Ich gestehe gerne zu, daß es Fälle geben kann, welche aber stets zu den Ausnahmen gehören, in denen, da andere rasch wirkende Mittel nicht zur Hand sind, der Aderlaß eine augenblickliche Gefahr beseitigt.
Sonst aber frage ich jeden vernünftigen Unparteiischen: Was ist besser, sich Stück für Stück vom Lebensfaden abzwacken zu lassen, oder durch richtige Wasseranwendung das Blut so zu verteilen, daß selbst der Vollblütigste kein zu großes Quantum Blut besitzt? — Wie und durch welche Anwendungen diese Verteilung zu geschehen habe, ist an passender Stelle des öfteren erörtert.
Gewöhnlich bekommt man zu hören, daß bei drohenden Schlaganfällen der Aderlaß das einzige Rettungsmittel sei. Da erinnere ich mich soeben des Falles, wo nach einem stattgehabten Schlagflusse der erste Arzt in der Tat schnell zur Ader ließ, der zweite Arzt aber bestimmt erklärte, der Kranke müsse gerade infolge dieses Aderlasses sterben, was auch geschah. Nicht Blutreichtum und Blutüberfluß führen, wie irrtümlicher Weise die Leute meinen, in der Regel einen Schlag herbei, sondern Blutarmut. „Er ist am Schlage verschieden“ heißt gewöhnlich soviel als: mit dem Ausgehen des Blutes ist ihm auch das Leben ausgegangen. Das Öl hat aufgehört zu fließen und zu befruchten; deshalb ist der glimmende Docht völlig erloschen.
Welch nützliche Dienste gerade nach Schlaganfällen das Wasser leistet, lese man im dritten Teile nach. Ich bemerke hier nur noch, daß gerade mein Vorgänger im pfarrlichen Amte dreimal vom Schlage gerührt und nach dem dritten Male vom Arzt als lebensunfähig erklärt wurde. Das Wasser hat ihn nicht nur im Augenblicke gerettet, sondern noch mehrere Jahre seiner Gemeinde erhalten.
B. Bäder.
I. Fußbäder.
Die Fußbäder können kalt und warm zur Anwendung kommen.
1. Das kalte Fußbad
besteht darin, daß man 1–3 Minuten bis an oder über die Waden in kaltem Wasser steht.
Bei Krankheiten dienen kalte Bäder vornehmlich dazu, das Blut von Kopf und Brust abwärts zu leiten; sie kommen indessen meist nur in Verbindung mit anderen Anwendungen vor, zuweilen in Fällen, in denen Ganz- oder Halbbäder von den Patienten verschiedener Ursachen wegen nicht ertragen werden.