Schweiß.

„Ja, das ist ein Kreuz, dieser Fußschweiß, der sich nun schon so lange an meine Sohlen heftet und mich überallhin auf der Ferse verfolgt!“ So klagen manche, ja sehr viele. „Was ist doch das?“ fragen sie, „häufig ganz kalte Füße, dann wieder ein Brennen und Stechen, und — dieser Geruch!“

Wahr ist’s; aber noch größeres Kreuz, die traurigsten Folgen bringt nicht selten, sogar meistens vertriebener Fußschweiß. Mir ist ein Herr bekannt, dem geraten wurde, er solle täglich ein paarmal die Füße mit kaltem Wasser waschen; der Schweiß werde schon nachlassen. Freilich der Fußschweiß ließ nach, er hörte zuletzt ganz auf. Die Folgen? Die letzten Dinge wurden ärger als die ersten; eine lästige und gefährliche Krankheit rächte den vertriebenen Fußschweiß. Jeden Vernünftigen frage ich: Ist’s denn auch anders möglich? Wer den Fuchs aus seinem Erdverstecke treiben will, darf die Höhle, das Fuchsloch doch nicht zustopfen. Einen solchen Jäger würden die Spatzen auspfeifen, und die Hasen würden ihm zum Spott Männchen machen.

Der Fußschweiß besteht in nichts anderem als in faulen Säften, welche auch die Gefäße, die sie anfüllen und verpesten, halbfaul machen. Dieses die Ursache des schrecklichen Geruches, der Menschen, selbst Tiere aus dem Hause treibt, den Fußschwitzern zur großen Plage gereicht und sie zu gemiedenen Menschen macht.

Was ist da zu tun? Ein Kleid, das in Teer gefallen ist und weithin üblen Geruch verbreitet, wird niemand zu reinigen suchen, indem er von Zeit zu Zeit es mit einem Schwamme abwischt. Die Wäscherin wird eine gute Lauge machen, das schmutzige Stück einbeizen und so den harzigen Teer ausziehen. Ein guter Wäscher des Fußschweißes wird sein, wer alle faulen und faulenden Säfte, so tief dieselben dringen mögen, auflöst und aus- und abwäscht resp. ausleitet. Nebenbei muß er die Haut und die Gefäße, soweit sie durch Fäulnis gelitten haben, heilen und kräftigen.

Am besten und sichersten werden beide Füße ganz eingewickelt in Tücher, die in Heublumenabsud oder in Absud von Fichtenreisern getaucht sind. Diese Umschläge saugen die faulen Stoffe auf, und die beiden Kräuter haben zugleich kräftigende und heilende Wirkung. Man nehme 5–6 solcher Wickel innerhalb zehn Tagen; hernach vierzehn Tage lang täglich ein warmes Fußbad (das bis an die Waden hinausreicht) von je zehn Minuten mit dreimaligem Wechsel und jedesmaliger kalter Abwaschung (höchstens eine Minute dauernd). Schließlich wird ausreichen in der Woche ein obenbeschriebener Fußwickel oder ein solches Fußbad. Nach gestillten Fußschweißen ist’s vortrefflich, zuweilen eine Viertelstunde im nassen Grase barfuß zu gehen. Wer das nicht kann, gehe vor dem Schlafengehen einige Minuten in seinem Zimmer barfuß auf und ab. Man sollte nicht glauben, wie vorteilhaft, wie erfrischend, kräftigend und abhärtend die frische Luft auf so entblößte, dem Wollstrumpfzwange entrissene und einige Minuten der goldenen Freiheit sich freuende Füße wirkt. Probatum est! d. i. Übung macht den Meister!

Körperschweiß, ungesunder.

Nicht bloß Fußschweiße gibt es, es gibt auch ungesunde Körperschweiße. Ein Herr von Stand schwitzte jede Nacht so, daß am Morgen die ganze Matratze durchnäßt war und das Kopfkissen und das Oberbett trieften, ein nächtliches schweres Kreuz, das ihn immer mit Angst vor dem Schlafengehen erfüllte.

Zu dieser Last gesellte sich noch eine zweite, nicht geringe Unannehmlichkeit. Bei der größten Sorgfalt und der sorgfältigsten Einhüllung und Vermummung nämlich konnte der Herr im Winter des ewigen Katarrhs nie los werden. Dazu das stete Schwitzen; man roch die Kleider selbst schon von weitem. Ein lästiges Übel in der Tat! Und nun das Mittel aus der Apotheke?

An schnelle Heilung darf bei diesem Leiden nie gedacht werden, nur an allmählige Kräftigung, Stärkung des durch so vieles Schwitzen entkräfteten Körpers und an fortgesetzte Ausleitung der krankhaften Säfte. Ungeduldig darf so ein Patient nicht werden. Der unsrige hat bewiesen, was bei Ausdauer und Pünktlichkeit die Anwendung von Wasser vermag. Als Lohn seiner Treue erhielt er die volle Gesundheit wieder. Doch das genügt mir nicht, sagt ein barscher Leser. Wenn ich so ein Leiden bekomme, was müßte ich tun? Ziehe dreimal in der Woche, so gebe ich ihm zur Antwort, den spanischen Mantel an. Hindert dich während des Tages dein Beruf, so lege ihn beim Schlafengehen als Nachthemd um auf 1½–2 Stunden. Wasche dich zwei- bis dreimal wöchentlich, oder wenn du, wie unser Patient, schlaflose Nächte hast, zwei- bis dreimal in der Nacht vom Bette aus! Solltest du gerade im Schweiß sein, so wasche dich doppelt kräftig, aber schnell, gehe gleich wieder, ohne dich abzutrocknen, zu Bett und decke dich gut zu; habe indessen, wenn möglich, das Bett nicht in einem ganz kalten Zimmer! Merke dir gut: mit dem spanischen Mantel mußt du die Anwendungen beginnen. Und wenn du seine wohltätigen Wirkungen erfahren hast, wirst du — es ist dein eigenster Vorteil — schon aus Dankbarkeit es nicht verabsäumen, ihn wöchentlich wenigstens einmal auf 1½–2 Stunden zu tragen. Auch eine einmalige Ganzwaschung in der Woche als weitere Zugabe sollte dir den Wasserappetit nicht verderben. Eine große Zahl von Leuten könnte ich nennen, die nach Ablegung des Vorurteils, „man könne sich durch solche Anwendungen nur schaden,“ aus wasserscheuen Individuen ebenso große Wasserfreunde geworden sind. Wie stemmt sich das Schoßhündchen, und wie winselt und keucht es, wenn ich’s ins Wasser werfen will! Wie viel solcher Helden habe ich gesehen! Doch die früher nur „hundelten“ (eine verpönte Art des Schwimmens), sind allmählich prächtige und gewandte Schwimmer geworden.