Kinder können oft nur mit großer Mühe in Schlaf gebracht werden und erwachen bald wieder. Man hat ihnen zu viel Nahrung gegeben; der kleine Körper seufzt unter der Last, und die Blähungen lassen mit dem Leibe auch das Köpflein nicht zur Ruhe kommen. Man nehme ein kleines Handtuch und lege es naß in Form eines kurzen Wickels um. Das Kleine wird bald schlummern.

Landleute hört man oft sagen: ein warmes Fußbad schließt die Augen, wenn Anstrengung und Müdigkeit nicht einschlafen lassen. Bei geistiger Ermüdung wird jenes kaum ausreichen.

Wer von letzterer betroffen ist, ebenso allen jenen, welche wegen Hämorrhoiden, eingebannten Gasen und anderen Unterleibsbeschwerden nicht zum Schlafe kommen, rate ich kalte Sitzbäder, 1–2 in einer Nacht, von je 1–2 Minuten Dauer.

Eine letzte Ursache der Schlaflosigkeit kann sein die ungleiche Erwärmung des Körpers, rühre dieselbe von was immer her. Im Kopf und auf der Brust hat man zu viel Blut, deshalb Hitze, in den Extremitäten zu wenig, deshalb Blutarmut und kalte Hände und Füße. Wie diesem Übelstande abzuhelfen sei, wurde schon an verschiedenen Stellen gesagt.

Niemandem rate ich, zu künstlichen, betäubenden Schlafmitteln zu greifen. Sie gelten mir, um es mit einem Worte zu sagen, als unnatürlich, und was unnatürlich ist, kann der Natur niemals förderlich sein.

Schlaganfälle.

Paulus hat der Schlag gerührt. Die rechte Seite ist zur Hälfte gelähmt, der Mund schrecklich verzogen, das rechte Auge eingefallen, der Augendeckel gelähmt, mit der gebrochenen Sprache auch aller Mut gebrochen. Der rasch gerufene Arzt erklärte, es lasse sich vorläufig nichts machen, man müsse abwarten, ob nicht ein zweiter Schlag folge; indessen könne der Kranke täglich etwas Bitterwasser trinken. Mit dieser Antwort gab sich der Patient nicht zufrieden; sofort machte er Versuche mit dem Wasser, und in 12 Tagen war er wieder hergestellt. Dieses geschah vor 13 Jahren, und der rüstige, wenn auch ältere Herr hielt noch manches Jahr seine Vorlesungen.

Wie kam die Heilung zustande? Wird das in Eintracht zusammenwirkende Räderwerk einer Uhr durch was immer, durch Fall, Schlag oder Stoß verschoben und in seiner Ordnung gestört, so tritt ein Stillstand ein. Alle Rädchen bis zum kleinsten mögen unverletzt sein; aber es ist vielleicht etwas dazwischen gekommen, oder sie spannen und drücken sich gegenseitig, und so kann es nun einmal nicht weitergehen. Man muß sie neu zurechtrichten oder den Störenfried herausnehmen, dann werden alle Teile in gewohnter Untertänigkeit dem Ganzen dienen. Geradeso kann es gehen mit dem lebendigen Uhrwerk des menschlichen Körpers. Ein innerer Störenfried, vielleicht eine jener Anstauungen, wie sie im Alter, in welchem die Räder, d. i. die Organe, ohnedies fast von selbst aus den Fugen gehen wollen, so leicht vorkommen, hat den Mund, das Auge, die Zunge usw., diese feinen Rädchen, zwar nicht verletzt, aber aus ihrem ordentlichen und angewiesenen Platze weggetrieben. Entferne den Friedensstörer, und alles wird wieder in Ordnung und Frieden kommen. Ich will mithelfen.

Ein Kopfdampf mit folgendem Guß wird in den oberen Partien des Körpers auflösend wirken, ein Fußdampf in den unteren Partien. Der Kranke nehme alsdann ein warmes Bad im Wechsel mit kaltem Bade oder kalter Abwaschung. Auch diese Anwendung wird lösend wirken und den Blutandrang zum Gehirn vermindern. Sind so die Anstauungen gehoben und der Blutlauf geordnet, dann öle man die ganze Maschine durch eine kräftige, nahrhafte Kost — ja nie zu viel auf einmal —, vermeide aber sorgfältig alles Reizende, wie starke Weine, Spirituosen, Gewürze usw. Auch alle geistigen Reizmittel (Anstrengungen, Aufregungen) sollen weislich vermieden werden.

Ein Pfarrer wurde vom Schlage getroffen. Eine Hand, ein Fuß, die eine Seite waren total gelähmt, die Sprache und alle Besinnung geschwunden. Mehrere Tage hindurch wurden ärztliche Mittel angewendet ohne Erfolg. Der Arzt erklärte zuletzt, die eine Seite sei lahm und bleibe lahm, die andere Seite werde durch einen zweiten Schlag auch gelähmt werden und damit das Leben zu Ende sein. Ein Versuch mit Wasser, dachte ich, kann also auf keinen Fall etwas schaden. Gedacht, getan! Der kalte Fuß und der kalte Arm wurden kräftig mit kaltem Wasser gewaschen; zwei warme Fußbäder mit kräftigen Waschungen der Füße und vier Waschungen des Oberkörpers waren die Anwendungen des zweiten Tages. Am dritten Tage schon konnte man bemerken, daß in beiden gelähmten Gliedern noch Gefühl und Leben sei. Das gab Mut. Dem unbehilflichen Körper legten wir am vierten Tage mit Mühe einen Unterwickel um auf eine Stunde und stellten die halbtoten Füße zweimal in ein warmes Fußbad mit Asche und Salz. So ging es 14 Tage fort. Nach 14 Tagen unterstützte uns der Kranke durch die wieder brauchbare gesunde Hand und den gesunden Fuß, und mit Freude zeigte er, wie er auch die gelähmte Hand schon etwas in die Höhe zu heben imstande war. Es folgten nun Ganzwaschungen im Wechsel mit Kopf- und Fußdampf, wöchentlich je einer der Dämpfe, und täglich eine Waschung des Ober- und Unterkörpers. So drei Wochen. Neue Kraft erfüllte den niedergeschmetterten Lebensbaum, der Appetit wuchs. Warmbäder im Wechsel mit kalten, in der Woche eins, wöchentlich ein Kopfdampf, ein Fußdampf und drei Halbbäder mit Waschung des Oberkörpers (eine Minute lang) füllten die folgenden drei Wochen aus. Den Schluß des Heilverfahrens bildeten Ober- und Untergüsse im Wechsel mit dem spanischen Mantel. Freilich war’s eine langwierige, schwere und recht anstrengende Arbeit; aber der Herr erholte sich insoweit, daß er täglich die heilige Messe lesen, die Kranken besuchen, Ämter halten, alle Schreibereien besorgen konnte. Das Einzige, was ihm nie wieder gegeben wurde, war das Predigen. Die Zunge hatte zu stark gelitten und konnte manche Worte nur mehr recht schwer aussprechen.