Ein Mann, 45 Jahre alt, wurde plötzlich vom Schlage getroffen. Die rechte Hand und der rechte Fuß waren ganz lahm und ohne alles Gefühl; der Appetit fehlte gänzlich. Dem Kranken wurden täglich der Oberkörper und die Füße mit halb Wasser und halb Essig ganz warm gewaschen. Dreimal täglich nahm der Kranke 30 Tropfen von Wermut, Salbei und Bitterklee. Nach 14 Tagen hatten Hand und Fuß wieder die gehörige Wärme und das rechte Gefühl; auch war der Mann wieder imstande, im Zimmer zu gehen. Der Appetit nahm zu, die gelähmte Seite bekam wieder nach und nach Kräfte, und nach einigen Tagen war der Körper wieder in Ordnung. Bemerkt sei hier, daß dieser Kranke viel Schnaps getrunken hatte und daher sein Übel gekommen war. Zur vollständigen Heilung und Kräftigung gehören noch 8–10 Bäder von gesottenem Haberstroh oder auch von gesottenen Fichtenreisern. Die Wärme betrage 30° R. 10–15 Minuten lang; darauf folge eine kräftige kalte Abwaschung oder kaltes Halbbad mit Waschung des Oberkörpers.
Eine allgemeine Bemerkung könnte vielleicht manchem einmal dienen. Wird jemand vom Schlage gerührt, ist teilweise Lähmung eingetreten, so nehme man ungesäumt und zuerst kräftige kalte Waschungen vor auf Rücken, Brust und Unterleib, täglich zwei-, drei- bis viermal. In das Wasser kann etwas Salz oder Essig gemischt werden. — Ebenso wasche man die Füße und Arme, damit das Blut allseitig und gleichmäßig sich verteile, die Körperwärme eine allgemeine werde. Sämtliche Waschungen (ich kann dieses nicht streng genug einschärfen) geschehen so schnell wie möglich; keine dauere über eine Minute.
Ist die Lähmung nur eine kleine, und vermag der Kranke zu sitzen, so ist ein Kopfdampf von 20 Minuten mit nachfolgender kräftiger Abwaschung des Oberkörpers die erste, trefflichste Anwendung. Nach ungefähr 4–6 Stunden geschehe die zweite: Fußdampf, gleichfalls von 20 Minuten mit folgender Abwaschung oder Unterguß. Diesen können sodann die oben angegebenen Waschungen folgen.
Man hüte sich besonders anfangs vor ganzen Wickeln; die Naturwärme ist zu schwach und kann nicht ersetzt werden. Mir ist ein Fall bekannt, in welchem ein Arzt den Kranken durch Einwickelungen retten und heilen wollte. Der erste Wickel tat gut. Beim zweiten Wickel blieb der Kranke kalt, und der ganze Körper wurde blau. Nur durch Wärmezufuhr konnte er wiederum zurechtgebracht werden.
Ein Mann wird vom Schlage getroffen. Eine Seite ist ganz gelähmt, ebenso die Zunge. Derselbe ist im bewußtlosen Zustande. So blieb er 10 Tage — behandelt von einem Arzt; der erklärte, es lasse sich nichts mehr machen, ein zweiter Schlaganfall werde nicht mehr lange ausbleiben. — Auf dringendes Bitten machte ich den Versuch und ließ allererst einen Kopfdampf anwenden. Der Kranke lag im Bett; auf einem Schemel wurde ein mit strudelndem Wasser (ein paar Hände voll Heublumen daran) halb gefülltes Gefäß aufgestellt, der Oberkörper an den Rand des Bettes gebracht und mit einer Decke zugedeckt, so daß der Dampf unter der Decke auf den Oberkörper und Kopf drang. Der Kranke kam in 10 Minuten in Schweiß und schwitzte so ungefähr 15–20 Minuten am ganzen oberen Körper, daß das Wasser tropfenweise hinunterlief. Gleich darauf wurde der Oberkörper und Kopf mit frischem Wasser und Essig daran kräftig gewaschen und der Patient zum Ruhen ins Bett hineingebracht. Am selben Tage wurde die Waschung ohne Dampf nochmals vorgenommen. Am zweiten Tage wurde ein Fußdampf angewendet (25 Minuten lang) im bewußtlosen Zustande. Der ganze Körper kam in den größten Schweiß und wurde daraufhin wieder gewaschen. Am dritten Tag folgte Kopfdampf, am vierten Fußdampf; am fünften Tage kam wieder Bewußtsein und Leben in die Seite, der gelähmte Arm und Fuß konnte wieder bewegt werden. An den nächsten drei Tagen wurde er täglich zweimal mit Wasser und Essig gewaschen am ganzen Körper. Jetzt kehrte auch die Sprache teilweise zurück; bis zur vollkommenen Wiedererlangung derselben gingen drei Wochen vorbei. Von da an wurden dreierlei Anwendungen vorgenommen: a) Ganzwaschungen, b) Ober- und c) Unteraufschläger abwechselnd vormittags und nachmittags. In wenigen Tagen hatte sich der Kranke so erholt, daß jeden Morgen ein Knieguß und nachmittags ein Oberguß vorgenommen werden konnte. Neben diesen Anwendungen wurde gewechselt mit einer Ganzwaschung. Als der Kranke zum Gehen gekommen, wurden Halbbäder und Oberguß mit Knieguß — im Wechsel jeden halben Tag — genommen.
Die Heilung war so glücklich, daß der Herr jetzt volle 17 Jahre seit dem erlittenen Schlaganfalle noch rüstig seinen Beruf versieht.
Anmerkung. „Bei jedem Schlaganfalle soll sobald als möglich ein mit der Wasserkur schon gut vertrauter Mann (am besten Arzt) gerufen werden. Nur ein Erfahrener kann für den Fall das Rechte treffen. Bis zum Eintreffen solcher Hilfe kann und soll ohne Ausnahme, ohne Bedenken die Waschung des Rückens, der Brust, des Unterleibes, der Füße und der Hände der Reihe nach kalt und kurz vorgenommen werden. Diese Teilwaschungen sollen in 2–3 Stunden wiederholt werden.“
Schleimfieber.
Dürfte ich den Katarrh mit einem kleinen Kinde vergleichen, so wäre das Schleimfieber das ausgewachsene Kind. Schleimfieber entsteht regelmäßig aus Katarrhen, und aus beiden kann alles werden, wie an anderer Stelle gesagt ist. Die Heilung, also auch die Anwendungen sind bei beiden Übeln dieselben. Wer Katarrh schnell und leicht kurieren will, der lege sich ins Bett, wasche sich selbst alle Stunden Brust und Unterleib, den Rücken lasse er sich von einem andern kräftig abwaschen. Drei bis vier solcher Waschungen in einer Nacht heilen einen erst begonnenen Katarrh. Macht der Katarrh Fortschritte, d. h. entzünden sich Teile im Halse, im Kopfe, in der Brust, so haben wir das ausgebildete Schleimfieber, welches demnach nichts anderes ist als ein den ganzen Körper quälender Katarrh. Dabei bleiben jene Stellen, an denen der Katarrh begonnen, sei es die Rachenhöhle, sei es die Brust, bis zu eingetretener völliger Heilung stets die empfindlichsten.