehen, so wird ein Oberaufschläger kräftig nach unten ableiten und ein Halswickel rasch den Rotlaufstoff vermindern. Sind diese Anwendungen ein paarmal vorausgegangen, so kann man direkt auf die Rotlaufstelle selbst einwirken, anfangs mit warmem und, wenn ein großer Teil des Krankheitsstoffes abgeleitet ist (was das Nachlassen der Röte und der Geschwulst angibt), auch mit kaltem Wasser. Die Anwendungen geschehen stets in Form von Linnen-Auflagen oder Wickeln, im letzteren Falle in Form des Kopfwickels.
Ein Geistlicher aus M. berichtet: „Vielleicht infolge einer Erkältung trat ein heftiger Rotlauf (Gesichtsrose) bei mir ein. Die Hitze des Körpers war groß, der Schweiß heftig, das Gesicht bedeutend geschwollen. Es wurde mir in diesem Zustande täglich vier- bis fünfmal die Brust, der Unterleib, der Rücken und die Arme, zuweilen auch die Beine, aber nicht das Gesicht mit kaltem Wasser abgewaschen und zwar in vollem Schweiß. Später waren die Waschungen weniger. Dies hatte den besten Erfolg zur Heilung der Krankheit und war zugleich sehr wohltuend. Nach 4 Tagen war das Fieber vorüber, und am neunten Tage konnte ich das Zimmer wieder verlassen. Da noch eine kurze Zeit hindurch nachts Schweiß sich einstellte, stand ich auf, wusch denselben mit kaltem Wasser am ganzen Körper ab, zog ein frisches Hemd an und legte mich wieder zu Bett. Ich habe bereits früher dieselbe Krankheit gehabt. Bei dem damaligen Heilverfahren dauerte es vier Wochen, bis ich wieder hergestellt war, jetzt durch Anwendung des Wassers nur neun Tage.“
Rückgrat.
Ein hochgestellter Offizier hatte sich beim Fahren einen Wirbel des Rückgrates eingedrückt und, wie die Ärzte behaupteten, das Rückenmark so verletzt, daß er meistens die gräßlichsten Schmerzen zu dulden hatte und sein Zustand nur zeitweise erträglich war. Das Leiden wirkte noch mehr auf das Gemüt, als es Schmerzen verursachte. Kein Arzt konnte ihm Hilfe bringen, obwohl er die ersten und berühmtesten Ärzte der Großstadt aufsuchte. Auf die Erklärung des berühmtesten Arztes der Gegend, daß da keine Heilung mehr eintreten könne, und daß mit der Zeit die Schwindsucht sich einstellen werde, suchte der Herr seine Hilfe beim Wasser. — In 6 Wochen war er hergestellt und erfreut sich heute noch guter Gesundheit, obgleich die Heilung bereits vor mehr als 25 Jahren stattgefunden hat. Auch das Gemütsleiden verschwand mit dem körperlichen Leiden vollständig.
Welche Anwendungen in unserem Falle vorgeschrieben waren, weiß ich genau nicht mehr zu sagen. Aber wenn du, lieber Leser, an genanntem Übel leiden solltest, so würde ich dir folgendes raten: Laß dir dreimal in der Woche den spanischen Mantel umlegen; nimm dreimal in der Woche ein Halbbad mit Waschung des Oberkörpers und zweimal einen Ober- und Unterguß! Dieses setze mehrere Wochen pünktlich fort! Der ganze Organismus muß sich kräftigen und erstarken, und die von der verletzten und kranken Stelle ausgegangenen Gebrechen werden eines nach dem andern schwinden. Auch der eingetriebene Wirbel wird Ruhe geben und verknöchern, wie wenn nach einem Beinbruch der wunde Teil vernarbt. Abermals wiederhole ich: Wenn ein Teil am Körper schwer leidend ist, so kränkelt der ganze Körper. Der ganze Organismus nimmt gleichsam teil an dem Schmerze des Gliedes oder Gliedchens. Wirf einen Stein ins Wasser, und die ganze Oberfläche des Baches oder Teiches wird bewegt und zeigt Wellenkreise. Der Stein ist der eingedrückte Wirbel. Die Schmerzenskreise durchziehen den ganzen Körper.
Dieses sind treffliche Winke für das Heilverfahren. Sonach muß man beim Heilen immer auf den ganzen Körper einwirken, damit er stark werde, und damit die gesunden Teile des Körpers die kranken und geschwächten unterstützen, gleichsam hegen und pflegen; die Organe stehen ja untereinander in innigstem Zusammenhange. Sie sind die nächsten Glieder einer Familie, die sich nur wohl befinden in einträchtigem, friedlichem Zusammenwirken.
Ruhr.