Die Füße werden bis über die Knie entblößt, die Beinkleider möglichst weit zurückgeschlagen und, um sie vor Nässe zu schützen, gegen die zu begießenden Stellen zu mit einem Tuche (Handtuche) bedeckt. Man setzt sich sodann auf einen Stuhl und stellt beide Füße ähnlich wie beim Fußbade in ein bereitstehendes Gefäß. (S. [Abbildung].) Wer sich aber stehend den Guß geben läßt, handelt nicht schlechter. Der Guß geschieht mit einer kleinen Gießkanne, am besten mit einer Treibhausgießkanne, die mit einer Hand leicht dirigiert wird. Die erste Kanne, die schneller und voller strahlend ausgegossen werde, benetzt beide Füße, von den Zehen bis über die Knie. Die folgenden Kannen bespülen in schwachem Strahle, der bald höher, bald tiefer auffällt, einzelne Fußstellen, besonders die Kniescheiben (in der Mitte, rechts und links davon) und die Waden in einer Art, daß das Wasser über die Beine ziemlich gleichmäßig hinunterläuft. Der Inhalt der letzten Kanne wird nicht gegossen, sondern aus der größeren Öffnung in zwei oder drei Malen über die Füße wie zur Abspülung hingeschüttet. Zu einem Kniegusse können 2–10 Gießkannen verwendet werden, wovon eine 13–15 Liter hält.
Fig. 12.
Kranke, Schwächlinge halten den Guß beim ersten Anprall sehr schwer aus. Kein Anfänger tut sich ganz leicht. Schon Männer, welche zuerst über das Bagatellverfahren witzelten, dann die elektrischen Schlägen gleichende bis ins Innerste hinein erschütternde Wirkung verbeißen wollten, habe ich wie Espenlaub zittern und vor Schmerz weinen sehen. Es ist das der beste Beweis für die elektrisierende, auffrischende, stärkende Kraft dieses Gusses.
Rekonvaleszenten, blut- und säftearmen Personen, — allen, deren Fußknochen nicht kernige Muskeln, sondern nur dünne, armselige Fleischmäntelchen tragen, rate ich die erste Zeit nie mehr als 2–3 Gießkannen; auch bei jedem Anfänger soll das erste Mal die Zweizahl nicht überschritten werden. Sie können in den folgenden Tagen auf 4–6 und noch später auf 8–10 Kannen steigen. Nach 8–10 Kniegüssen ist jedes Schmerzgefühl verschwunden. Mit Behagen, mit einem gewissen Sehnen erwartet man den nächsten Strahl, der in so kurzer Zeit die verweichlichten Füße so bedeutend gestärkt hat.
Der Knieguß kommt regelmäßig nur in Verbindung mit dem Oberguß vor. Man lese deshalb nur das vom Oberguß Gesagte. Jedoch ist dies nicht so gemeint und auch nicht so zu verstehen, daß nach dem Obergusse unmittelbar der Knieguß genommen werden müßte.
2. Der Schenkelguß
bildet die Fortsetzung des Kniegusses, gegen den Unterleib zu, schließt jedoch als eigentlichen Schenkelguß dessen Begießung aus. Er besteht darin, daß außer den beim Knieguß begossenen Fußstellen die Schenkel mit in Behandlung gezogen werden. Die erste Kanne Wassers benetzt ziemlich rasch die ganze Länge der Beine von den Zehen bis zum Unterleib; die folgenden mögen nahezu gleichmäßig verteilt auf dieselben spülen. Patienten, welche noch das Stehvermögen haben, nehmen diesen Guß (und wohl jeden andern) besser in stehender Haltung; sie haben dabei den Vorteil, daß das aus der Kannenröhre ausfließende Wasser beim Hinablaufen Wade und Schienbein gleichmäßiger und gleichzeitiger benetzt; und gleichmäßiges und gleichzeitiges Übergießen zähle ich stets zu den guten Eigenschaften eines Gusses.
Fig. 13.